Mittelchile

Siehst du dir die Aufteilung und die Form von Chile einmal genauer an, wird dir sicherlich der einzigartige Umriss des südamerikanischen Landes auffallen. Es ist wahnsinnig schmal, aber dafür umso länger. Für uns Backpacker hat das jedoch auch einen ganz netten Nebeneffekt, denn es hat für jeden etwas zu bieten: Sonne am Strand, Wandern in den Bergen, Stadtleben und Kultur ohne Ende!

Die beste Reisezeit für Chile eindeutig festzulegen ist ebenso schwer, wie die Klimazonen, Landschaften, Reiseziele und Sehenswürdigkeiten. Angefangen bei der trockenen Atacama-Wüste, über die pulsierende Hauptstadt Santiago de Chile bis hin zu eisbedeckten Gletschern in Patagonien und Feuerland – Chile ist einfach vielfältig und einmalig.

Das Land gliedert sich in stolze 16 Regionen plus dem Hauptstadtdistrikt, dem Gebiet der Antarktis und einigen Überseegebieten wie den Osterinseln. Der folgende Artikel stellt die sieben Regionen in Mittelchile vor. Von hier aus kannst du am besten das Land erkunden und wirst das ganze Jahr über von einem mediterranen Klima begrüßt.

Regi de Coquimbo (IV.)

Die vierte Region im Norden heißt Coquimbo. Sie grenzt nördlich an die Atacamawüste und ist flächenmäßig die größte Region Zentralchiles. Im Nationalpark Bosque de Fray Jorge findest du mit etwas Glück freilebende Chinchillas oder bestaunst den Peruanischen Pfefferbaum. Neben eines Strandbesuch zum Baden oder Surfen kannst du von dieser Region aus auch leicht nach Nordchile oder Argentinien reisen. Weiter im Landesinneren stößt du auf idyllische Flusstäler, wie das Valle de Elqui.

Das Highlight der Region ist aber die Hauptstadt La Serena. Die Stadt, eine ehemalige Wüstenoase, ist die Viertgrößte in ganz Chile und zeichnet sich besonders durch ihren Kolonialstil aus. Viele sehenswerte Gebäude stehen seit Jahren unter Denkmalschutz. Neben dem Hauptplatz Plaza de Armas solltest du die Kathedrale und den eindrucksvollen Leuchtturm besuchen. Außerdem kannst du durch eines der vielen Museen oder durch den japanischen Garten schlendern.

Región de Valparaíso (V.)

Die fünfte Region Chiles ist auch zugleich die mit den meisten Städten und – neben der Hauptstadtregion – die Stadt mit der höchsten Einwohnerzahl. Ganze 1,8 Millionen Chilenen leben in den Städten Valparaíso, Viña del Mar, San Antonio, Quillota und Quilpué. Einen Katzensprung entfernt, befindet sich schon die Hauptstadt Santiago, die auf jeden Fall auf deiner Bucket List stehen sollte. Allerdings kannst du auch aus dem Stadtdschungel flüchten: Am besten besuchst du den Nationalpark La Campana oder einige Skigebiete in den Anden.

Die Hauptstadt Valparaíso sollte deine erste Anlaufstelle der Region sein. Hier trifft sich nicht nur der chilenische Kongress, sondern auch die Kunstszene des Landes. Das merkst du natürlich im Museo de Bellas Artes, aber auch an aufregender und erfrischender Straßenkunst, den bunten Häusern und malerischen Ausblicken. Den besten Überblick erhältst du während einer Fahrt mit der Standseilbahn oder einen der Aufzüge von Valparaíso. Aber nicht nur tagsüber, sondern auch bei Nacht macht die Hafenstadt eine wirklich gute Figur.

Viña del Mar ist nicht einmal zehn Kilometer von Valparaíso entfernt. Hier gibt es zwar nicht so viel Kulturelles zu sehen, aber dafür kann die Stadt mit wunderschönen weißen Sandstränden und einer aufregenden Nachtlebenszene, punkten. Die Chilenen selbst machen hier gerne Urlaub und lassen am Pazifik die Seele baumeln. Diskotheken reihen sich hier an Casinos, viele Festivals finden statt und es gibt sogar das berühmte Schloss Wulff zu besichtigen, sodass du dann doch noch zu etwas Kultur kommst. 

Región del Libertador General Bernardo O’Higgins (VI.) und Región del Maule (VII.)

Die Regionen Nummer 6 und 7 scheinen auf den ersten Blick nicht so interessant für Backpacker zu sein. Jedoch kannst du hier erstklassig die chilenische Natur genießen. Dafür besuchst du entweder den Strand von Pichilemu, den Stausee Rapel oder eine der unzähligen Thermalquellen der Regionen. Die Hauptstädte Rancagua und Talca sind touristisch sehr erschlossen und auch sehenswert, wenn dir mittelgroße Städte in der Natur gefallen. Constitución hingegen ist eine ansprechende Touristenstadt in der Region Maule.

Der General Bernardo O’Higgins, der Namensgeber der nördlicheren Region, war übrigens Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung von Chile. Wasserfälle, Seen und jede Menge Naturreservate – beide Regionen überzeugen vor allem durch bildschöne Landschaften in Zentralchile. Am besten besucht man hier die Nationalreservate Parque Vilches, Altos de Urcay, Laguna Torca, Radal Siete Tazas und Río de los Cipreses.

Einige Geisterstätte und verlassene Minen zeugen von dem Abbau von Kupfer, Quarz, Schwefel und Talk vergangener Tage. Ansonsten wird dir sicherlich auffallen, dass der Wein- und Obstanbau in den Regionen boomt. Zwar sind Obstplantagen nicht unbedingt touristisch, aber du kannst die Früchte direkt auf einem Straßenmarkt kaufen und die Natur vor Ort genießen. Eine oder mehrere Weinproben sowie ein Besuch einer Winzerei sollten auf jeden Fall auf deiner Liste stehen – der chilenische Wein ist einfach toll!

Región de Ñuble (XVI.) und Región del Biobío (VIII.)

Die Regionen Ñuble und Biobío waren bis 2018 ein Gesamtdistrikt und der nördliche Teil spaltete sich als 16. Region Chiles ab. Da die herkömmliche Nummerierung blieb, ist sie als Nummer 16 bekannt. Ñuble zeichnet sich durch seine Weinanbaugebiete, seine Trekkingstrecken und seinen wunderschönen Ausblick auf das Andengebirge, aus.

Die Hauptstadt Chillán ist vor allem wegen vier verheerenden Erdbeben in den Jahren 1751, 1835, 1939 und 2010 in aller Munde. Diese verursachten auch, dass der gleichnamige Vulkan inzwischen auf eine Höhe von 1.800 m wachsen konnte und es sehr viele Thermalquellen in der Stadt gibt. Zudem ist die Stadt berühmt für ihr tolles und stilvolles Kunsthandwerk.

Die Region mit dem Namen Biobío gilt als Hauptregion der Ureinwohner Chiles, dem indigenen Volk der Mapuche. Sie ist benannt nach dem Fluss Bío Bío, wo immer noch hohe Anstrengungen betrieben wird die Sprache Mapudungun zu erhalten. Die meisten der Städte in der Region wurden deswegen auch von dem Stamm der Mapuche gegründet: Arauco, Angol, Lebu, Tucapel, Purén. Viele Festungen und andere Gebäude können auch heute noch als Zeugen der indigenen Kultur angesehen werden.

Die Hauptstadt Concepción hingegen wurde von den spanischen Siedlern gegründet und diente als Startpunkt des Arauco-Kriegs zwischen den Kolonisatoren und den indigenen Einwohnern der Region. Concepción ist nach der chilenischen Hauptstadt Santiago der größte Ballungsraum des Landes. Über 700.000 Bewohner genießen hier die einmalige Aussicht auf den Bío-Bío-Fluss und der naheliegenden schönen Natur. Hier hast du eine gute Gelegenheit, mehr über die Mapuche, die spanische Eroberung und die weltberühmte Straße Panamericana zu erfahren.

Región de la Araucanía (IX.)

Die letzte Region von Mittelchile ist auch bekannt als Araukanien. Je nach Betrachtungsweise beginnt für manche hier auch schon die sogenannte „chilenische Schweiz“ und damit Südchile. Allerdings ähnelt das Klima und die indigene Bevölkerung die der angrenzenden Region Biobío. Zudem siedelten sich besonders in der Nähe der Hauptstadt Temuco viele Deutsche an. Benannt ist die Region übrigens nach der Chilenischen Araukanie – einem charakteristischen Tannenbaum, der auch als Andentanne, Affenschwanzbaum oder Chiletanne bekannt ist.

Temuco überzeugt durch ein lebendiges Stadtleben mit künstlerischen Straßenmärkten, einem modernen Hauptplatz sowie einer bergigen Hintergrundkulisse. Außerdem kannst du hier das Eisenbahnmuseum, den Zoologischen Garten oder das Mapuchemuseum besuchen. Viele Nationalparks, wie zum Beispiel der Conguillío, liegen ebenfalls in unmittelbarer Nähe.

Am besten stattest du der Touristenstadt Pucón einen Besuch ab. Hier gibt es nicht nur einen strahlenden See, sondern auch Wasserfälle, den vereisten Vulkan Villarrica und natürlich die Anden. Danach nutzt du die Region Araucanía als Tor nach Patagonien oder für den Grenzübertritt nach Argentinien, denn hier bekommst du den Aconcagua zu Gesicht. Der fast 7.000 m hohe Berg ist der Größte der Anden.

Fazit

Chile ist ein Land der Extreme. Sowohl eine einzigartige Geschichte als auch gegenteilige und gezeichnete Landschaften machen dieses Land in Südamerika zum absoluten Eldorado für Backpacker. Doch während die meisten „nur“ durch Santiago, Atacama und Patagonien reisen, wird der mittlere Teil von Chile viel zu wenig beachtet. Hoffentlich konnten wir dich davon überzeugen, dass es sich lohnt, nicht einfach nur die Regionen IV bis IX zu durchfahren, sondern den ein oder anderen Stopp einzulegen.

Auf den insgesamt über 1.200 km, die uns durch Mittelchile führen, gibt es jede Menge Top-Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Wenn du dich dazu entschließt, von Norden nach Süden zu reisen, oder andersherum, wirst du in den Genuss einer bunten Palette verschiedener Landschaften, Aktivitäten und spannender Orte, kommen. Die Regionen Coquimbo, Valparaíso, Libertador General Bernardo O’Higgins, Maule, Ñuble, Biobío und Araucanía warten sehnsüchtig auf deinen Besuch!

Ergattere traumhafte Blicke auf die Städte La Serena, Valparaíso, Viña del Mar, Concepción und Temuco. Komm an langen und traumhaften Stränden vorbei. Entdecke die aufregende Kultur der Mapuche. Besuche einen Nationalpark. Genieße erstklassigen Wein. Lerne etwas über Erdbeben und Bergbau. Wandere durch Berglandschaften. Und am wichtigsten: hab Spaß bei deinem Rucksacktrip!


Marvin Erdner


Chile

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