Lille ist eine wundervolle Stadt im Norden Frankreichs. Die Stadt liegt etwa 200 Kilometer nördlich von Paris. Sie gilt zwar als Industriestadt, kann aber trotzdem eine wundervolle Architektur und Altstadt vorweisen.

Bei unserem Besuch in Lille waren wir jedenfalls nicht der Meinung, dass Lille zu sehr unter seinem Image als ehemaliges Kohleabbaugebiet leidet. Im Gegenteil, wir haben eine lebendige Stadt vorgefunden, die wir sehr in unser Herz geschlossen haben. Zu keinem Zeitpunkt haben wir uns nicht willkommen gefühlt, sondern wurden von den herzlichen Einwohnern sehr freundlich behandelt.

In diesem Artikel verraten wir dir, was du so alles in Lille machen kannst. Selbstverständlich verraten wir dir auch, wie du überhaupt in diese nordfranzösische Stadt kurz vor der belgischen Grenze kommst.

Lille Altstadt

Die Anreise nach Lille

Die einfachste Möglichkeit, nach Lille zu kommen, ist auf dem Luftweg. Lille hat nämlich einen eigenen internationalen Flughafen. Neben anderen Flughäfen innerhalb Frankreichs wird er auch von vielen anderen Städten in Europa aus angeflogen.

Der Flughafen Lille Lesquin ist zwar klein, wird aber trotzdem von zahlreichen Fluggesellschaften angeflogen. Darunter befinden sich neben vielen Billig-Airlines wie Ryanair auch renommierte Fluggesellschaften.

Dank der kleinen Größe hat der Flughafen auch den Vorteil, dass du keine weiten Wege zurücklegen musst. Die Abfertigungsschalter befinden sich direkt im Eingangsbereich und die Sicherheitsschleusen befinden sich direkt dahinter.

Vom Flughafen aus fährt jede Stunde ein Bus ins Zentrum von Lille. Nach einer etwa 20-minütigen Fahrt kommst du dann schließlich am Hauptbahnhof der Stadt an. Was die Kosten betrifft, musst du mit etwa acht Euro an Ausgaben rechnen.

Dank der Nähe zu Paris und Brüssel kannst du jedoch auch an einem dieser beiden Flughäfen landen und von dort aus mit einem Direktzug in die Hauptstadt der französischen Region Hauts-de-France fahren.

Es gibt zwei Bahnhöfe in Lille. Am Bahnhof „Flandres“ kommen vor allem die Züge des öffentlichen Nahverkehrs und die TGVs aus Paris an. Fast alle anderen Züge, einschließlich aus anderen Städten ankommenden TGVs und der Eurostar aus Brüssel und London, kommen am Bahnhof „Europe“ an.

Die beiden Bahnhöfe sind jedoch nicht sehr weit voneinander entfernt. Die beiden Stationen trennen nur wenige hundert Meter voneinander, sie befinden sich auf den beiden Seiten des Einkaufszentrums „EuraLille“.

Von Paris aus brauchst du mit dem TGV etwas mehr als eine Stunde, um nach Lille zu kommen. Der Kostenpunkt liegt bei circa 50 Euro. Die Züge fahren vom Pariser Bahnhof Gare du Nord ab. Wenn du hingegen in Brüssel landest, dann kannst du innerhalb von kaum mehr als 30 Minuten mit dem TGV oder Thalys in die nordfranzösische Stadt gelangen.

Mit dem Eurostar kannst du sogar von London aus ganz schnell nach Lille gelangen. Die Fahrt vom Londoner Bahnhof „St. Pancras International“ nach Lille dauert etwa 90 Minuten. Danach fahren die Züge weiter nach Brüssel.

Des Weiteren ist Lille auch sehr gut an weitere Städte angebunden. Unter anderem halten hier auch die französischen Schnellzüge, die TGVs. Von Lyon aus kommst du dann innerhalb von drei Stunden hierher, ab Marseille brauchst du ungefähr fünf Stunden.

Lille Platz

Sehenswürdigkeiten

Lille hat zwar den Ruf einer Industriestadt, jedoch verfügt die Stadt über ein traumhaftes historisches Zentrum. Bis zur Eroberung durch Ludwig XIV im Jahr 1667 war Lille eine flämische Stadt. Dieses Erbe wird vor allem in der Architektur der Stadt deutlich. Die Altstadt von Lille weist eine Fülle von barocken Gebäuden mit zierlichen Giebeldächern und Häusern aus dem späten 19. Jahrhundert auf.

Der belebte Hauptplatz von Lille, der „Place du Général de Gaulle“, ist umgeben von stattlichen flämischen Renaissance- und Barockgebäuden mit neoklassizistischen Fassaden. Er ist bei den meisten Menschen unter dem Namen „Grand Place“ bekannt und ein beliebter Treffpunkt der Einheimischen. Hier findest du auch zahlreiche Cafés, in denen du gemütlich einen Cappuccino schlürfen kannst.

In der Mitte des Platzes erinnert das bronzene Denkmal der Göttin an den Widerstand von Lille gegen die österreichische Belagerung im September 1792. Das Denkmal wurde im Jahr 1845 vom französischen Bildhauer Théophile Bra gefertigt. Er hat übrigens auch die Flachreliefs am Arc de Triomphe in Paris erschaffen. Die Göttin hält einen Luntenstock, mit dem die Lunten der Kanonen angezündet wurden. Auf dem Sockel befindet sich eine eingravierte Inschrift, die auf Deutsch übersetzt „Die mutige Antwort des Bürgermeisters von Lille, André, der sich weigerte, die belagerte Stadt aufzugeben“ bedeutet.

An der Südseite des Place du Général de Gaulle befindet sich eines der schönsten Gebäudekomplexe von Lille, die Vieille Bourse. Es wurde im Jahr 1652 errichtet und besteht aus 24 Häusern, die einen Arkadenhof umgeben. Der Innenhof ist eines der besten Beispiele für den kunstvollen flämischen Barockstil. In der Mitte des Hofes steht ein Denkmal für den berühmten General Napoleon Bonaparte.

Die Kirche „Église Saint-Maurice“ ist eine schöne gotische Kirche aus dem 14. Jahrhundert. Sie wurde allerdings bereits mehrmals renoviert. Trotzdem hat sie ihre architektonische Einheit bewahrt. Mit ihrem Turm an der Fassade ist das Gebäude ein Beispiel für eine sogenannte „Hallekerque“. Dieser Bautyp ist an den sumpfigen Boden Flanderns angepasst.

Église Saint-Maurice zeichnet sich auch durch ihren harmonischen Innenraum mit fünf Schiffen und hohen Säulen aus. Der Altarraum ist mit Gemälden aus dem 17. und 18. Jahrhundert von verschiedenen Liller Künstlern geschmückt.

Eine weitere interessante Kirche in der Nähe ist die Église Sainte-Catherine in der Rue Royale. Diese gotische Kirche aus dem 15. Jahrhundert beherbergt im nördlichen Seitenschiff ein außergewöhnliches Gemälde, das Martyrium der Heiligen Katharina von Rubens. Am anderen Ende der Rue Royale befindet sich die Église Saint-André.

Das wohl beeindruckendste Kirchenbauwerk ist die im Jahr 1854 erbaute Kathedrale „Notre-Dame de la Treille“, ein neugotisches Bauwerk mit überraschenden Details. Die düstere Fassade im zeitgenössischen Stil wurde in den 1990er Jahren fertiggestellt und weist ein bogenförmiges Portal aus rosa Marmor mit einer Fensterrose in der Mitte auf. Durch den einzigartigen architektonischen Stil erzeugt die Fassade einen markanten Eindruck und erhellt zudem den Altarraum im Inneren der Kirche.

Ein kurzer Spaziergang nördlich der Kathedrale von Lille führt dich zur Église Sainte-Marie-Madeleine. Diese im Jahr 1675 erbaute Kirche besticht hauptsächlich durch ihre barocke Gestaltung und die imposante 50 Meter hohe Kuppel.

Notre Dame Lille

Regelmäßige Veranstaltungen in Lille

Jedes Jahr findet in Lille eine weltberühmte und natürlich auch gut besuchte Veranstaltung statt. Die Braderie de Lille findet am ersten Wochenende im September von Samstagmorgen bis Sonntagabend statt. Dabei handelt es sich um eine Art Flohmarkt.

Die Braderie wird schon seit dem 12. Jahrhundert in Lille veranstaltet. Das erste Mal gab es die Braderie im Jahr 1127. Nachdem sie mehrere Jahrhunderte lang nur ein kleiner Flohmarkt gewesen ist, wurde die Braderie im 16. Jahrhundert zu einer riesigen Veranstaltung mit deutlich mehr Teilnehmern als zuvor.

Heute verkaufen mehr als 10.000 Menschen ihre Waren an den Marktständen unter dem freien Himmel. Neben dem Flohmarkt gibt es aber auch Konzerte und Abendgesellschaften, welche der Veranstaltung das Ambiente eines Festivals verleihen.

Die Braderie de Lille zieht mittlerweile riesige Massen an Menschen an und bietet dank zahlreicher Stände auch die Möglichkeit, einige der regionalen Spezialitäten zu probieren. Und dank der Fahrgeschäfte ist auch für einiges an Action gesorgt.

Der offene Markt „Marché de Wazemmes“ ist jeden Dienstag, Donnerstag und Sonntagmorgen geöffnet. Die Verkäufer verkaufen alles, von frischem Obst und Gemüse über Bücher und Schreibwaren bis hin zu Koffern und Schuhen. Du kannst sogar Unterwäsche bekommen, wenn du welche brauchst. In einer der vielen Kneipen in der Nähe kannst du auch leckeres Mittagessen bekommen.


Interessante Museen in Lille

Während deines Besuchs in Lille solltest du unbedingt auch das Palais des Beaux-Arts besuchen. Es ist berühmt für seine große und prestigeträchtige Kunstsammlung, welche in einem beeindruckenden Gebäude mit einem geräumigen und hellen Atrium untergebracht ist. Das Museum zeigt eine außergewöhnliche Sammlung von europäischen Gemälden der Alten Meister, darunter Rubens, Van Dyck und Delacroix.

Des Weiteren kannst du im Palais des Beaux-Arts auch einige Kunstwerke der französischen impressionistischen Malerei aus dem 19. und 20. Jahrhundert entdecken. Außerdem kannst du dir noch eine Antiquitätensammlung und eine Skulpturengalerie anschauen, die Werke von Rodin und zahlreichen anderen Künstlern beinhaltet.

Erweitert wird das Angebot mit Reliefkarten aus dem 18. Jahrhundert, die einige Städte in Nordfrankreich und Belgien zeigen. Sie wurden vor allem von den französischen Königen während der Kriege verwendet.

Im Herzen der Altstadt befindet sich das „Musée de l'Hospice Comtesse“. Du findest es in einem mittelalterlichen Krankenhaus, das 1237 von der Gräfin Jeanne de Flandre gegründet wurde. Das Hospital war bis 1939 in Betrieb, im Jahr 1962 wurde es in ein Museum umgewandelt.

Auf dem Gelände befinden sich Gebäude aus dem 15. bis 18. Jahrhundert, darunter die alte Krankenstation, das Klostergebäude und eine Kapelle. Bei einem Besuch dieses Museums kannst du eine Sammlung von Wandteppichen, Skulpturen und Porzellan aus dem flämischen Kloster aus dem 17. Jahrhundert bewundern.

Etwa 12 Kilometer nordöstlich von Lille liegt das „Villeneuve d'Ascq“, welches für sein renommiertes Museum für moderne Kunst bekannt ist. Das Lille Métropole Musée d'Art Moderne verfügt über eine der umfassendsten Sammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst in Frankreich. Es zeigt auf einer Ausstellungsfläche von mehr als 4.000 Quadratmetern 7.000 Kunstwerke. Unter den Exponaten befinden sich die Werke von berühmten Künstlern wie Braque, Kandinsky und Picasso.

Lille Alte Kathedrale

Fazit

Lille ist eine wundervolle Stadt, die stolz auf ihre flämische Architektur sein kann. Am besten erreichst du sie über den Flughafen Lille-Lesquin, aber auch von Paris oder Brüssel aus kannst du die Stadt schnell mit dem TGV erreichen.

Sightseeing ist in Lille auch überhaupt kein Problem. Dank der kompakten Altstadt kannst du die meisten der Sehenswürdigkeiten auch zu Fuß besuchen. Neben der imposanten Kathedrale von Lille, der Notre-Dame de la Treille, gibt es natürlich noch viele weitere atemberaubende Kirchengebäude.

Außerdem kannst du in Lille zahlreiche Museen besuchen. Das bekannteste ist das Palais des Beaux-Arts. Aber auch die anderen Ausstellungen sind auf jeden Fall sehenswert. Bei so viel Auswahl wird dir, sofern du dich für Kunst interessierst, bestimmt nicht langweilig.

Schlussendlich müssen wir zugeben, dass uns Lille sehr gut gefallen hat. Und wir sind uns sicher, dass es dir ebenso gehen wird, wenn du diese wundervolle Stadt besuchst.


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