GR20 – schwerer und wunderschöner Fernwanderweg auf Korsika

Der GR20 ist der bekannteste Fernwanderweg, den Frankreich sich nicht, wie etwa den Jakobsweg, mit einem anderen Land teilen muss. Allerdings verläuft diese 180 Kilometer lange, 15 Etappen zählende und 12500 Höhenmeter überwindende Mammutstrecke nicht auf dem französischen Festland, sondern durchschneidet die komplette Insel Korsika. Der GR20, der als schwerster Fernwanderweg gilt, kann übrigens in beide Richtungen gegangen werden, wir versorgen dich in diesem Artikel mit allen relevanten Informationen für eine Begehung von Nord nach Süd.

Etappen des GR20

1. Etappe: Calenzana – D’ Ortu di u Piobbu

10,5 Kilometer, 5,5 Stunden, 1360 hm Aufstieg, 60 hm Abstieg

Wie so viele Fernwanderwege steigt auch der GR20 sofort mit einem steilen Aufstieg ein, der dich auf dem Weg durch Kiefern- und Eichenwälder immer an einem Bach entlang direkt ordentlich ins Schwitzen bringt. Schließlich kommst du aus dem Wald auf einen Bocca genannten, grasbewachsenen Sattel. Von diesem geht es ein kurzes Stück steil bergab, bevor deine Schwindelfreiheit beim Aufstieg auf die Capu Ghiovu anhand einiger seilgesicherter Passagen gleich am ersten Tag gefragt ist. Von der Erhebung aus führt der restliche Weg bis zur Unterkunft durch einen der für Korsika typischen Birkenwäldern, die den ganzen GR20 prägen werden.


2. Etappe: D’Ortu di u Piobbu – Refuge de Carozzu

8,5 Kilometer, 3,5 Stunden, 790 hm Aufstieg, 640 hm Abstieg

Die zweite Etappe des GR20 ist - selbst wenn dich der Weg anfangs wieder durch Birkenwald und am Bach entlangführt - von felsigem Gelände geprägt. Nach kurzer Zeit weichen die Wälder Fels- und Granitplatten, die das Vorankommen ein wenig erschweren, für dich als erfahrenen Wanderer jedoch kein größeres Hindernis darstellen sollten. Von der Bocca Piccaia hast du einen tollen Blick auf die Grande Barrière, die Gipfelkette zwischen Ost- und Westkorsika, bevor das rutschige Gestein bis zur Bocca Carozzu deine Trittsicherheit fordert. Ab hier geht es dann erst durch eine Felsrinne und anschließend den Wald abwärts zur Hütte.


3.Etappe: Refuge de Carozzu – Haut Asco

4,5 Kilometer, 3,5 Stunden, 780 hm Aufstieg, 920 hm Abstieg

Zum Auftakt der dritten Etappe zeigt sich der GR20 von seiner unbarmherzigen Seite und schickt dich direkt einmal auf einen gute 800 Höhenmeter überwindenden Anstieg. Dieser geht dann in eine spektakuläre Schlucht über, die du aber nur bei sicherem und gutem Wetter begehen solltest, da alles andere zu gefährlich ist. Hinter der Schlucht gelangst du an den Lac de Muvrella und dann zur Bocca di Stagnu, wo dich eine Weggabelung erwartet, an der du den zweiten Weg nimmst. Dieser führt nicht durch hochalpines Gelände und bietet dir trotzdem die Möglichkeit, auf Tuchfühlung mit dem Monte Cinto zu gehen, Korsikas höchstem Berg. Nachdem du an seinem Fuß vorbei wandernd die Grande Barrière durchquert hast, steigst du steil nach Haut Asco ab.

GR20 Berglandschaft


4. Etappe: Haut Asco – Refuge di Tighiettu

6,5 Kilometer, 5 Stunden, 1059 hm Aufstieg, 798 hm Abstieg

Wenn du die Gelegenheit wahrnehmen möchtest, auf dem Dach Korsikas zu stehen und den Monte Cinto zu besteigen, solltest du einfach einen weiteren Tag in Haut Asco bleiben und die knapp achtstündige Tour in Angriff nehmen. Die eigentliche Etappe ist auch alles andere als ohne, auch wenn sie seit dem Juni 2015 ein anderes Gesicht hat als ursprünglich. Damals stürzten nämlich drei Bergsteiger im Cirque de la Solitude genannten Bergkessel zu Tode, was eine Sperrung der Etappe zur Folge hatte. Die aktuelle Version mit den gelben Markierungen ist jedoch immer noch anstrengend und verlangt höchste Konzentration von dir. Der Weg führt viel über loses Gestein und Geröll am Hang des Monte Cinto und ist so immer noch eine der schwersten, für viele sogar die schwerste, Etappen des gesamten Fernwanderwegs.


5. Etappe: Refuge de Tirghiettu – Refuge de Ciottulu di i Mori

6,5 Kilometer, 3,5 Stunden, 620 hm Aufstieg, 80 hm Abstieg

Nach der Plackerei des Vortages erwartet dich auf der fünften Etappe des GR20 gnädigerweise eine leichtere Strecke. Durch Kiefern- und Macciawälder wanderst du bis zur Bergerie de Ballone, wo du einen kleinen Imbiss zu dir nehmen kannst, wenn dir danach ist. Hier hast du auch die Möglichkeit, nach Calasima aufzusteigen, Korsikas höchstgelegenes Dorf. Anschließend geht es immer im Angesicht der cinque frate genannten Felsformation über Geröll zur Hütte hinauf, von wo du ebenfalls sehenswerte Tagesetappen etwa zum „Loch des Teufels“ genannten Bergsee unternehmen kannst.

GR20 Aussicht


6. Etappe: Refuge di Ciottulu di i Mori – Refuge de Manganu 

24 Kilometer, 8 Stunden, 643 hm Aufstieg, 1033 hm Abstieg

Die längste Etappe des GR20 ist gleichzeitig auch eine der schönsten und einfachsten. Der Weg führt zunächst entlang des Golobaches und an einigen Gumpen vorbei, natürlich entstandenen Stehendgewässern, in denen du auch schwimmen kannst. Bist du im Sommer unterwegs, so kannst du kurz hinter Korsikas zweitgrößtem See, dem Lac Nino, direkt bei einem einheimischen Bauern deine Vorräte auffüllen. Ist dies geschehen, liegt nur noch eine große Ebene vor dir, die du durchquerst und erschöpft aber zufrieden in der Hütte einläufst.


7. Etappe: Refuge de Manganu – Refuge de Petra Piana

8,5 Kilometer, 4,5 Stunden, 830 hm Aufstieg, 589 hm Abstieg

Auf dieser Etappe ist es sehr wichtig, dass du genug Wasser und einen ausreichenden Sonnenschutz dabeihast, die gesamte Wegstrecke verläuft nämlich oberhalb von 2000 Metern und bietet nur wenig bis gar keinen Schatten. Nicht nur deshalb ist ein früher Aufbruch zu empfehlen, sondern auch aufgrund des tollen Ausblicks auf zwei Seen auf den ersten Kilometern, der durch das besondere Licht des Morgens noch einmal einen speziellen Touch bekommt. Auch im weiteren Verlauf entlohnen dich immer wieder wunderschöne Blicke für die zu erleidenden Strapazen und so erreichst du die Hütte schließlich doch insgesamt guter Stimmung. Dazu tragen sicher auch die sich immer wieder ergebenden Begegnungen mit den typisch korsischen, verwilderten Hausschweinen bei.

GR20 Landschaft


8. Etappe: Refuge de Petra Piana – Refuge de l’Onda

10 Kilometer, 5 Stunden, 490 hm Aufstieg, 900 hm Abstieg

Auf dem heutigen Weg hast du zwei Möglichkeiten zur Auswahl: Entweder wanderst du durch hochalpines Gelände und genießt den Ausblick bis zum Meer, bist dabei aber darauf angewiesen, dass das Wetter stabil bleibt. Oder du wählst die sichere, aber nicht minder schöne Variante durch das Manganello- und das Grottacciatal. Gerade letzteres bietet neben mehreren idyllischen Bächen auch noch ein besonderes Highlight für an der Flora interessierte Wanderfreunde. Die Vegetation in diesem Tal erinnert nämlich eher an einen Urwald denn an eine europäische Insel und verleiht der Wanderung somit einen leicht exotischen und abenteuerlichen Charakter. Beide Varianten der Etappe führen dich am Ende dann zum Refuge de l’Onda.


9. Etappe: Refuge de l‘Onda – Vizzavona 

11 Kilometer, 5 Stunden, 711 hm Aufstieg, 1221 hm Abstieg

Die heutige Etappe ist besonders aus geologischen Gesichtspunkten interessiert, denn der über den Monte d’Oro führende Weg vorbei an Gletscherseen und Karen zeigt unmissverständlich den eiszeitlichen Ursprung dieser Region. Doch auch landschaftlich gibt es wieder einiges zu sehen, insbesondere die Rückblicke auf die bereits durchquerten und überwundenen Bergketten lohnen sich. Allerdings solltest du diese Blicke nur genießen, wenn du gerade nicht einen Fuß vor den anderen setzen musst, da der Großteil des Weges über loses Geröll führt und dabei deine gesamte Aufmerksamkeit einfordert. Das letzte Stück des Weges führt wie so oft an einem Bach entlang, bis du schließlich die kleine Stadt Vizzavona erreichst. Ehemals auch als „kleine Schweiz“ bekannt, hat die Stadt zwar mittlerweile viel von ihrem Glanz verloren, doch sie bietet dir immer noch eine schöne Unterkunft für die Nacht.

GR20 Gipfel Aussicht


10. Etappe: Vizzavona – Cappanelle

13 Kilometer, 5 Stunden, 890 hm Aufstieg, 224 hm Abstieg

Vizzavona gilt unter den Wanderern auf dem GR20 als Drehkreuz zwischen dem nördlichen und südlichen Teil des Weges und ist darüber hinaus auch der Ort, an dem die meisten Wanderer ihre Tour beenden, die nicht den gesamten Fernwanderweg in Angriff nehmen wollten. Die Etappe nach Cappanelle zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es fast nur bergauf geht. Vier Stunden dauert es, bis du aus dem Wald herauskommst und den Monte Renoso vor dir siehts. Diesen eindrucksvollen Gipfel kannst du entweder auf einer von mehreren verschiedenen Routen erklimmen oder du lässt ihn links liegen und setzt direkt deinen Weg bis zur Unterkunft fort.


11. Etappe: Cappanelle – Refuge de Prati 

17,5 Kilometer, 6 Stunden, 890 hm Aufstieg, 590 hm Abstieg

So langsam biegst du mit dem heutigen Tag auf die Zielgerade deiner läuferischen Reise durch Korsika ein und der GR20 begrüßt dich mit einer langen Etappe auf dem letzten Teilabschnitt. Allerdings ist die Strecke von Cappanelle zum Refuge de Prati zu großen Teilen sehr angenehm zu laufen und führt dich mehr oder weniger eben durch ausgedehnte Waldgebiete und an mehreren Bergerien vorbei. Du passierst eines der immer mal wieder am Weg verstreuten, sehr malerischen Bergdörfern und erreichst schließlich den Col de Verde, wobei du dich wie gewohnt auch an den neben der Strecke fließenden Bächen orientierst. Erst zum Schluss wird die Etappe noch einmal tückisch, denn um zur Hütte zu kommen, musst du noch einige steile Serpentinen überwinden.


12. Etappe: Refuge de Prati – Refuge d’Usciolu

10,5 Kilometer, 4,5 Stunden, 700 hm Aufstieg, 750 hm Abstieg

Die zwölfte Etappe des GR20 ist im wahrsten Sinne eine Gratwanderung. Nachdem du schon von der Hütte die tolle Fernsicht genießen kannst, die dir Blicke bis zum Meer ermöglicht, und dann einige wenige Minuten durch eine Wiesenlandschaft angestiegen bist, führt der Weg hinauf auf den Grat. Diesen wirst du für den Rest des Tages auch kaum noch verlassen. Dies erfordert zwar eine erhöhte Aufmerksamkeit, da die Wegführung teilweise etwas zu wünschen übrig lässt und du genau darauf achten musst wo es weiter geht, doch gleichzeitig erklimmst du auch gleich mehrere Gipfel. Diese und auch die übrige Strecke über den Grat garantieren dir viele beeindruckende Aussichten auf die korsische Landschaft.

GR20 Aussicht Berge


13. Etappe: Refuge d’Usciolu – Refuge d’Asinao

16 Kilometer, 6 Stunden, 1030 hm Aufstieg, 1185 hm Abstieg

Die zweite längere Etappe hintereinander führt durch einige der faszinierendsten Landschaften Korsikas. Nachdem du die Hütte verlassen hast, wanderst du zunächst über den Denkmalgrat, der seinen Namen von den an Statuen erinnernden Felsformationen hat. Danach geht es abwärts und du überquerst das Coscione-Plateau, Korsikas größte Hochebene, bevor du deinen Abstieg durch den Wald fortsetzt. Nach einer Weile geht es dann jedoch schon im Wald wieder bergan und schließlich führt der Weg unter den Bäumen hervor und zum Col de Luana. Von hier aus hast du nicht nur eine schöne Aussicht, sondern wirst auch über eine verhältnismäßig leichte Strecke auf den Monte Incudina geführt. Dies ist der höchste Berg im südlichen Teil der Insel. Vom Gipfel steigst du zur Hütte ab, wo du übrigens frühzeitig einen Schlafplatz reservieren solltest, da diese gerade im Sommer schnell knapp werden.


14. Etappe: Refuge d’Asinao – Refuge de Paliri

15,5 Kilometer, 5 Stunden, 650 hm Aufstieg, 545 hm Abstieg

Auf der vorletzten Tagesetappe erwartet dich mit dem Kletterparadies der Insel namens Bavella-Gruppe, noch einmal ein richtiges Highlight. Durch Wald und an Bächen entlang erreichst du die aus Kalkgestein bestehenden Türme der Berggruppe, von denen du Turm III auch ohne Kletterausrüstung erklimmen und den wunderschönen Ausblick genießen kannst. Doch auch wenn du die Bavella-Gruppe links liegen lässt kommst du voll auf deine Kosten. Den gesamten Weg über erhaschst du immer wieder tolle Blicke auf die faszinierenden Landschaften und vielfältige Tierwelt und insbesondere die Sonnenauf und -Untergänge am Refuge de Paliri sorgen für tolle Fotoaufnahmen.


15. Etappe: Refuge de Paliri – Conca

12,5 Kilometer, 4 Stunden, 225 hm Aufstieg, 965 hm Abstieg

Der letzte Tag. Etwas wehmütig machst du dich morgens auf den Weg, der durch eine recht trockene Landschaft abwärts führt. Bei Blicken über die Schulter bieten sich dir immer wieder einmal tolle Aussichten auf von dir passierte Bergketten und Gipfel und nach zwei letzten Anstiegen an einigen Gumpen vorbei hast du den ersten Blick auf Conca. 30 Minuten später läufst du in den Zielort des GR20 ein, von wo es rund zwei Stunden ans Meer sind. Hier kannst du noch ein bisschen relaxen und die Strapazen der fünfzehn Tage abschütteln, bevor es wieder nach Hause geht.

GR20 Korsika Meer


Fazit

Wenn du bereit bist, auf einem Fernwanderweg an deine Grenzen zu gehen, dann ist der GR20 die richtige Adresse für dich. Die fünfzehntägige Wanderung entschädigt dich mit abwechslungsreichen Landschaften und tollen Aussichten für deine Mühe und sorgt für ein unvergessliches Erlebnis, von dem du noch lange erzählen und schwärmen kannst.

Ähnliche Artikel

>
Open chat