Pride Month – Mehr als nur ein Monat

Pride Month – Mehr als nur ein Monat

Der Juni steht ganz im Zeichen des Pride Month. Der sogenannte „Month of Diversity“ will mit Pride Paraden und Pride Festivals Aufmerksamkeit auf die LGBTQ+ Community lenken. Es wird für ihre Rechte gekämpft, aber auch bisherige Erfolge werden ausgelassen gefeiert. Einst ein politischer Protestzug, hat es sich nun mehr zu einer riesigen Party gewandelt. Einige Reisende pilgern sogar von Stadt zu Stadt, von Parade zu Parade, um ja nichts zu verpassen.

Der Pride Month hat zwei Absichten. Zum einen feiert er die Freiheit, seine Identität frei ausleben zu können. Gleichzeitig weist er aber auch auf weiter bestehende Unterdrückung hin und widersetzt sich. Menschen, die sich der LGBTQ+ Community zugehörig fühlen, sollen sich weder schämen noch verstecken müssen, sondern sich selbstbewusst entfalten dürfen.

Wir wollen dir zeigen, was genau es mit dem Pride Month auf sich hat, wo du am besten feiern kannst und welche Orte du als LGBTQ+ eventuell meiden solltest.

LGBTQ+

LGBTQ+ ist ein Akronym, das die unterschiedlichen sexuellen Orientierungen umfasst: Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer. Das + (manchmal auch *) soll dabei alle weiteren nicht benannten Identitäten einschließen. So gibt es auch Versionen wie LGBTQIA+, die Intersexualität und Asexualität einbeziehen.

Die Anfänge

Warum wird der Pride Month eigentlich ausgerechnet im Juni gefeiert? Begonnen hat die wundervolle Tradition des Pride Month mit einem unschönen Ereignis in den USA. Die 1960er-Jahre waren für die LGBTQ+ Community in New York nicht einfach. Neben gesellschaftlicher Ausgrenzung waren sie auch von wiederkehrenden Razzien betroffen. Am 28. Juni 1969 im Stonewall Inn, einem Schwulenclub im Stadtteil Greenwich Village, hatten die Menschen jedoch genug und wehrten sich. Es entstand der erste bekannte Aufstand von queeren Menschen gegen Polizeigewalt, der sechs Tage lang anhielt und geprägt war von brutalen Auseinandersetzungen.

1970, ein Jahr nach den Stonewall-Unruhen, wurden Demonstrationen in New York City, Los Angeles, Chicago und San Francisco organisiert. Von dort verbreiteten sie sich weltweit. Der Kampf um LGBTQ+ Rechte wurde entfacht. Die Forderungen bestanden damals wie heute im Schutz vor willkürlichen Razzien und Verhaftungen. In fortschrittlicheren Gesellschaften liegt der Fokus heute außerdem auf Aufrufen nach gleichgeschlechtlicher Ehe und Adoption sowie gesetzlichem Schutz.

Im deutschsprachigen Raum ist die Pride Parade als CSD – Christopher Street Day – bekannt geworden, benannt nach der Straße, in der sich das Stonewall Inn befindet. Der erste CSD fand 1979 in Deutschland statt und wird seitdem jedes Jahr zelebriert.

Pride Festivals und Pride Paraden

Während der Juni bewusst als Pride Month auserwählt wurde und das Bewusstsein für Pride am größten ist, ist es nicht darauf beschränkt. Das ganze Jahr über finden die unterschiedlichsten Events und Veranstaltungen für und über LGBTQ+ statt.

Die Pride Paraden sind das absolute Highlight des Pride Month. Überall erwartet dich ausgelassene Stimmung. Ein echtes Spektakel! Oft haben sie Karnevalsstimmung mit Paradewagen, Tänzern und Live-Musik. Kreative Kostüme, Glitzer und Pride-Flaggen, wo das Auge hinreicht. Die Regenbogenflagge hat sich zu einem internationalen Symbol für die LGBTQ+ Bewegung schlechthin entwickelt und finden sich überall während des Pride Month. Eine Explosion an Farbe und Vielfältigkeit!

Aber auch wenn du nicht direkt Teil der Community bist, gibt es als sogenannter Verbündeter („ally“) reichlich zu erleben. Mit Reden, Vorträgen und Diskussionen hast du genügend Gelegenheiten dich weiterzubilden und deine Unterstützung zu zeigen.

Pride in Deutschland

Der CSD Berlin ist einer der ältesten CSDs und manifestiert sich in verschiedenen Veranstaltungen. Am 18. Juni findet beispielsweise die „Marzahn-Pride“ auf dem Victor-Klemperer-Platz statt, ein Straßenfest organisiert von russischsprachigen LGBTQ+. Am 25. Juni findest du in Berlin außerdem die „East Pride Demo“ und am 21. Juli der „CSD auf der Spree“. Das Wochenende vom 16. und 17. Juli feiert das „Lesbisch‑Schwule Stadtfest“, das größte Stadtfest Europas. Eine Woche später (23. Juli) zieht die Pride Parade des Berliner CSD unter dem Motto „United in Love! Gegen Hass, Krieg und Diskriminierung“ durch die Stadt. Die Route beginnt um 12 Uhr am Roten Rathaus über den Potsdamer Platz zum Nollendorfplatz und der Siegessäule bis zum Brandenburger Tor.

Anders als erwartet ist das größte Pride Fest nicht in Deutschlands Hauptstadt. Der Cologne Pride zieht etwa eine Millionen Besucher an. Vor einigen Jahren war Köln sogar europaweit der größte, wurde nun aber von Metropolen wie Madrid und London überholt. Nachdem er erstmals 1991 gefeiert wurde, findet er dieses Jahr am 3. Juli, nach zwei Wochen vielseitigem Programm, statt.

Schild mit handschriftlichem Text in Menschenmenge

Weitere CSDs finden zum Beispiel in Frankfurt am Main (16. Juli), Stuttgart (30. Juli) uns Hamburg (6. August) statt. Der kleinste CSD Deutschlands ist der CSD im Wendland (16. Juli). Events und Pride Programme finden sich überall, auch in deiner Nähe!

Pride Weltweit

USA          

New York, wo alles begann, ist eine der ältesten und größten Prides weltweit. Die Parade am 26. Juni beginnt in der 26th Street, 5th Avenue und endet in Greenwich Village in der 23rd Street, 7th Avenue. Das „Pride Fest“ ist ein Straßenfest in der Hudson Street mit kostenlosem Eintritt. „Pride Island“ ist die größte jährliche Benefizveranstaltung der NYC Pride. In früheren Jahren traten Stars wie Ariana Grande, Cher oder Whitney Houston auf. Auch eine „Pride Tour“ durch New York und die LGBTQ+ Geschichte wird angeboten.

Chicago Pride Month bietet zahlreiche Events über die Stadt verteilt hinweg. Besonders beliebt ist dabei das LGBTQ+ Viertel Northalsted in East Lakeview, auch bekannt als Boystown. Hier findet am 18. und 19. Juni das „Chicago Pride Fest“ statt, eine Woche später (25./ 26. Juni) „Pride in the Park“. Traditionell erfolgt die Pride Parade am letzten Sonntag im Juni. Sie beginnt 12 Uhr am 26. Juni in Boystown und geht bis zum Lincoln Park. Mit über einer Millionen Besuchern wuchs Chicago Pride zu einer der größten und bekanntesten Pride Events der Welt auf.

San Francisco Pride ist die größte Veranstaltung der USA mit 1 700 000 Besuchern, weltweit größer ist nur noch São Paulo, Brasilien. Deshalb wird San Francisco häufig auch als „Gay Capital of the U.S.“ bezeichnet. Besonders herzlich ist das Castro Viertel. Die Parade findet dieses Jahr am 26. Juni statt. Teilnehmen werden 300 Gruppen mit 50 000 Menschen in über 200 buntgeschmückten Paradewagen. Einige Zuschauer kommen schon Stunden vorher, um sich die besten Plätze zu sichern.

Superlative

Pride Paraden findest du weltweit in den unterschiedlichsten Formen und Größen. Die größte Parade der Welt befindet sich beispielsweise in São Paulo, Brasilien. Bis zu drei Millionen Besucher treffen auf der „Parada do Orgulho de São Paulo“ am 19. Juni aufeinander. Reykjavik Pride, „Hinsegin Dagar“, hingegen bezeichnet sich selbst als „Biggest Small Pride in the World“. 1970 war L.A. Pride die erste erlaubte Gay Parade weltweit. In Malawi fand die erste Parade hingegen am 26. Juni 2021 in der Hauptstadt Lilongwe statt.

Amsterdam Pride spielt sich auf dem Wasser in den Kanälen der Stadt ab, was sie zur einzigartigsten Parade macht. Sydney feiert sich währenddessen als bunteste Pride und ist bereits im Februar bis März.

Auch in Asien wird vereinzelt Pride gefeiert. Tel Aviv Pride am in Israel ist die größte Pride in Asien, auch wenn die Gesellschaft in Bezug auf LGBTQ+ gespalten ist. Das Gleiche gilt für Afrika. Die Joburg Pride in Johannesburg, Südafrika, ist die größte des Kontinents.

Regenbogenflagge mit „Queer & Proud“ Handschrift,

Gefährliche und Sichere Orte

Gegen LGBTQ+

Aber nicht überall auf der Welt gibt es Grund zu feiern. Einige Länder kämpfen im Pride Month immer noch für ihre Rechte. Hier blieb der aktivistische Charakter erhalten. In über 70 Ländern der Welt ist Homosexualität illegal und ein Verbrechen. Es drohen Gefängnis- oder Todesstrafe und Verfolgung.

Insbesondere LGBTQ+ Communities in afrikanischen und asiatischen Ländern sind gefährdet. Im Iran wird das Outen als Homosexuell mit Peitschenhieben bestraft. In Singapur wurde gleichgeschlechtlicher Sex 2020 verboten. Die Todesstrafe droht in Brunei (2019 eingeführt), Iran, Jemen, Mauretanien, Nigeria und Saudi-Arabien sowie Afghanistan, Pakistan, Katar, Somalia und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Aber auch in osteuropäischen Ländern wie Belarus, Bulgarien, Polen, Ungarn oder Rumänien herrscht eine negative Stimmung gegenüber LGBTQ+ Angehörigen. Zudem ist Russland eines der Problemländer hinsichtlich LGBTQ+ Gleichstellung. Dort sind Prides verboten und 2012 sogar mit einem 100‑jährigen Bann belegt worden. Die Organisation von Paraden wird außerdem durch die Verschärfung der Versammlungsrechte erschwert. 2013 wurde ein Gesetz gegen „homosexuelle Propaganda“ eingeführt. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften werden nicht anerkannt. Es existiert eine spürbare wachsende Homophobie mit berechtigter Angst vor Übergriffen in der Öffentlichkeit.

Im Wandel

Karibische Länder sind hingegen gespalten. Während in Jamaika und Barbados lebenslange Gefängnisstrafe verhängt werden kann, sind Länder wie Kuba und Puerto Rico wiederum sicher. In Afrika steht zum Beispiel Südafrika im Kontrast zu anderen Ländern. Dort wurde Adoption 2002 und gleichgeschlechtliche Ehe 2006 legalisiert. Auch in Asien findest du vereinzelt den Kampf um Pride und LGBTQ+-Rechte. So war Taiwan 2019 das erste asiatische Land, das gleichgeschlechtliche Ehe erlaubte.

LGBTQ+ freundlich

Es gibt aber auch eine Auswahl an Reisezielen, die sich an LGBTQ+ Reisende angepasst haben. Dazu gehören zum Beispiel Gran Canaria findet und Ibiza, wo das Platja d’es Cavallet beliebt ist. Auf Mykonos sind der Super Paradise Beach und Klein-Venedig im Zentrum von Mykonos Stadt LGBTQ+ Anziehungsorte. Aber auch die Insel Lesbos ist bleibt, insbesondere bei lesbischen Reisenden und dem Festival Sappho Women im September.

Weitere angenehme Zielländer sind Argentinien, Bali, Brasilien, Kolumbien, Taiwan, Thailand und Uruguay. Als eines der LGBTQ+ freundlichsten Länder gilt Malta.

Generell sind Länder der westlichen Welt sind in ihrer Akzeptanz von LGBTQ+ fortgeschrittener und entsprechend sicher zu bereisen. USA, Kanada, Australien, Neuseeland und Europa, abgesehen von Osteuropa, kannst du problemlos als LGBTQ+ ansteuern. Die Niederlande waren das erste Land gleichgeschlechtliche Ehe zu erlauben. Zudem war schon 1811 sexuelle Aktivität zwischen Männern legal. Island hatte 2009 erstmals eine offen homosexuelle Regierungschefin.

Während es in Deutschland teilweise noch zu Gewalt gegen LGBTQ+ Angehörige kommt, wurde 2017 gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert und die Akzeptanz steigt.

Weitere Tipps

Bei deinen Reisen solltest du immer selbst abschätzen, wie sicher du dich fühlst! Auch in bedrohlich eingestuften Ländern stehst du nicht unter direkter Gefahr, wenn du dich entsprechend verhältst. Vorsicht ist besser als Nachsicht. Informiere dich über die aktuelle politische Situation in deinem Zielland.

Menschenmenge, die Regenbogenflaggen schwingt

Egal, ob du allein reist oder mit anderen, Pride ist die perfekte Chance neue Menschen und Städte kennenzulernen. Verbinde deine Pride Parade Besuche doch mit Sightseeing und lerne die Stadt von einer anderen Seite kennen. Vielleicht lernst du während der Pride auch neue Leute kennen. Es ist schließlich die Zeit zum Zusammenkommen und Diversity zu feiern. Häufig gibt es auf den Seiten der Pride Veranstalter Hotelempfehlungen, speziell zugeschnitten für LGBTQ+ Angehörige, sodass du auf Gleichgesinnte treffen kannst.

Du musst dich nicht als LGBTQ+ identifizieren, um Pride zu feiern! Solange du offen und respektvoll bist, sind alle herzlich willkommen.

Auch wenn du ausgelassen feierst, vergiss nicht genug zu essen und Wasser zu trinken, vor allem im Sommer! Nimm bitte auch deinen Müll wieder mit! Erinnere auch Nebenstehende auf sich und ihre Umwelt zu achten!

Fazit

Pride Month ist ganzjährig und steht für Vielfalt und Toleranz in all seinen Formen, gegen Stigmatisierung und Ausgrenzung. Nachdem sich die jahrelange Unterdrückung in den Stonewall-Unruhen in New York entladen hatte, entstand eine positive Tradition, die weltweit zelebriert wird. Mit dem CSD wird in Deutschland nun seit über 50 Jahren dieser Meilenstein in der LGBTQ+ Geschichte gedacht. Was als politische Demonstration begann, ist inzwischen zu so viel mehr geworden, mit der Unterstützung von Millionen von Menschen. Und auch wenn noch keine LGBTQ+ Gleichstellung existiert, so befinden wir uns schon einmal auf dem Weg in die richtige Richtung. Happy Pride Month!

Sophie Bikkel

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