Zwischen Gipfeln und Geigenbauern – Was Mittenwald besonders macht
Die bunten Lüftlmalereien an den Häuserfassaden verraten es sofort: Mittenwald ist anders. Eingekesselt zwischen Karwendel- und Wettersteingebirge liegt der 7.000-Seelen-Ort wie ein verstecktes Juwel in den bayerischen Alpen. Die historische Geigenbauertradition prägt bis heute das Ortsbild über 100 Instrumentenbauer haben hier ihre Werkstätten. Vom Geigenmuseum bis zu den kleinen Ateliers in versteckten Gassen können Besucher die jahrhundertealte Handwerkskunst hautnah erleben. Viele Werkstätten öffnen ihre Türen für neugierige Reisende und gewähren Einblicke in die aufwendige Fertigung der edlen Streichinstrumente.
Für Backpacker ist Mittenwald der perfekte Ausgangspunkt für alpine Abenteuer. Die Lage direkt an der österreichischen Grenze eröffnet unzählige Möglichkeiten für grenzüberschreitende Touren. Das mächtige Karwendelgebirge mit seinen schroffen Kalksteinfelsen und wilden Tälern gilt als größtes zusammenhängendes Naturschutzgebiet der Nordalpen. Über 900 Quadratkilometer unberührte Wildnis erstrecken sich zwischen Bayern und Tirol. Die vielfältige Flora und Fauna umfasst seltene Alpenpflanzen, Steinböcke und majestätische Greifvögel. Wer durch diese ursprüngliche Berglandschaft wandert, taucht in eine Welt ein, die sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat.
Die Anreise gestaltet sich unkompliziert: Mit der Mittenwaldbahn erreichen Reisende den Ort stündlich von München oder Innsbruck aus. Wer mit dem Auto anreist, findet kostenlose Parkplätze am Ortsrand. Die kompakte Größe macht Mittenwald ideal für Reisende ohne fahrbaren Untersatz alles ist zu Fuß erreichbar. Vom Bahnhof zur Ortsmitte sind es nur wenige Gehminuten. Selbst die umliegenden Wanderausgangspunkte lassen sich problemlos per Bus oder zu Fuß erreichen, was den Ort besonders backpackerfreundlich macht.
Die besten Wanderrouten für jeden Fitnesslevel
Die Karwendelgrube zählt zu den spektakulärsten Einsteigertouren der Region. Der gut ausgebaute Wanderweg führt in drei Stunden durch einen wilden Talkessel bis zur urigen Hochlandhütte. Unterwegs begleiten tosende Wasserfälle und bizarre Felsformationen die Wanderer. Die moderate Steigung macht die Tour auch für weniger trainierte Bergbegeisterte machbar. Der Pfad schlängelt sich durch dichte Bergwälder, vorbei an kristallklaren Gebirgsbächen und schroffen Felswänden. Besonders im Frühjahr, wenn die Schneeschmelze die Wasserfälle in voller Kraft zeigt, entfaltet die Route ihren besonderen Reiz. Die Hochlandhütte am Ziel belohnt mit herzhaften Brotzeiten und einem atemberaubenden Bergpanorama.
Ambitionierte Bergsteiger sollten sich die Mittenwalder Höhenweg-Runde vornehmen. Der anspruchsvolle Klettersteig verlangt Schwindelfreiheit und Trittsicherheit, belohnt aber mit atemberaubenden Tiefblicken ins Isartal. Die komplette Runde dauert etwa acht Stunden früh starten lohnt sich. Vollständige Klettersteigausrüstung mit Helm, Gurt und Klettersteigset ist zwingend erforderlich. Die exponierten Passagen verlangen höchste Konzentration, während der felsige Grat spektakuläre Ausblicke auf die umliegenden Gipfel freigibt. Erfahrene Alpinisten schätzen diese Tour als eine der eindrucksvollsten im gesamten Karwendel.
Eine entspannte Alternative bietet der Kranzberg. Mit der nostalgischen Sesselbahn schweben Besucher gemütlich zum Gipfel und genießen das 360-Grad-Panorama. Oben warten mehrere Hütten mit regionalen Spezialitäten. Der Abstieg über den Barfußwanderweg wird zum sinnlichen Naturerlebnis. Weitere lohnende Ziele sind die Leutaschklamm mit ihren schwindelerregenden Hängebrücken oder die idyllischen Buckelwiesen bei Krün. Die wellenförmigen Wiesen entstanden durch jahrhundertelange Bewirtschaftung und stehen heute unter Naturschutz. Besonders zur Blütezeit im Frühsommer verwandeln sich die Buckelwiesen in ein buntes Blütenmeer.
Spartipps für schmale Reisekassen
Mit der Gästekarte Mittenwald sparen clevere Backpacker bares Geld. Die kostenlose Karte erhalten Reisende automatisch bei jeder Übernachtung und sie gewährt freie Fahrt mit allen Regionalbussen. So erreichen Budget-Reisende ohne Zusatzkosten entlegene Wanderausgangspunkte wie den Scharnitzpass oder die Eng-Alm. Zusätzlich bietet die Karte Ermäßigungen bei vielen lokalen Attraktionen, Museen und Freizeiteinrichtungen. Selbst einige Bergbahnen gewähren Karteninhabern reduzierte Tarife, was besonders bei längeren Aufenthalten erhebliche Ersparnisse bringt.
Statt teurer Bergbahntickets nutzen erfahrene Sparfüchse die zahlreichen kostenlosen Aufstiegsmöglichkeiten. Viele Gipfel lassen sich komplett zu Fuß erobern das spart nicht nur Geld, sondern steigert auch das Erfolgserlebnis. Die öffentlichen Grillplätze am Lautersee und Ferchensee laden zum geselligen Picknick ein. Proviant gibt es günstig beim örtlichen Discounter. Frisches Bergquellwasser lässt sich kostenfrei an den zahlreichen Brunnen im Ort und entlang der Wanderwege auffüllen. Wer sein Essen selbst zubereitet statt in Restaurants zu gehen, kann die Reisekasse erheblich schonen. Viele Campingplätze und Hostels verfügen über Gemeinschaftsküchen mit vollständiger Ausstattung.
Besonders preiswert nächtigen Reisende auf dem Naturcampingplatz Isarhorn direkt am Fluss. Die einfachen Zeltplätze kosten nur wenige Euro pro Nacht. Wer es komfortabler mag, findet in den umliegenden Ortsteilen günstige Privatunterkünfte. Die Nebensaison bietet zusätzliches Sparpotenzial bei deutlich weniger Andrang. Im Herbst zeigt sich das Karwendel in prächtigen Farben, während die Preise spürbar sinken. Auch das Frühjahr lockt mit milden Temperaturen und günstigen Übernachtungsraten, sobald die Skisaison endet.
Übernachten zwischen Zelt und Zimmer
Wildcampen ist im Karwendelgebirge strikt verboten die empfindlichen Naturschutzgebiete vertragen keinen unkontrollierten Tourismus. Stattdessen bieten sich die offiziellen Campingplätze als naturnahe Alternative an. Der Alpen-Caravanpark Tennsee punktet mit moderner Ausstattung und direktem Seezugang. Günstiger übernachten Backpacker auf dem familiären Campingplatz Post in Wallgau. Beide Plätze verfügen über saubere Sanitäranlagen, Stromanschlüsse und meist auch WLAN. Die gepflegten Zeltwiesen liegen oft direkt am Wasser oder bieten spektakuläre Bergblicke. Campingküchen und Aufenthaltsräume fördern den Austausch unter Gleichgesinnten und schaffen eine gesellige Atmosphäre.
Berghütten ermöglichen authentische Alpenerlebnisse. Die Brunnsteinhütte und das Karwendelhaus bieten einfache Matratzenlager für wenig Geld. Reservierung ist in der Hauptsaison Pflicht spontane Besuche enden oft vor verschlossenen Türen. Die Hütten öffnen meist von Juni bis September. In den rustikalen Lagern schlafen Wanderer dicht an dicht in warmen Schlafsäcken, während draußen die Sterne über den Gipfeln funkeln. Die bewirtschafteten Hütten servieren deftige Bergsteigerküche mit regionalen Spezialitäten. Morgens weckt oft der Duft von frischem Kaffee und das erste Sonnenlicht auf den Felswänden die erschöpften Bergsteiger.
Wer nach anstrengenden Bergtouren eine feste Unterkunft bevorzugt, findet in Mittenwald verschiedene Optionen. Vom einfachen Hostel bis zum Hotel mit Charme reicht die Bandbreite. Viele Unterkünfte bieten spezielle Wanderpauschalen inklusive Lunchpaketen an. Die zentrale Lage im historischen Ortskern ermöglicht kurze Wege zu Restaurants, Geschäften und Wanderwegen. Gästehäuser und Pensionen verwöhnen müde Wanderer mit gemütlichen Zimmern, oft mit Balkon und Bergblick. Ein reichhaltiges Frühstück mit regionalen Produkten stärkt für die nächste Bergtour, während abends die traditionellen Gasthöfe zum Einkehren einladen.
Naturhighlights abseits der Massen
Die Geisterklamm bei Leutasch gehört zu den bestgehüteten Geheimnissen der Region. Nur wenige Wanderer verirren sich in diese mystische Schlucht mit ihren moosbewachsenen Felsen und versteckten Wasserfällen. Der schmale Pfad erfordert Trittsicherheit, führt aber zu einem der ursprünglichsten Flecken des Karwendels. Dichte Farnwälder säumen den Weg, während das Rauschen des Wassers die Stille der Wildnis untermalt. In der feuchten Schlucht gedeihen seltene Moosarten und Flechten, die andernorts kaum noch zu finden sind. Das gedämpfte Licht zwischen den hohen Felswänden schafft eine beinahe unwirkliche Atmosphäre. Wer behutsam voranschreitet, entdeckt versteckte Wasserbecken von kristallklarer Reinheit.
Frühaufsteher erleben am Grünkopf magische Sonnenaufgänge. Der moderate Aufstieg dauert zwei Stunden und startet direkt am Ortsrand. Oben angekommen breitet sich ein Meer aus Gipfeln aus, während die ersten Sonnenstrahlen die Felswände in goldenes Licht tauchen. Die Zugspitze, das Wettersteingebirge und die endlosen Ketten des Karwendels zeichnen sich scharf gegen den Morgenhimmel ab. In der klaren Bergluft reicht der Blick an günstigen Tagen bis zu den Zentralalpen. Der Gipfel selbst bietet ausreichend Platz für ein gemütliches Frühstück, während unter den Wolkendecke langsam das Tal erwacht.
Die Isar-Ursprünge im hinteren Hinterautal zeigen die ungezähmte Kraft der Natur. Türkisblaue Gumpen, wilde Kiesbänke und unberührte Auwälder prägen diese Landschaft. Mit etwas Glück entdecken Naturfreunde Gämsen, Steinadler oder sogar Bartgeier. Die beste Zeit für Tierbeobachtungen sind die frühen Morgenstunden oder die Abenddämmerung, wenn die Tagesausflügler bereits verschwunden sind. Die Isar entspringt aus mehreren Quellen, die sich zu einem kraftvollen Gebirgsfluss vereinen. Das eiskalte Gletscherwasser schimmert in allen Türkistönen und formt bizarre Kiesbänke. Alte Baumriesen am Ufer zeugen von der Ursprünglichkeit dieses Naturjuwels, das fernab der ausgetretenen Pfade liegt.




