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Nürnberg ist zwar die zweitgrößte Stadt Bayerns, aber für viele Leute nur so etwas wie ein kleiner Zwischenstopp auf ihrer Fahrt nach München. Aber dass die über 950 Jahre alte Stadt auch selbst ein Highlight auf einem Roadtrip durch Bayern ist, wird oft unterschätzt. Die Geschichte der Stadt reicht bis ins Heilige Römische Reich zurück.

Die mittelfränkische Stadt könnte nicht widersprüchlicher sein. Einerseits zeugen die Burg und die vielen Brunnen vom Alter der Stadt und der Christkindlesmarkt ist einer der schönsten und traditionsreichsten Weihnachtsmärkte Deutschlands. Andererseits ist Nürnberg auch ein Name, der mit den Nazis in Verbindung gebracht wird, mit den Nürnberger Kundgebungen, rassistischen Gesetzen und den Prozessen nach dem Krieg.

Nürnberg ist aber auch ein wichtiges Zentrum für Kunst und Kultur. Die Stadt wird schon seit Jahrhunderten mit dem Fortschritt der Wissenschaft und Technik in Verbindung gebracht. In Nürnberg wurde zum Beispiel das berühmteste Werk von Nikolaus Kopernikus veröffentlicht.

Die fränkische Stadt ist voll mit Sehenswürdigkeiten, die du auf einem City-Trip auf keinen Fall auslassen solltest. Nürnberg wurde zwar im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, aber viele der mittelalterlichen Gebäude in der Altstadt sind in mühevoller Kleinarbeit wiederaufgebaut worden. Welche Ecken in Nürnberg unserer Meinung nach die schönsten sind, das verraten wir dir im folgenden Artikel.

Die Nürnberger Burg

Auf den steilen Sandsteinfelsen über der Nordseite der Nürnberger Altstadt steht eine Burg, die noch aus der Zeit des Heiligen Römischen Reiches stammt. Die Nürnberger Burg war von 1050 bis 1571 eine der wichtigsten Residenzen der deutschen Könige.

Diese beeindruckende Burg ist eine der wichtigsten erhaltenen mittelalterlichen Festungen in ganz Europa. Der größte Teil der Burg wurde zwar im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört, aber in der Nachkriegszeit dann sorgfältig restauriert. Einer der wenigen Räume, die den Krieg unbeschadet überstanden haben, ist die Doppelkapelle.

Im Jahr 1356 stieg die Bedeutung der Burg sogar noch weiter an, als Kaiser Karl IV die „Goldene Bulle" erließ, laut der neugewählte Kaiser ihre erste Versammlung genau hier abhalten mussten. Dank dieses Dekrets blühte der Handel und Nürnberg wurde zu einer der drei wichtigsten Städte des Heiligen Römischen Reiches. Im Kaiserburg-Museum kannst du vieles über die Stellung der Nürnberger Burg im Heiligen Römischen Reich erfahren.

Nürnberg Burg

Von der 351 Meter hohen Befestigungsanlage aus kannst du auf die Aussichtsplattform der Burg hinaufsteigen und einen Panoramablick über Nürnberg genießen. Ein weiteres Muss bei einem Besuch der Burg ist der berühmte Tiefe Brunnen. Dieses Bauwerk ist sogar noch älter als die Nürnberger Burg selbst und befindet sich im alten zweistöckigen Brunnenhaus aus dem Jahr 1563. Der Brunnen reicht bis zu 50 Meter in den Sandstein und kann nur auf einer Führung besichtigt werden.

Bei all der überwältigenden Geschichte solltest du aber auch nicht vergessen, die Aussicht auf Nürnberg zu genießen. Den besten Blick bekommst du von der Spitze des Sinwellturms, einem weiteren Bereich der Burg, der der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg entkommen ist.


Albrecht-Dürer-Haus

Nur einen Steinwurf von der Nürnberger Burg entfernt befindet sich das Albrecht-Dürer-Haus aus dem 15. Jahrhundert, in dem der berühmte deutsche Renaissancekünstler von 1509 bis zu seinem Tod 1528 lebte. Während des Krieges wurde das Haus teilweise beschädigt, aber im Jahr 1971 wurde es anlässlich des 500. Geburtstags des Künstlers restauriert.

Das malerische Haus ist heute ein Museum, das seinem Leben und Werk gewidmet ist. Als Meister des Selbstporträts ist sein Werk an prominenter Stelle zu sehen und die Ausstattung entspricht der Zeit, in der er hier lebte.

Als historisches Dokument ist das Albrecht-Dürer-Haus konkurrenzlos, denn es gibt in Europa keine anderen Beispiele für ein Künstlerhaus aus dem 15. Jahrhundert. Zusätzlich zu den vielen schönen Ausstellungen einiger seiner bekanntesten Schöpfungen beherbergt das Museum nämlich auch authentische Stilmöbel und eine Reproduktion von Dürers Atelierwerkstatt, in der du bei Vorführungen des traditionellen Druckens zusehen kannst. Interessant ist auch die Küche mit dem originalen Kamin und die Wohnräume, die besichtigt werden können.


Die Sebalduskirche

Die mittelalterliche Sebalduskirche ist eine der ältesten Nürnbergs und weist sowohl romanische als auch gotische Architektur auf. Ihren Namen hat sie von Sebaldus, einem Eremiten und Missionar und zudem Schutzpatron der Stadt Nürnberg. Im Zweiten Weltkrieg ist die Kirche allerdings schwer beschädigt worden, aber mittlerweile wurde sie wieder restauriert.

Besonders das barock gestaltete Innere ist ziemlich beeindruckend. Im nördlichen Seitenschiff befindet sich die Madonna in einer Aureole von 1420. Im Ostchor liegt das berühmte Grabmal des heiligen Sebaldus, eines der Meisterwerke von Peter Vischer und seinen Söhnen. Weitere Höhepunkte der Kirche sind eine Kreuzigungsgruppe von Veit Stoß aus dem Jahr 1507 und eine riesige Orgel mit 6.000 Pfeifen.

Wenn du die Kirche von der Nordseite aus betrachtest, kannst du erkennen, dass die St. Sebalduskirche in zwei Hälften aufgeteilt ist. Die Westseite, einschließlich der Kirchenschiffe und Türme, ist romanisch und frühgotisch und stammt aus dem 13. Jahrhundert. Die Ostseite, bestehend aus dem Hallenchor, ist hingegen spätgotisch und wurde etwa 100 Jahre später erbaut.

Nürnberg Sebalduskirche

Die Lorenzkirche

Die Lorenzkirche war eine der ersten Kirchen, die zum evangelischen Glauben konvertierte. Zudem ist die spektakuläre gotische Doppelturmkirche aus dem 14. Jahrhundert die größte Kirche der Stadt.

Die Fassade ist ein wahres Meisterwerk der Gotik, mit Statuen geschmückt und einer bemerkenswerten Rosette mit einem Durchmesser von neun Metern, die sich über dem schönen Westportal befindet.

Das wahre Wunder der Kirche liegt jedoch im Inneren. Dieses ist voll mit Kunst, von Gemälden über Statuen bis hin zu Altaraufsätzen. Die wertvollsten Stücke sind aber ohne Zweifel zum einen die Holzschnitzerei des Engelsgrußes von Veit Stoß und zum anderen ein wunderschöner Tabernakel, der von Adam Kraft, einem anderen bedeutenden Bildhauer dieser Zeit, geschaffen wurde.

Dieser östliche Teil wurde im Laufe des 15. Jahrhunderts erhöht und ist im Stil der deutschen Spätgotik, als „Sondergotik" bekannt, gehalten.

Zu den weiteren bemerkenswerten Merkmalen gehören eine einzigartige, dreiteilige Orgel mit über 12.000 Pfeifen, die als eines der größten dieser Instrumente der Welt gilt, und ein Satz von 16 Glocken, von denen die älteste aus dem 13. Jahrhundert stammt. Zu den nahegelegenen Höhepunkten gehören der Tugendbrunnen von 1589 und das turmartige Nassauer Haus aus dem 13. Jahrhundert.

Der Hauptmarkt

Schon seit Jahrhunderten ist der Hauptmarkt Schauplatz des bis heute andauernden Wochenmarkts. Auf diesem findest du eine Vielzahl von Ständen, an denen Köstlichkeiten und Kunsthandwerk aus Franken, Streetfood aus aller Welt und noch vieles mehr angeboten werden.

Außerdem findet auf dem Hauptmarkt der berühmte Nürnberger Christkindlesmarkt statt, mit mehr als zwei Millionen Besuchern einer der beliebtesten Weihnachtsmärkte der Welt. Dabei wird der Marktplatz durch die Beleuchtung sowie durch die vielen Stände mit Ornamenten, Weihnachtsspeisen und Geschenken zu einem echten Winterparadies verwandelt. Vor allem in der Dämmerung macht die Erkundung der zahlreichen Buden Spaß.

Eine der schönsten Sehenswürdigkeiten auf den Hauptmarkt ist der 19 Meter hohe Schöne Brunnen am Rande des Hauptmarktes. Dieser wurde in den Jahren 1385 bis 1396 gefertigt und ist ein Werk des Architekten und Steinmetzes Heinrich Beheim. Im Zweiten Weltkrieg wurde er in eine Betonhülle gehüllt; aus diesem Grund blieb der Schöne Brunnen unversehrt von den Bombenangriffen.

Nürnberg Schöner Brunnen

Der Brunnen wurde wie ein gotischer Kirchturm gestaltet und weist auf vier Ebenen vierzig polychrome Figuren auf, die alle an das alte Weltbild des Heiligen Römischen Reiches erinnern. Die Statuen am unteren Ende stellen die Philosophie und die sieben freien Künste dar, darunter die vier Evangelisten und die vier Kirchenväter. Darüber befinden sich die sieben Kurfürsten des Heiligen Römischen Reiches und die neun Würdenträger, die als historische und legendäre Persönlichkeiten idealisiert wurden. Und schließlich sitzen oben Mose und die sieben Propheten.

Auf dem schmiedeeisernen Tor, das den Brunnen umgibt, befindet sich ein goldener Ring. Laut einer Legende soll er, wenn man ihn dreimal dreht, alle Wünsche wahr werden lassen. Wir haben das zwar mal probiert, aber dass dies wirklich was bringt, können wir derzeit noch nicht bestätigen.


Stadtmauern

Obwohl ein Großteil Nürnbergs im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, ist die mittelalterliche Altstadt originalgetreu wiederaufgebaut worden. Hauptattraktionen sind die ursprünglichen Stadtmauern, der Stadtgraben und die Türme. Die Mauern wurden erstmals in den 1000er-Jahren errichtet und erhielten ihr heutiges stromlinienförmiges Aussehen, als sie in den 1500er-Jahren für Kanonen umgebaut wurden.

Die Mauern wurden im 11. Jahrhundert aber nicht errichtet, um heute von uns bewundert zu werden, sondern um mögliche Eindringlinge abzuschrecken. Mit überzeugendem Erfolg, denn in der langen Geschichte der Nürnberger Befestigungsanlagen wurde die Stadt nur ein einziges Mal erobert, nämlich im Jahr 1945 von den Amerikanern.

Ein Spaziergang um die Stadtmauern ist eine weitere unterhaltsame Sache, die man in Nürnberg machen kann. Die Gesamtlänge der Mauern betrug etwa 5 Kilometer, der größte Teil davon wurde aber im Zweiten Weltkrieg zerstört. Heute sind noch 4 Kilometer der mittelalterlichen Mauern erhalten; sie umfassen die Burg im Norden und 67 Verteidigungstürme.

Die Landstreifen, die die Mauern umgeben, wurden in Stadtparks umgewandelt. Der Weg rund um die Stadtmauern ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, Natur und Geschichte in Nürnberg gleichzeitig zu genießen – lass dir das nicht entgehen!

Die am besten begehbare Mauerstrecke verläuft auf der Westseite der Stadt zwischen dem Spittlertor und dem Maxtor. An dieser Mauer verläuft auch ein breiter Graben, der Stadtgraben, der zu den am längsten erhaltenen Gräben Europas zählt.

Nurnberg

Fazit

Nürnberg ist eines der am meisten unterschätzten Reiseziele Bayerns. Da sich die meisten Reisenden, die das süddeutsche Bundesland besuchen, eher für München interessieren, steht diese liebenswerte fränkische Stadt völlig zu Unrecht im Schatten der bayerischen Landeshauptstadt.

Die Stadt kann vor allem durch ihr mittelalterliches Flair überzeugen. Von der Burg, die du übrigens vollkommen kostenlos besteigen kannst, kannst du auch einen atemberaubenden Blick über die Stadt genießen.

Wenn du magst, kannst du ja auch versuchen, dir am Schönen Brunnen einen Wunsch erfüllen zu lassen. Wir haben ja selbst mal an dem goldenen Ring gedreht, ob das was gebracht hat, wissen wir aber leider noch nicht. Scheinbar müssen wir wohl noch etwas warten.

Du fragst dich, was wir uns gewünscht haben? Nun, um ehrlich zu sein, wir haben uns gewünscht, dass noch viel mehr Leute diese wunderschöne Stadt kennenlernen. Vielleicht bist du ja einer von den Leuten, die dank unseres Wunsches nach Nürnberg reisen?

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