Religiöser Tourismus - ein wachsendes Phänomen

Du hast eine Backpacking-Reise geplant und möchtest deine Zeit nicht nur am Strand oder in Clubs verbringen, sondern dich anhand der verschiedenen kulturellen Sehenswürdigkeiten bilden? Der religiöse Tourismus wird immer beliebter, auch bei Jugendlichen.

Nach Angaben der Welttourismusorganisation sind 37 % der Auslandsreisen mit dem kulturellen Tourismus verbunden, der spirituelle und religiöse Aspekte beinhaltet. Nach einer Phase der Säkularisierung in Europa im 20. Jahrhundert ist der religiöse Tourismus ein wachsendes Phänomen geworden.

Der religiöse Tourismus ist eine religiöse oder spirituell motivierte Reise. Man unterscheidet zwischen:

  • dem, der in einer Religionsausübung inbegriffen ist (betrifft Buddhisten, Muslime und Katholiken)
  • dem Gedenktourismus, der mit der Geschichte verbunden ist (für Juden und Protestanten zum Beispiel).

Das Profil der verschiedenen Touristen

Die Stätten des Glaubens und die Orte, die durch eine religiöse Geschichte geprägt sind, sind heute nicht nur für gläubige Personen reserviert, sondern für alle. So wächst die Anzahl an Besuchern stetig, die diese religiösen Orte aus verschiedenen Gründen besichtigen.

Der erste Grund könnte mit dem Interesse gegenüber dem Erbe verbunden sein. Dies betrifft die Liebhaber der Geschichte und Kultur, die Freude an der Betrachtung und an der ästhetischen Empfindung haben, um die die religiöse Geschichte besser zu verstehen.

Ein anderer möglicher Grund für diesen religiösen Tourismus betrifft diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer auf der Suche nach Sinn oder Einkehr sind und die aus dem Alltag ausbrechen möchten. Man versucht, sich von der Außenwelt abzukapseln, um vielleicht Antworten auf geistliche Fragen oder eine gesunde Distanz zu unserem zügellosen Lebensstil zu finden oder einfach, weil man eine Auszeit benötigt.

Schließlich gibt es da auch noch die „Neugierigen“. Diese gehören zur Gruppe von Reisenden, die Teil des religiösen Tourismus sind, die hier vorbeikommen, weil sie einen Punkt von ihrer Bucket List streichen oder ein Foto für ihren Instagram-Account machen möchten.

Tempel Thailand

Natürlich dürfen wir nicht Pilger per se vergessen, deren Reise von religiösen Interessen getrieben ist (die Wallfahrt ist eine der ältesten Formen des Reisens).

Der religiöse Tourismus kann zudem verschiedene Ausprägungen annehmen:

  • Die Wallfahrt: im Jahr 2013 betrug die jährliche Zahl der Pilger 130 Millionen Menschen, von denen 70 Millionen Christen waren. Der Rest verteilt sich auf den Islam, Buddhismus und Hinduismus.
  • Die Teilnahme an größeren religiösen Menschenansammlungen (z. B.: der Weltjugendtag, eucharistische Weltkongresse)
  • Freizeitreisen: Besichtigungen, freiwilliger Dienst, usw.
  • Missionsreisen (innerhalb von Vereinigungen oder Organisationen)
  • Ein spirituelles Retreat

Wegen der Bedeutung des religiösen Tourismus innerhalb des heutigen Reisestils kann man sich Gedanken über die Verbindung zwischen Tourismus und Religion machen. Der Tourismus entspricht eigentlich dem Akt des Reisens für das Vergnügen, der Entspannung und der Entdeckung.

Die Religion hat eine spirituelle Stellung, die außerhalb materieller und verweltlichter Überlegungen liegt. Der religiöse Tourismus muss deswegen geistliche und weltliche Aspekte miteinander verbinden. Je nach Religionen ist das Zusammenleben von Pilgern und Reisenden unterschiedlich.

Entweder ist der Zutritt untersagt, wie im Fall von Mekka, welches das wichtigste Reiseziel für Muslime ist und welches jedes Jahr 35 Millionen Pilger empfängt (den Nicht-Muslimen ist der Besuch untersagt), oder die Reisenden werden integriert, um den Besuch zu erleichtern.

Moschee

Tipps für das Verhalten beim Besuch einer Kultstätte

Als Backpacker wirst du Kultbauten besichtigen, die deine Kenntnisse und Erfahrung erweitern werden. Hier ist eine Liste an Verhaltensweisen, die wir dir empfehlen und an die du dich während der Besichtigung dieser Stätten halten kannst.

Wir haben die verschiedenen Kultstätten der größten Religionen aufgelistet, damit du dich an den entsprechenden unterschiedlichen Gepflogenheiten orientieren kannst. Zuerst einige Hinweise, die für alle Kultstätten gelten:

  • Schalte dein Handy aus (in einigen Orten sind Fotos untersagt. Beachte die aufgestellten Schilder).
  • Nimm kein Essen mit.
  • Sei leise als Zeichen des Respekts.
  • Achte darauf, dass du keine Spuren auf den Bauten hinterlässt, wie zum Beispiel Gravuren oder Inschriften.
  • Vergiss nicht, deinen Müll in den Mülleimer zu werfen.

Diese Hinweise sind einfache Verhaltensregeln, die nicht nur auf eine Kultstätte begrenzt sind, sondern allgemein gelten.

Nun wollen wir etwas spezifischer werden. Wir beginnen mit der Kirche und dem protestantischen Gotteshaus. Unabhängig von der Bezeichnung solltest du darauf achten, dass die folgenden Regeln eingehalten werden:

  • Achte auf deine Kleidung: Du solltest angemessene Kleidung anziehen. Vermeide Shorts, ärmellose T-Shirts, und als Frau kurze Röcke und Dekolleté. Nimm am besten eine Weste oder einen Schal mit, um deine Schultern zu bedecken.

Kirchenfenster

Wenn du eine Moschee besichtigst, solltest du die folgenden Hinweise zur Kenntnis nehmen:

Einige Moscheen darf man nicht besuchen, da sie nur für Muslime reserviert sind. Das ist der Fall in Mekka in Saudi-Arabien, wie oben bereits erwähnt. Du solltest zuerst mit Hilfe des Internets oder eines Reiseführers überprüfen, ob der Besuch erlaubt ist, bevor du dorthin reist. Außerdem gilt:

  • Du solltest deine Arme und Beine bedecken, egal ob du ein Mann oder eine Frau bist. Männer müssen eine weite Hose tragen, die sogar die Knöchel bedeckt. Frauen müssen in den meisten Moscheen den Kopf mit einem Schal bedecken und ein weites Kleid tragen.
  • Zieh deine Schuhe aus: Das ist nicht nur ein Zeichen des Respekts, sondern dient gleichzeitig der Sauberkeit des Ortes.
  • Respektiere die Geschlechtertrennung: Männer und Frauen beten nicht im gleichen Raum. Einige Moscheen erlauben dennoch das Beten beider Geschlechter an einem Ort.
  • Vermeide es, deine Ärmel hochzukrempeln: Auch wenn es oft ein Reflex ist, wenn dir zu warm ist, kann dies falsch interpretiert werden und als Zeichen der Respektlosigkeit gelten.
  • Äußere kein Zeichen der Zärtlichkeit gegenüber deinem Partner oder deiner Partnerin in der Öffentlichkeit.

Wenn du einen hinduistischen Tempel besuchen möchtest, haben wir folgende Tipps für dich:

  • Trage angemessene Kleidung. Du wirst bemerken, dass Männer einen sogenannten Sarong tragen. Es ist eine Art Wickelrock, den man um die Hüfte festknotet, um die Beine zu verstecken.
  • Frauen dürfen während ihrer Menstruation oder während einer Schwangerschaft nicht den Tempel besuchen. Sie dürfen außerdem nicht von einem Kind, das noch Milchzähne hat, begleitet werden.
  • Einige Tempel sind für Touristen verboten. Wie im Fall der Moscheen musst du zuerst überprüfen, ob der Zutritt möglich ist.
  • Ziehe deine Schuhe aus.
  • Zum Schluss solltest du nicht während eines Gebets vor den Gläubigen umherlaufen, das könnte als respektlos interpretiert werden.

Die Besichtigung eines buddhistischen Tempels fordert die Einhaltung von präzisen Regeln:

  • Du solltest ein angemessenes Outfit anziehen, bzw. weite Kleidung, die die Arme und Beine bedeckt.
  • Zieh deine Schuhe aus als Zeichen des Respekts gegenüber Buddha.
  • Berühre nicht die Bilder, die Buddha zeigen.
  • Halte den Kopf gesenkt als Zeichen der Demut und besuche den Tempel schweigend.
  • Einige Teile des Körpers werden je nach Regionen als unrein angesehen. Man darf nicht die Beine ausstrecken, wenn man sitzt, um zu vermeiden, dass die Fußsohlen in Richtung einer Darstellung von Buddha oder eines Mönchs zeigen. Das würde als Beleidigung interpretiert werden, so, als ob du mit dem Finger auf einen Mönch zeigen würdest.
buddhistischer Tempel

Zum Schluss gibt es einige Hinweise, die du befolgen kannst, wenn du eine Synagoge besuchst:

  • Die Regeln während der Besichtigung einer Synagoge sind unterschiedlich, je nachdem, ob die Gemeinschaft orthodox oder liberal ist. Du solltest dich im Vornherein darüber informieren, bevor du diesen Ort besuchst.
  • Es ist auch empfehlenswert, ein angemessenes Outfit zu tragen. Frauen sollten einen knielangen Rock tragen statt einer Hose.

Fazit

Wir wollten dir hiermit Empfehlungen an die Hand geben, die dir helfen könnten, Kultstätten zu begreifen, wenn du noch neu im religiösen Tourismus sein solltest. So wirst du Fettnäpfchen vermeiden und dich mit Respekt in der Gegenwart von Gläubigen innerhalb dieser Kultstätten verhalten.

Wir finden den religiösen Tourismus unglaublich spannend, da man so auf seiner Reise auch eine kleine Portion Spiritualität mitbekommt.

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