Unterschiede zwischen Südamerika und Mittelamerika

Amerika ist nicht gleich Amerika. Das wird dir jeder Kanadier, Mexikaner und US-Amerikaner direkt bestätigen. Doch oft werden Länder und Gebiete, die in der Mitte und im Süden des amerikanischen Doppelkontinentes liegen, zusammengeworfen und allzu oft über einen Kamm geschert.

Nun ja, vergleicht man Chile und Argentinien in ihren Eckdaten miteinander sind sie natürlich viel ähnlicher als Chile und Deutschland. Allerdings wäre es schlicht falsch, zu sagen, dass die etwa 20 Staaten, die als lateinamerikanisch gelten, alle gleich wären.

Wir versuchen, etwas Licht in dieses Begriffschaos zu bringen und geben dir Tipps, auf was du bei einer Reise durch Süd- und Mittelamerika besonders achten solltest.

Vielleicht kannst du dich auch leichter für eine Zielregion entscheiden, wenn du die Wahl hast, nach Südamerika oder Zentralamerika zu reisen – aber nicht Zeit für beide Teile mitbringst.

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Warum gibt es so viele Begriffe für dieselbe Gruppe von Ländern?

Streng genommen gibt es nur eine wissenschaftliche Definition für jeden dieser Begriffe: Südamerika, Mittelamerika, Zentralamerika, Lateinamerika.

Während die Kontinentsbezeichnung „Südamerika“ klar geografisch zwischen Panama und Kolumbien von Nordamerika abgegrenzt wird, ist das Gebiet von Mittel- bzw. Zentralamerika nicht so direkt ersichtlich. Die Länder von Südamerika sind demnach Brasilien, Uruguay, Paraguay, Argentinien, Chile, Peru, Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Suriname, Guayana und Französisch-Guayana.

Meist wird Panama als südlicher Teil von Zentralamerika hergenommen und deren Zone erstreckt sich dann bis Guatemala oder Mexiko. Andere Quellen bestehen darauf, dass das gesamte Gebiet ja zum Nordamerikanischen Kontinent gehört und es deswegen gar kein Mittelamerika geben kann.

Nordamerika wird sehr oft in Grönland, Kanada, den USA und eben Mexiko eingeteilt. Die anderen Staaten des Festlands (Guatemala, Belize, EL Salvador, Honduras, Costa Rica und Panama) sowie die meisten Karibikinseln bleiben dann außen vor. Wiederum andere Quellen zählen die Länder und abhängigen Gebiete jedoch sehr wohl zu Mittelamerika mit hinzu.

Lateinamerika ist ein kollektiver Sammelbegriff, der ursprünglich dazu gedacht war, englischsprachige Gebiete von den Bereichen mit spanisch-, französisch- oder portugiesisch-sprechenden Gruppen zu trennen. Das leuchtet in den südamerikanischen Staaten auch sehr ein, hier werden das holländischsprachige Suriname und Guayana mit der Amtssprache Englisch nicht mehr hinzugenommen.

Bei den Gebieten in Zentralamerika fallen alle Inseln heraus, auf denen Holländisch (ABC-Inseln, SSS-Inseln) oder Englisch (Jamaica, Belize, Barbados, Puerto Rico) gesprochen wird. Alle anderen Areale mit Spanisch (Kuba, Dominikanische Republik), Portugiesisch (nur Brasilien) oder Französisch (Martinique, Haiti, Guadeloupe) als Hauptsprache gehören zu Lateinamerika.

Das ist ein wahres Durcheinander, oder? Wir zumindest versuchen die Sache etwas zu vereinfachen und haben nun Unterschiede zusammengestellt, die sich auf das spanischsprachige Lateinamerika beziehen – mit Zentralamerika und Südamerika im Vergleich.

Karte Amerika

Geografische Unterschiede

Die geografischen Unterschiede beruhen auf verschiedenen Umwelteinflüssen und natürlichen Gegebenheiten. Während Südamerika fast 18 Millionen km2 groß ist, umfasst Mittelamerika nur 2,7 Millionen km2. Daher gibt es im südlicheren Teil auch viel mehr Platz für die gewaltige Gebirgskette Anden und eine gigantische Fläche für den Regenwald des Amazonas.

In Mittelamerika sind die Berge nicht so hoch und die Landschaften beschränken sich auf Strände und sehr komprimierte Nationalparks. Ansonsten ist das Klima in Zentralamerika viel einheitlicher als in Südamerika – auch wegen der größeren Ausdehnung von Nord nach Süd.

Strand versus Berge

Als Tourist wird für dich die Landschaft ein sehr wichtiges Kriterium sein, um dein perfektes Reiseziel auszuwählen. In Südamerika findest du von Wüstengebieten der Atacama über wintersporttaugliche Berge und Regenwald bis hin zu kalten Eiszonen alles, was dein Naturherz höherschlagen lassen wird.

In Zentralamerika findest du Wüstenklima nur in Mexiko und bergiges Gelände nur in Costa Rica. Die meisten anderen Länder zeichnen sich durch subtropische oder tropische Regenwälder aus. Diese sind jedoch in ihrer Tier- und Pflanzenwelt anders als der Dschungel in Südamerika.

Hitze versus Regenzeit

Die Andenländer zeichnen sich durch ein gemäßigtes bis kühles Klima aus, nur im Hochplateau Boliviens und der Atacama-Wüste kann es auch wirklich heiß werden. Der Amazonas-Regenwald macht seinem Namen alle Ehre und versorgt seine Umwelt mit mehr als genug Niederschlag. Ebenso kannst du in Patagonien und im Feuerland mit kälterem und schlechterem Wetter rechnen. Die Staaten im Norden Südamerikas (Ecuador, Kolumbien und Venezuela) verfügen über ein sehr ähnliches Klima wie die Länder in Mittelamerika.

Von Panama bis Mexiko ist es sehr wichtig, dass du vor deiner Abreise die Regen- und Trockenzeiten checkst. Denn hier treffen karibische und pazifische Wetterfronten aufeinander. Generell sind aber die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit höher als im südlichen Lateinamerika.

Unterschiede in der Bevölkerung

Neben den verschiedenen Landschaften und Umgebungen gibt es auch kleine aber feine Unterschiede bei der Bevölkerung. Auch hier ist Südamerika wiedermal größer als Mittelamerika: unglaubliche 423 Millionen Südamerikaner und immerhin 188 Millionen Bewohner in Zentralamerika.

Das bedeutet jedoch auch, dass gemäß der Größe in Mittelamerika mehr Menschen auf einen Fleck wohnen als im südamerikanischen Gegenpart. Für dich heißt das, dass du in Mittelamerika schneller von einer Stadt in die andere kommst und diese dann wahrscheinlich auch größer sind als die Orte in Südamerika.

Das größte Land mit vielen meistbevölkerten Städten ist Brasilien in Südamerika und Mexiko in Zentralamerika. Um das lebendige Stadtleben zu genießen, sind Mexiko-Stadt, Rio de Janeiro und São Paulo jeweils deine besten Anlaufstellen. Die Unterschiede liegen offenkundig in den Englischkenntnissen, der Abstammung und der Religion.

Beide Reiseregionen sind äußerst ähnlich in Sachen Gesundheitswesen, Armut, Sicherheit, Reisekomfort und Infrastruktur. Die Bezeichnung „Latino“ ist übrigens für jeden Lateinamerikaner korrekt. Allerdings hat jedes Land seine ganz eigene Kultur, so wie beispielsweise die Costa-Ricaner.

Spanisch versus Englisch

Mit Spanisch kommst du in Lateinamerika – außer im brasilianischen Hinterland – immer am besten zurecht. Du kannst davon ausgehen, dass jeder, der in den Staaten zur Schule gegangen ist, etwas Spanisch spricht. Viele indigene Sprachen sind gar vom Aussterben bedroht und Spanisch wird sogar immer noch bedeutender.

Anders verhält es sich mit Englisch. In den Großstädten der etwas reicheren Länder wie Argentinien und Chile wirst du zumindest mit Englisch verstanden. Doch viele Südamerikaner möchten kein Englisch sprechen oder können es überhaupt nicht.

Darüber hinaus sind die Spanisch-Dialekte in Südamerika nicht so offen, neue englische Wörter in die Sprache aufzunehmen und die Akzente untereinander sind sehr unterschiedlich, verglichen mit den eher kleineren Unterschieden in zentralamerikanischen Dialekten.

In Mittelamerika hingegen hat Englisch einen ähnlich internationalen Stellenwert wie in Europa und in touristischen oder wirtschaftlich starken Gebieten kommst du mit deinen Englischkenntnissen schon sehr viel weiter. Auch im Grenzgebiet zu den USA sprechen viele Mexikaner zumindest soweit die Sprache, um sich auch nur ganz einfach zu verständigen.

In Zentralamerika reisen auch sehr viel mehr Kanadier oder US-Bürger, sodass du hier auch bessere Kommunikation auf Englisch betreiben kannst. Zwar kannst du natürlich auch in Südamerika jemanden treffen, der gut Englisch kann. Aber es ist schon auffällig, wie viele Amis nach Costa Rica oder nach Cancún reisen – schließlich ist es für sie auch um die Ecke.

Indigene versus eingewanderte Kulturen

In Mittelamerika hast du eine breite Auswahl an Sehenswürdigkeiten, die von den Kulturen der Maya und der Azteken zeugen. Besonders in Mexiko, Guatemala und Honduras findest du jede Menge Ruinen dieser indigenen Bevölkerungsgruppen.

Auch heute noch pflegen viele Mittelamerikaner etwas Nahuatl oder eine Mayasprache. Außerdem werden hier auch alternative Religionen praktiziert. Die meisten Menschen sind zwar katholische Christen, allerdings nicht so viele wie in Südamerika.

In Südamerika hat der Katholizismus nämlich immer noch einen sehr hohen Stellenwert. In den Gebieten von Ecuador, Peru und Bolivien leben viele Leute mit Inka-Abstammung, daher kannst du die meisten Ruinen dieser geschichtsträchtigen Gruppe auch hier entdecken.

Quechua (oder Kichwa) ist in den meisten Ländern Nebensprache und hat eine höhere Bedeutung für die nationale Kultur als die indigenen Sprachen in Mittelamerika. In Paraguay, Nordchile und Argentinien werden teilweise Guaraní und Aymara benutzt, wohingegen die Sprache Mapudungun weiterhin in Südchile gelehrt wird.

Der bestimmt größte Unterschied, der dir beim Reisen vielleicht auch auffallen wird, ist die Sicht auf die USA. Zentralamerika betreibt nämlich sehr viel Handel mit dem großen Nachbar und man spürt eine gewisse Verehrung der amerikanischen Kultur.

US-Rapmusik und Hollywoodfilme haben in Mittelamerika mehr Erfolg als in Südamerika. Teilweise stammen viele Einwanderer in der Karibik aus den USA oder andersherum, weswegen auch viele Verwandtschaftsbeziehung zwischen den Regionen bestehen. Sicherlich werden dir auch die ausrangierten Schulbusse oder die Berühmtheit amerikanischer Fastfoodketten ins Auge stechen. Alles Amerikanische in Südamerika ist höchstens die Pepsi im Supermarkt.

Die Südamerikaner haben schon immer versucht, weniger abhängig zu sein und eben ihre ganz persönliche Kultur aufzubauen. In den meisten Staaten haben die USA auch aus eigenen Interessen in die Politik eingegriffen und sich dadurch nicht unbedingt beliebt bei den Locals gemacht.

Während in Mittelamerika der typische Tourist aus den USA als eine gute Einnahmequelle gesehen wird, wird man ihm in Südamerika eher mit Skepsis entgegengetreten. Als Europäer jedoch hast du in beiden Regionen gute Karten.

Kulturen

Fazit

Gar nicht so einfach, Latinos von Latinos zu unterscheiden, oder? Schon alleine das Auseinanderhalten von Süd-, Mittel-, und Lateinamerika gleicht einer Doktorarbeit.

Wir hoffen, wir konnten dich etwas in deiner Entscheidung unterstützen. Wenn du also von einem entspannenden Urlaub am Strand träumst oder du nur etwas Zeit hast, fahr‘ nach Mittelamerika! Wenn du allerdings Spanisch kannst, etwas mehr Zeit mitbringst und sogar das bergige Terrain der Anden erkunden möchtest, dann wäre Südamerika etwas für dich.

Zusammenfassend ist ganz Lateinamerika natürlich jede Reise wert – ganz egal, ob du ein Land einzeln besuchst oder eine Rundreise vorhast.

In beiden Teilen findest du spannende Geschichten exotischer Völker, atemberaubende Natur in Urwald, Wüste und Grasland sowie eine leckere Küche.

Beide Gebiete sind im Übrigen ähnlich teuer und genau gleich in Bezug auf Kriminalität aufgestellt. Vielleicht fallen dir bei deiner Reise noch ganz andere Unterschiede auf, an die wir jetzt gar nicht gedacht haben.

Aber am besten begegnest du einem Latino auch ohne Vorurteile, außerhalb deiner Komfortzone und ohne viel Schüchternheit. Gastfreundlichkeit und Höflichkeit wird überall hier großgeschrieben!

Marvin Erdner

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