Wie Fremdsprachen deine Persönlichkeitsentwicklung beeinflussen

Sprachen regieren die Welt. Im Alltag und auf Reisen sehen wir uns mit zahlreichen Sprachen konfrontiert, die uns einen Einblick in das Leben anderer Menschen und Kulturen gewähren. Wusstest du zum Beispiel, dass Papua-Neuguinea das Land mit den am meisten gesprochenen Sprachen der Welt ist? In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit der Kunst der Sprache und was diese für unsere Persönlichkeitsentwicklung bedeutet.

Welche Sprachen sprichst du?

Europa ist ein Kontinent der Kulturen, auf dem Menschen tagtäglich in verschiedenen Sprachen miteinander kommunizieren. In Brüssel werden wichtige staatliche Entscheidungen sogar in drei Sprachen getroffen. Im Vergleich zu den USA, wo Englisch die dominierende Sprache ist, sind in Europa Sprachen ein wichtiger Aspekt des gemeinsamen Lebens. Dazu gehört die Höflichkeit, beim Besuch eines Reiselandes, Begriffe und Redewendungen in der Landessprache zu kennen ‒ eine Selbstverständlichkeit, die auf anderen Kontinenten nicht immer existiert.

Unsere Welt ist so konzipiert, dass sie ohne Sprache nicht funktioniert. Wir kommunizieren mit unseren Freunden und der Familie, aber auch mit unseren Businesspartnern. Wir passen uns an Vorstellungen der Höflichkeit und des Humors an und versuchen, die Körpersprache des Gegenübers zu interpretieren und darauf zu reagieren. Unser Gehirn führt diese Kleinigkeiten ohne große Anstrengungen aus und garantiert, dass unsere Sozialstrukturen nicht plötzlich wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Stattdessen leben wir, wohin wir auch gehen, Kommunikation.

Dabei muss Sprache nicht immer gesprochen werden. Oft reichen Handbewegungen und Körpersprache, Mimik und Gestik, um mit anderen Menschen zu kommunizieren. Gerade in Ländern, in denen Bewegungen eine andere Bedeutung haben (in Bosnien bedeutet das Kopfnicken zum Beispiel keine Zustimmung), wird uns klar, wie wichtig Empathie und Aufgeschlossenheit eigentlich sind. Sprache und Kultur sind eng miteinander verflochten und verlieren an Bedeutung, wenn sie aus ihrem kulturellen Umfeld entfernt werden. Darum ist es auch so wichtig, eine Sprache in dem Land zu sprechen und zu lernen, in dem sie muttersprachliche Qualitäten besitzt.

Die Macht der Sprachen

Egal, ob du Studierender oder Reisender bist, ob du eine Sprache in der Schule oder in Eigeninitiative gelernt hast, Studien beweisen, dass unsere Sprachfähigkeiten direkten Einfluss auf uns als Menschen haben. Sie bringen uns Toleranz und Verständnis bei, während wir uns selbst besser kennenlernen. Sprachenlernen braucht Zeit und Durchsetzungsvermögen und schult unsere Geduld. Wer einmal eine Sprache gelernt hat, weiß, dass das Lernen niemals endet, aber jedes Erfolgsgefühl einen persönlichen Meilenstein darstellt.

Was bedeutet es, wenn wir Fremdsprachen und Persönlichkeitsentwicklung im gleichen Atemzug nennen? In den nachfolgenden Abschnitten haben wir uns die gängigsten Vorteile des Sprachenlernens im Ausland und zu Hause genauer angesehen.

Drei Personen am Laptop unterhalten sich untereinander

Kognitive und kreative Persönlichkeitsentwicklung

Kreativität und mentale Fähigkeiten werden dem Sprachenlernen schon seit den Neunzigern zugeschrieben. So sollen Menschen, die Fremdsprachen lernen, Probleme anders angehen und dadurch kreativer lösen, da sie mithilfe ihrer Vorstellungskraft in neuen Mustern denken. Diese Fähigkeiten werden besonders bei Menschen, die zweisprachig aufgewachsen sind, deutlich. In Sprachtests und Intelligenztests schneiden zweisprachige Kinder durchschnittlich besser ab und sind der Beweis dafür, dass Sprachen unsere kognitive Leistung verschärfen.

Das eigene Ich und seine Kultur

Oft ist es schwierig, sich vorzustellen, dass eine Fremdsprache Einfluss auf die eigene Kultur haben kann. Johann Wolfgang von Goethe schrieb einst, dass wir uns erst dann selbst kennenlernen, wenn wir uns mit einer anderen Kultur beschäftigt haben, nämlich: „Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen“. Erst das Auseinandersetzen mit einer anderen Sprache und die Kommunikation mit neuen Kulturen ermöglicht es, über unsere eigene Welt nachzudenken. Gestiken, Bräuche, Traditionen ‒ sie alle haben einen bestimmten Zweck in einer Kultur und verlieren diesen in einer anderen. Verabschieden wir uns beim Verlassen eines Geschäftes oder verbeugen wir uns beim Treffen neuer Bekanntschaften? Sobald wir uns mit anderen Denkweisen konfrontieren, merken wir, wie prägend unsere Abstammung eigentlich ist.

Selbstbewusstsein in der Erst- und Zweitsprache

Bestimmt kannst du dich noch an deine erste Präsentation in einer Fremdsprache erinnern. Das Selbstbewusstsein, das dafür benötigt wird, ist nicht einfach zu erlangen, denn es verlangt nicht nur absolute Konzentration, sondern auch viel Geduld. Das Lernen einer neuen Sprache bedeutet für viele zuallererst Überwindung. Die Aussprache wird kritisiert und das Wissen um Grammatik scheint sich während des Sprechens in Luft aufzulösen. Wir sind unsere größten Kritiker, bis wir lernen, dass Fehler zum Lernprozess gehören. Das daraus resultierende Selbstbewusstsein macht uns zu neuen Menschen.

Aufgeschlossenheit und Toleranz

Wir alle kennen das Wort „Fernweh“, das ein Gefühl der Sehnsucht in die Ferne beschreibt. Das Wort, das das deutschsprachige Kulturgut so nachhaltig geprägt hat, existiert in keiner anderen Sprache und wird selten übersetzt. Interessanterweise entstand das Wort bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts und weist darauf hin, dass Reisen und Erfahrungen schon lange ein essenzieller Bestandteil eines, nach deutschsprachigem Vorbild, erfüllten Lebens sind.

Auch andere Sprachen besitzen solche Wörter, die ein bestimmtes Lebensgefühl oder Erlebnis einfangen und eine Lücke im Sprachgebrauch füllen. Im Japanischen beschreibt das Wort „Komorebi“ das Licht, das sich durch die Blätter von Bäumen bricht. Es symbolisiert die japanische Liebe zur Natur und die Wertschätzung der natürlichen Schönheit der Welt. Das portugiesische Wort „Saudade“ verinnerlicht einen Zustand des Vermissens, der sich auf Personen oder Orte bezieht.

Die Studien dieser unübersetzbaren Wörter geben uns Aufschluss über die Lebensart fremder Kulturen. Sie zeigen uns, wie andere Länder mit der Welt interagieren und diese sehen. Wenn wir reisen und erste Einblicke in diese Lebensweisen gewinnen, erweitern wir damit langsam unseren eigenen Horizont. Wir werden verständnisvoller und lernen, aufgeschlossener mit unseren Mitmenschen zu leben. Schließlich sind es nicht Übersetzungen, die uns Wörter anderer Kulturen näherbringen, sondern Reisende, die dieses Kulturgut wieder mit nach Hause bringen.

Den Horizont erweitern

Sprachen öffnen Türen und das auch in den kreativen Industrien. Viele Filme, Bücher oder sogar Lieder können erst wirklich genossen werden, wenn wir die Muttersprache des Werkes verstehen. Oftmals gibt es für Bücher keine Übersetzung ‒ Menschen, die andere Sprachen sprechen, haben jedoch Zugriff auf diese Inhalte. Und das, egal, wo sie sich befinden.
Wusstest du, dass Samba ein großer Teil der brasilianischen Kultur ist? Tanz bedeutet Kultur und Sprache, dies wird nur denjenigen offenbart, die Zeit und Aufwand investieren, um Neues kennenzulernen.

Karrieremöglichkeiten durch Fremdsprachen

In unserer vernetzten Welt werden Multitalente immer wichtiger. Sie übersetzen, interpretieren und kommunizieren und ermöglichen einen Diskurs in einer offeneren Welt. Wer andere Sprachen versteht und spricht, erweitert nicht nur seinen eigenen Horizont, sondern auch den des Unternehmens. Menschen mit Fremdsprachenkenntnissen können Sprachbarrieren überwinden oder komplett neue Märkte für Unternehmen erschließen. Dadurch erhalten sie bessere Positionen in Unternehmen oder entscheiden sich gar dazu, die Welt mit ihren eigenen Ideen zu gestalten. Die Fähigkeiten, die Menschen mit Zweitsprachen entwickelt haben, sind in vielen Berufen ein hervorragender Bonus und unglaublich wertvoll für die globale Wirtschaft.

Zwei Persönlichkeiten in zwei Sprachen

Viele Menschen denken nach wie vor, dass das Sprachenlernen mit dem Beginn der Unterrichtseinheit beginnt und aufhört, sobald die Pausenglocke klingelt. Dabei ist das Lernen von Fremdsprachen ein dynamischer Prozess, der sich über Jahrzehnte erstreckt. Wir denken und sprechen die neue Sprache und passen uns den Gegebenheiten der neuen Kultur an. Interessanterweise führt dies in vielen Fällen zur Neuinterpretation des Ichs.

In den Sechzigern begann Susan M. Ervin-Tripp, zweisprachige Frauen zu untersuchen. Sie kam zu dem Entschluss, dass alle Teilnehmerinnen Sätze unterschiedlich vollendeten ‒ je nachdem, welche Sprache sie gerade verwendeten. Weiteren Studien zufolge entwickeln Menschen, die mehrere Sprachen sprechen, neue Persönlichkeiten, um sich den kulturellen Formalitäten der Zweitsprache anzupassen. Der Grund ist nicht, dass sich Lernende neu erfinden wollen, sondern, dass sie sich mit den grammatikalischen Gegebenheiten befassen.

Beispielweise ist Deutsch als Sprache sehr limitiert, wenn es um Zeitformen geht und verwendet Adverbien, um bestimmte Zeiten zu beschreiben. Im Englischen ist dies einfacher, denn hier wird ganz einfach die Endung „-ing“ einem Verb hinzugefügt, um eine Zeitform zu beschreiben, die gerade begonnen hat und noch immer andauert. Menschen, die Deutsch sprechen und die Sprache gerade verwendet haben, tendieren dazu, Bilder als Geschichte zu interpretieren: ein Fahrrad, das von A nach B reist. Im Gegensatz dazu beschreiben Menschen, die zuvor Englisch gesprochen haben, ein Fahrrad als Objekt, das sich gerade in Bewegung befindet. Die Sprache beeinflusst demnach, wie wir denken und die Welt um uns herum wahrnehmen.

Je mehr Sprachen wir im Endeffekt sprechen, desto aufgeschlossener können wir mit unserer Umgebung interagieren. Gestik, Mimik und Laute werden anders interpretiert, während sich unser Gehirn darum bemüht, unsere Erfahrungen zu kategorisieren. Es ist erstaunlich, wie einfach unsere Synapsen diese Informationen verarbeiten, denn selten kommt es zu Verständnisproblemen, wenn sich Menschen in mehreren Sprachen unterhalten. Stattdessen sind wir kontinuierlich darum bemüht, mit unseren Mitmenschen zu kommunizieren und deren Privatsphäre zu respektieren.

Fremdsprachen und Persönlichkeitsentwicklung

Das Lernen von Sprachen bedeutet, den Horizont zu erweitern, neue Kulturen kennenzulernen und sich selbst zu finden. Studien legen dar, dass Menschen, die neue Sprachen lernen, kognitive Fähigkeiten entwickeln und selbstbewusster auftreten können. Je mehr du über eine fremde Kultur erfährst und je mehr du dich mit ihr beschäftigst, desto mehr Nutzen wirst du daraus gewinnen. Mehr zum Thema Reisen und Persönlichkeitsentwicklung erfährst du auf unserem Blog und unserer Website.

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