January 20

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Ägypten - die meisten denken da an die Pyramiden von Gizeh, den Nil und das Tal der Könige; vielleicht auch noch an Strandurlaub am Roten Meer. Eine Region wird aber oft vernachlässigt, wenn es um eine Reise nach Ägypten geht: der Süden der Sinai-Halbinsel.

Dabei birgt diese eigentümliche und ursprüngliche Region nicht nur einen der heiligsten Orte der drei monotheistischen Weltreligionen, sondern hat auch ihren ganz eigenen Charme.

Der Sinai bietet dir die Chance auf einzigartige Abenteuer und das Gefühl, in einer komplett anderen Welt gelandet zu sein. Wir zeigen dir, was diese Halbinsel so besonders macht und warum du deinen nächsten Backpacking-Trip unbedingt dorthin planen solltest.

Sinai Beduine


Der heilige Berg  Mount Sinai

Der Mount Sinai ist einer der heiligsten Orte für einen großen Teil der Weltbevölkerung und natürlich ein absolutes Muss, wenn du auf der Sinai-Halbinsel bist. Denn der 2285 Meter hohe Berg gilt als der Ort, an dem laut heiligen Schriften Moses die 10 Gebote entgegennahm. Und im Islam soll der Prophet Mohammed bei seiner Himmelreise diesen Berg als letzte Stufe benutzt haben.

Aufgrund seiner immensen religiösen Bedeutung sowohl für Christen, Juden als auch Muslime ist der Berg natürlich extrem beliebt. Der Mount Sinai ist im Rahmen einer Tagestour von Sharm el Sheikh oder Dahab aus erreichbar, wie immer auf dem Sinai nur im Rahmen einer geführten Tour. Viele Anbieter beginnen die Wanderung im Dunkeln, um auf dem Gipfel den Sonnenaufgang erleben zu können. Dies ist ohne Zweifel ein magisches Erlebnis, allerdings kann es zu dieser Zeit etwas überlaufen sein. Die Wanderung selbst dauert ca. 2 Stunden und endet mit 750 in Stein gehauenen Stufen. Auf dem Gipfel des Berges finden sich eine Moschee sowie eine Kapelle, die Moses gewidmet ist.

Die Wanderung beginnt am Katharinenkloster, einer UNESCO-Weltkulturerbestätte und einem der ältesten Klöster der Welt. Das Kloster ist noch immer in Betrieb, dennoch können zumindest Teile vormittags besichtigt werden (außer an Sonn- und Feiertagen).

Denke auch daran, dass es dort im Winter auch mal Minusgrade haben kann und passe deine Ausrüstung entsprechend an.

Sinai Kloster


Ein Paradies für Taucher

Das Rote Meer ist natürlich bekannt als einer der Top-Tauchhotspots weltweit. Durch die auch im Winter gemäßigten Temperaturen und die vergleichsweise günstigen Angebote ist Ägypten einer der besten Orte, um einen Tauchkurs zu machen. Im Normalfall finden sich überall Tauchplätze, die durch geringe Strömung und gute Sicht ideal für Anfänger sind, sodass die Kurse meistens komplett im Meer stattfinden können und Tauchstunden im Pool nicht unbedingt notwendig sind. Und dann sind da noch die wunderschönen, farbenfrohen Riffe mit ihren bunten Fischen, Oktopussen, Seepferdchen, Muränen, Schildkröten, Rochen und Nacktschnecken!

Sinai Rotes Meer
Tipp: Lass dich bei der Wahl deiner Tauchschule nicht zu sehr von niedrigen Preisen verführen − Denke immer daran, dass es dabei um deine Sicherheit geht und du lieber an anderen Punkten sparen solltest! Schau dir die Tauchschulen am besten vor Ort an und entscheide nach Bauchgefühl. Wenn du in Dahab bist, können wir dir Sea Dancer Dive Center nur empfehlen − jede Menge Spaß und unvergessliche Erlebnisse sind da garantiert!


Das Blue Hole - der gefährlichste Tauchplatz der Welt

Zunächst wäre da natürlich das berühmt-berüchtigte Blue Hole zu erwähnen. Es liegt 10 km nördlich von Dahab und ist ein großes Loch im Riff mit einem Durchmesser von ca. 50 m, das senkrecht bis auf 70 m auf der einen und bis zu 120 m auf der anderen Seite abfällt. Eine weitere geologische Besonderheit ist der sogenannte Arch, der das Blue Hole in einer Tiefe zwischen 100 und 50 m mit dem offenen Meer verbindet.

Berühmt ist das Blue Hole vor allem deswegen, weil es vermutlich der Tauchplatz mit den meisten tödlich verunglückten Tauchern der Welt ist. In einem Sandfelsen neben dem Blue Hole erinnern Gedenktafeln an einige dieser Taucher.

Dennoch ist es normalerweise schon im Rahmen eines Advanced Open Water Kurses möglich, das Blue Hole als Sporttaucher zu erkunden. Und das ist auf jeden Fall empfehlenswert, denn das bunte Riff, das endlose Blau unter einem und die Freediver in der Mitte des Blue Holes machen diesen Tauchgang zu etwas ganz Besonderem!

Sinai Blue Hole

Die Thistlegorm: eines der spektakulärsten Wracks

Der zweite Top-Spot, der von der Sinai-Halbinsel aus erreichbar ist, ist die Thistlegorm. Das Wrack des britischen Frachtschiffes, das im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Luftwaffe versenkt wurde, landet regelmäßig auf den Listen der besten betauchbaren Wracks der Welt. Es liegt in ca. 30 m Tiefe auf dem Grund des Roten Meeres, ungefähr 40 km westlich von Sharm El Sheikh und ist somit nur mit dem Boot zu erreichen.

Aufgrund der oft starken Strömungen und des anspruchsvollen Tauchgangs ist es nur etwas für erfahrene Taucher - und selbst für diese auf jeden Fall ein Abenteuer. Denn die meisten Touren unternehmen zwei Tauchgänge am Wrack: Auf dem ersten Tauchgang wird das Wrack von außen erkundet, während man sich beim zweiten Tauchgang ins Innere wagt. Dort kann man noch immer die Fracht sehen, die das Schiff geladen hatte, unter anderem alte Motorräder und Autos. Insgesamt ein etwas unheimlicher und in jedem Fall außergewöhnlicher Tauchplatz!


Willkommen in Dahab

Dahab, dessen Name „Gold“ auf Arabisch bedeutet, ist ein ganz besonderer Ort und sollte auf der Liste jedes Backpackers stehen. Das charmante Dorf, das ca. 80 km nördlich von Sharm el Sheikh am Golf von Aqaba liegt, hat eine ganz eigene Atmosphäre, die sich am ehesten mit seiner Geschichte erklären lässt.

Ursprünglich war Dahab nämlich ein Fischerdorf der Beduinen, die dort seit Jahrhunderten die Sommer verbrachten, bis es in den 70ern zu einem wahren Paradies für Hippies und Aussteiger aus aller Welt wurde. Weit abgelegen vom Rest der Welt fanden sie ein Ort, an dem es außer Palmen, dem Meer und einfachen Hütten vor allem sehr viel Hash gab und wo sie von Behörden und Autoritäten in Ruhe gelassen wurden.

Diesen Freigeist kann man auch heute noch in Dahab spüren, genauso wie das „Love, Peace and Happiness“-Motto der Hippies. Heute lebt dort ein bunter Mix aus Beduinen, Ägyptern und Expats aus der ganzen Welt, die meist eigentlich nur für kurze Zeit vor Ort bleiben wollten und mittlerweile in Dahab zuhause sind. Vielleicht geht es dir ja genauso.

Dahab Strand

Dahab ist sehr beschaulich, hat aber einiges zu bieten. Die vielen Restaurants und Cafés an der Promenade laden zum Verweilen ein und bieten kulinarische Spezialitäten aus aller Welt. Von Slow Food und echten ägyptischen Delikatessen bis hin zu italienischen Pizzerien und europäischen Pubs ist alles zu finden.

Außerdem ist Dahab ein Paradies für Sportbegeisterte: Da es dort meist 360 Tage im Jahr Wind gibt, ist es perfekt für Kite- und Windsurfer. Die Schulen findest du in der Lagune am südlichen Ende von Dahab. Und natürlich ist Dahab ein Eldorado für Taucher − in dem kleinen Ort gibt es über 50 Tauchschulen und die geschützte Bucht bietet ideale Bedingungen für Kurse. Fast alle Tauchplätze in und um Dahab sind vom Ufer aus zugänglich und meist kann man von seiner Tauchschule aus einfach über die Promenade und direkt ins Wasser gehen. Außerdem kannst du in Dahab das Apnoetauchen ausprobieren! Hier gibt es eine stetig wachsende Community und vielleicht wirst auch du bald begeistert sein.

Vor allem aber ist Dahab wegen seiner offenen und alternativen Atmosphäre, zusammen mit der ägyptischen Gastfreundlichkeit, immer einen Besuch wert. Sich selbst bezeichnet der Ort auch als die „tierfreundlichste Stadt Ägyptens“. Zahlreiche Katzen und Ziegen gehören genauso zum Straßenbild wie die überfreundlichen Straßenhunde, die sich meist mit großem Vergnügen streicheln lassen.

Sinai Dahab Hund
Tipp: Die Blue Lagoon.
Die Blue Lagoon ist ein wirklich magischer Ort, und selbst weniger spirituelle Menschen beschreiben eine seltsame Verbundenheit mit ihrer Umgebung, wenn sie dort sind. In einem Nationalpark gelegen, ist die Blue Lagoon vom Blue Hole in der Nähe von Dahab aus entweder mit dem Boot in ca. 20 min oder mit dem Kamel oder zu Fuß in ca. einer Stunde zu erreichen. Im Nationalpark Ras Abu Galum angekommen, hat man dann nur noch eine kurze Jeepfahrt über unbefestigte Straßen vor sich (wobei man sowohl für das Boot als auch für die Jeepfahrt auch gerne mal 10-jährige Beduinenjungen am Steuer hat, wodurch die Fahrt etwas holprig werden kann).
Dort angekommen, genießt man am besten einfach den Aufenthalt in simplen Strohhütten mit einem Beduinen-Dinner und die wunderbare Landschaft um einen herum, zwischen dem tiefblauen Meer, der türkisfarbenen Lagune und den majestätischen, roten Bergen im Hintergrund. Für einen actionreicheren Aufenthalt gibt es dort auch ein Wind- und Kitesurfing-Camp.
Sinai Blue Lagoon


Eine atemberaubende Berglandschaft

Die Landschaft auf dem Sinai ist einzigartig. Gerade nachts, wenn man mit dem Jeep über verlassene Landstraßen fährt, oder bei einer Übernachtung in der Wüste unter freiem Himmel, wenn der Mond alles in ein silbriges Licht taucht, könnte man sich auch in der Wüstenlandschaft eines fernen Planeten befinden. Die Berge sind ursprünglich und majestätisch und sobald man die Städte oder Dörfer auf dem Sinai hinter sich lässt, bekommt man ein Gefühl der Abgeschiedenheit, das einen noch mehr mit der Umgebung verbindet. Die Welt, die man kennt, scheint so weit weg wie noch nie.

Diese eigentümliche Wüstenlandschaft ist schon seit tausenden von Jahren die Heimat der Beduinenstämme, und wenn du dich aufmachen willst, dieses Gebiet zu erkunden, wendest du dich am besten an sie. Für Touren zum Colored Canyon und dem White Canyon in der Nähe von Nuweiba arbeiten die meisten Touranbieter mit Beduinen zusammen.

Diese Touren führen durch schmale Schluchten und vorbei an einzigartigen Felsformationen in strahlend weiß oder mit faszinierenden bunten Mustern. Nach der Wanderung kann man sich dann in einer Oase entspannen und sich mit den Beduinen ein traditionelles Mittagessen teilen. Andere sehenswerte Ausflugsziele sind der Closed Canyon und der Gebel Mahroum, ein Lochberg.

Sinai Lochberg

Aber auch abgesehen davon ist diese Wüste einfach faszinierend mit ihren endlosen Wadis, Tälern und Bergen. Wenn Du Glück hast, siehst du auf deinen Wanderungen vielleicht sogar die kleinen Wüstenfüchse oder nubische Steinböcke!

Wenn du wirklich nicht genug vom Gebirge bekommen kannst und ein absoluter Wanderfan bist, ist vielleicht der Sinai Trail etwas für dich, Ägyptens erster Fernwanderweg. Der insgesamt 550 km lange Weg führt vorbei an traumhaften Oasen, dem Written Rock, der Blue Desert und natürlich dem Mount Sinai und dem Katharinenkloster. Betreut wird er von acht Beduinenstämmen, die dich auf deinem Weg durch ihren Teil des Wanderweges begleiten. Ein Guide und ein Kamel sind erforderlich; und natürlich können auch nur einzelne Abschnitte gelaufen werden. Die beste Zeit für dieses Abenteuer ist entweder der Frühling oder der Herbst, sodass es weder zu heiß noch zu kalt ist.

Wenn du es etwas gemütlicher angehen lassen willst und dich in Dahab aufhältst, kannst du vielleicht einen Blick in den Dahab’s Walking and Scrambling-Guide werfen, einen inoffiziellen Wanderführer, der aus einem privaten Projekt von Locals entstanden ist. Deshalb gibt es auch keinen offiziellen Verkaufsort und du fragst am besten entweder deine Kontakte vor Ort danach oder du suchst auf Facebook.

Geheimtipp: Kamelrennen am 10. Januar
Jedes Jahr, traditionell am 10. Januar, findet in der Wüste der Sinai-Halbinsel im Wadi Zalaga ein Kamelrennen statt, das von den Mezeina- und Tarabeen-Beduinen ausgerichtet wird. Die Kamele werden dabei von Beduinenkindern geritten, mache von ihnen noch nicht einmal 10 Jahre alt. Wie auf dem Sinai so üblich, ist auch dieses Rennen ein bisschen anders und ein bisschen chaotischer, als man es erwartet hätte: Denn nach dem Start verfolgen die Zuschauer das ca. 30 km lange Rennen von Jeeps aus, die neben, vor und hinter den Kamelen durch die Wüste bis zum Ziel rasen. Obwohl es eine traditionelle Veranstaltung der Beduinen ist, sind Touristen willkommen. Achtung: Denke daran, dass es im Januar in der Wüste um die null Grad hat und packe Dich dementsprechend warm ein.
Sinai Kamel


Fazit

Die Sinai-Halbinsel ist ursprünglich, einzigartig und bietet dir die Chance auf ein authentisches Abenteuer abseits von Touristenhochburgen.

Aus dem Ausland reist du am besten über den Flughafen in Sharm el Sheikh an. Falls du dich bereits in Ägypten aufhältst und nach einer anstrengenden Sightseeing-Tour Lust auf ein bisschen Aussteiger-Dasein hast, kannst du auch den Go Bus von Kairo aus nehmen.


Von Nina Lang



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