Apulien – Ein Geheimtipp?

Der Süden Italiens ist ein atemberaubendes Reiseziel, das ist sicherlich kein Geheimnis mehr. Zahlreiche Reisende kommen jährlich aus aller Welt hier her um das mediterrane Klima, das Essen, die wunderschönen Küstenregionen und die italienische Dolce Vita zu genießen. Doch wie sieht es mit Apulien aus? Sagt dir der Name etwas? Noch kann die Region gerade so als Geheimtipp durchgehen, doch seit ein paar Jahren wird sie mit jedem Sommer beliebter - und das nicht ohne Grund.

Sieht man sich Apulien auf der Landkarte an, wirkt die Region recht klein, sie bildet nun mal den Absatz des Stiefels. Lass' dich davon aber nicht täuschen - um alle Eindrücke dieser wunderbaren Gegend sammeln zu können, bräuchte es mehrere Wochen. Hier findest du nämlich alles, was dein Backpackerherz begehrt: Strände, eine abwechslungsreiche Landschaft, Geschichte, Kultur und traditionelle Speisen, die du garantiert nie wieder vergessen wirst!

Konnten wir deine Neugierde bereits wecken? In diesem Guide möchten wir dir die Region im Südosten Italiens etwas näherbringen und dir zeigen, weshalb du dir diese auf gar keinen Fall entgehen lassen solltest.

Anreise

Reist du von Deutschland aus, so hast du die Qual der Wahl. Du kannst mit dem Auto, dem Zug oder dem Flugzeug anreisen. Planst du einen längeren Roadtrip, kannst du über Österreich oder die Schweiz bis nach Bologna fahren. Einmal dort angekommen, führt dich die A14 entspannt die Adriaküste entlang bis nach Bari. Wir finden die Anreise mit dem Auto besonders schön, da man mit jedem Kilometer erkennt, wie sich die Landschaft langsam verändert. Ebenfalls wird einem der Unterschied zwischen Nord- und Süditalien deutlich vor Augen geführt.

Die Anreise mit der Bahn kann – je nach Reisezeit und Verbindung – durchaus teurer als mit dem Flugzeug sein. Allerdings bildet sie natürlich trotzdem die umweltschonendere Variante und du wirst auch hier traumhafte Aussichten von den Alpen bis hin zu der Adriaküste genießen können. Aus Süddeutschland, Österreich und der Schweiz gibt es auch reine Tagverbindungen nach Apulien. Diese Zugstrecke ist allerdings nichts für die ungeduldigen Reisenden, da die schnellste Verbindung von München nach Bari bereits ca. 17 Stunden dauert.

Mit dem Flugzeug geht es natürlich am schnellsten. Die beiden zentralen Flughäfen sind der internationale Flughafen Karol-Wojtyla in Bari und der Aeroporto del Salento in Brindisi. Beide Flughäfen kann man aus fast ganz Europa erreichen, wobei Bari hier mehr Auswahl bietet. Befindest du dich gerade nicht in Europa, so kannst du mit dem Flugzeug nach Rom fliegen und von dort aus weiterreisen.

Strände wie Sand am Meer

Was die Strände angeht, so scheiden sich in Apulien die Geister: Es gibt Felsenstrände, wo das Wasser tiefer ist und du somit direkt von den Felsen aus reinspringen kannst und nicht das nervige Sand-Dilemma an Kleidern und Badeanzug hast. Dann gibt es die goldenen Sandstrände, wo du dein Handtuch auf dem Sand platzieren kannst. Die gute Nachricht: Beide Strandarten gibt es hier en masse! Was die Felsen betrifft, sollte man natürlich vorsichtig sein. Sie sind manchmal etwas spitz und sollten nur mit Badelatschen betreten werden (auch wenn die Kinder hier barfuß darauf herumrennen, denn die sind es eben gewohnt). Außerdem solltest du dich gut informieren, wo es sicher ist. Vergewissere dich, dass das Wasser tief genug ist! Die Locals wissen allerdings immer Bescheid und du wirst es auch daran erkennen, dass alle an bestimmten ins Meer springen.

Wie bereits erwähnt, wimmelt es hier nur so von Stränden und du wirst überall eine Gelegenheit finden, die Sonne und das Meer zu genießen. Die Halbinsel Gargano im Norden Apuliens bietet beispielsweise eine Reihe zauberhafter Sandstrände an. Wir empfehlen hier unter anderem die Spiaggia di Pizzomunno, Spiaggia di Portonuovo oder die Bucht von Vignanotica.

Ansonsten brauchst du vom Gargano abwärts nur die Küste entlang zu fahren und dir ein leeres Fleckchen auszusuchen. Trani, Bari, Polignano a Mare, Monopoli, Ostuni, Brindisi, ... Überall wimmelt es nur von traumhaften Stränden und würden wir sie alle nennen, wäre die Liste viel zu lang.

Gut zu wissen: Viele Abschnitte werden mittlerweile privat geführt und es wird Geld für Liegestuhl und Sonnenschirm verlangt. Viele dieser Orte sind auch äußerst schön, bieten eine schöne Lage mit Strandbar, gutem Wasser und dank Bademeister auch Schutz. Möchtest du allerdings nicht so tief in die Tasche greifen, bietet sich jeder andere Ort genauso gut an. Das Meer in Apulien ist sauber, warm und sicher.

Bari

"Wenn Paris das Meer hätte, wäre es ein kleines Bari" ist ein bekanntes Sprichwort der Hauptstadt Apuliens. Natürlich kann man sich darüber streiten, wie viel an diesem Spruch dran ist. Auch ist Bari natürlich viel kleiner als Paris. Dieses einfache Sprichwort ist jedoch ein perfektes Beispiel für die Liebe der Einwohner für ihre zauberhafte Stadt. Wer nämlich schon mal hier war, wird Bari so schnell nicht wieder vergessen können.

Die Promenade Lungomare bietet einen wunderschönen Ausblick auf das Meer. Hier kann man abends bei Sonnenuntergang mit einem "Trancio di Pizza" (ein großes Stück Pizza) entlangschlendern und die zahlreichen Jugendstil-Gebäude – in Italien auch stile Liberty genannt – bewundern.

Ein weiterer Hingucker ist das Schloss Castello Normanno-Svevo di Bari, auf Deutsch wortwörtlich: Normannisch-Schwäbisches Schloss von Bari. Es wurde 1131 von Roger II aus dem normannischen Adelsgeschlecht erbaut und im Jahre 1156 völlig zerstört. 1223 wurde es dann unter Friedrich II Herzog von Schwaben wiederaufgebaut. Diese beiden Herrscher geben dem Schloss auch seinen für die Region eher unüblichen Namen.

Das imposante Gebäude im romantischen Stil befindet sich direkt vor der Città Vecchia - der Altstadt Baris. Hier wartet eine ganz besondere Überraschung auf dich: Schlendert man zur richtigen Zeit (meistens morgens einige Stunden vor dem Mittagessen) durch die kleinen alten Gassen, so entdeckt man die signore von Bari vecchia, die eine nach der anderen direkt vor ihren Haustüren handgemachte Pasta zubereiten. Vor einigen Jahren erschienen diese in einer italienischen Doku im TV und sind seitdem zu einer richtigen Attraktion geworden, die jährlich tausende Menschen nach Bari führt, die die Stadt vorher gar nicht kannten. Mit etwas Glück kannst auch du ihnen ein paar hausgemachte Orecchiette (Öhrchennudeln) abkaufen. Orecchiette sehen ein bisschen aus wie kleine Öhrchen und heißen deshalb so. Eine solch leckere und frische Pasta findest du so schnell nicht wieder!

Solltest du noch etwas Zeit haben, raten wir dir einen Abstecher nach Trani – eine weitere zauberhafte Küstenstadt direkt bei Bari. Vielleicht magst du ja dort am Ende des Tages einen Aperitivo genießen? Spricht man in Italien von einem Aperitivo, meint man übrigens nicht nur das Getränk alleine, sondern es wird mit kleinem Fingerfood serviert. Da hier später zu Abend gegessen wird, soll der Aperitivo den kleinen Hunger zwischendurch stillen.

Apulien, Bunte Veranda mit Hund

Polignano a Mare

"Volare, ooh, cantare, ooooh" – Sicherlich hast du dieses Lied schon einmal mitgesungen oder zumindest gehört. Polignano a Mare ist der Geburtsort des Sängers Domenico Modugno. Ihm wurde eine Statue gewidmet wurde, die mit offenen Armen auf das Meer und die Stadt blickt.

Das berühmteste Bild der Stadt ist jedoch das von der Lama Monachile, eine Mündung zwischen zweier riesiger Klippen. Zum Baden ist dies nicht der beste Ort, da es sich um einen Kiesstrand handelt, der zudem auch noch immer sehr überfüllt ist.

Apulien, kleine Bucht

Auch die Altstadt Polignanos überzeugt mit ihrem magischen Flair. In Polignano –wie auch in Puglia allgemein– sind bereits mehrere Kulturen aufeinandergetroffen. Das verleiht der Region auch ihre einzigartige Architektur. Arabische, byzantinische, spanische, römische und normannische Völker waren bereits hier. Wer darauf achtet, wird den Einfluss dieser Kulturen in der gesamten Region erkennen. Die Häuser der Altstadt Polignanos bilden jedoch ein perfektes Beispiel dafür.

Auf den Wänden und Treppen der Altstadt findet man an vielen Stellen romantische Gedichten von dem mittlerweile berühmten Dichter "Guido, il Flaneur". Diese werden nicht als Vandalismus gesehen, sondern verleihen der Altstadt einen noch viel romantischeren Charme.

Wie eingangs erwähnt, wird Apulien immer beliebter. Polignano a Mare ist ein sehr berühmtes Reiseziel und es ist demnach schwer den Menschenmassen zu entkommen. Früh am Morgen hat man bestimmt die besten Chancen, aber die Abenddämmerung an der Lama Monachile ist ein magischer Anblick. Es ist ebenfalls Teil der italienischen Kultur, abends noch in einer schönen Stadt spazieren zu gehen, sich ein Eis oder einen Drink zu gönnen. Man sieht die Menschenmassen auch nicht als störend, sondern es bedeutet einfach, dass endlich wieder Sommer ist und man das Leben wieder draußen feiern kann.

Weitere Must-See-Küstenstädte rund um Polignano a Mare sind: Monopoli, Ostuni und Locorotondo.

Trulli

Puglia ist voller Überraschungen, das konnten wir dir hoffentlich schon etwas näherbringen. Die berühmten runden Häuser mit Kegeldach sind eine wahre Attraktion Apuliens, die man sich ebenfalls nicht entgehen lassen sollte. Entkommen kann man ihnen aber sowieso nicht wirklich, da man immer mal wieder den einen oder anderen Trullo auf den Feldern sieht.

Trulli sind nämlich ehemalige Bauernhäuser, die dank ihres Baumaterials und ihrer besonderen Bauweise im Sommer immer kühl bleiben. Galten sie früher nur als Unterkunft für arme Bauer, so gehören sie heute zum UNESCO-Weltkulturerbe und werden teuer verkauft und renoviert.

Die Trulli haben es dir auch bereits angetan? Dann solltest du auf jeden Fall einen Tagesausflug nach Alberobello machen – eine Stadt, die praktisch komplett aus Trulli besteht. Mit etwas Glück könntest du auch ein Trullo-Ferienhaus ergattern – diese sind eine wahre Berühmtheit. Es gibt sie in Puglia an jeder Ecke und oft sind sie auch erschwinglich, da sie von Privatpersonen geführt werden.

Apulien, weiße Häuser; Blumenampel

Fazit

Zugegeben: Wir könnten einen halben Roman über diese unvergessliche Region schreiben. Apulien ist einer dieser Orte, an den man unendlich oft reisen und immer wieder neues entdecken kann. Die Freundlichkeit der Einwohner, die Ästhetik, die Liebe zum Detail und das einzigartige Essen machen sie zu einem unvergesslichen Ort. Was das Essen betrifft hätten wir die zweite Hälfte des Romans schreiben können. Zu viele Leckereien gibt es zu entdecken. Wir können dir hier zusammenfassend nur eines raten: Probiere alles, was dir angeboten wird.

Anreisen kannst du natürlich das ganze Jahr lang, doch zwischen Mai und Oktober erwacht die Region erst richtig zum Leben. Außerdem solltest du dir das Meer, die Strände und den sommerlichen mediterranen Flair nicht entgehen lassen.

Juli und August sind die heißesten Monate, aber die Meeresbrise macht auch die höchsten Temperaturen erträglicher als wir es normalerweise gewohnt sind.

Im südlichen Teil Apuliens wartet das Salento auf dich. Die Halbinsel zwischen den beiden Meeren gehört zwar zu Apulien, ist aber ebenfalls so reich an Überraschungen und atemberaubenden Orten, dass sie irgendwo ein Teil für sich ist und die Bewohner dort sie sogar als eine Art gesonderte Region sehen.

Na, möchtest du am liebsten jetzt gleich schon deine Koffer packen? Wir auch, andiamo!

Verfasst von Valeria Forcella

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