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Das Holi Festival in Indien

Der Begriff Holi oder Holi Festival sagt dir vielleicht nicht viel, aber vielleicht kennst du die vielen atemberaubenden Bilder vom „Fest der Farben“. Ursprünglich hauptsächlich in Indien gefeiert, verbreitet es sich in oftmals abgewandelten Formen immer mehr auf der ganzen Welt und lockt viele Besucher an. Die bunten Farben, Gesänge, Tänze, Traditionen und einfach die gesamte fröhliche Stimmung faszinieren weltweit.

Doch weißt du eigentlich, was der Hintergrund hinter diesem Fest ist? Was alles zu den Traditionen gehört? Oder warum es als „der indische Karneval“ bezeichnet wird? Diese Fragen und noch vieles mehr werden wir in diesem Artikel klären.

Allgemeines über Holi

Was und warum wird gefeiert?

Holi gehört zu den ältesten Festen Indiens und der hinduistischen Kultur. Es wird bei uns auch als indisches Frühlingsfest, Fest der Liebe oder eben Fest der Farben bezeichnet. In Indien ist sein Name von der Region abhängig, beispielsweise kann es neben Holi noch Shimga, Shigmo oder Kamadahana heißen. Auch die Länge des Festes und die Traditionen beziehungsweise die Art zu feiern, ist regional unterschiedlich. Meistens dauert es jedoch zwischen zwei und zehn Tagen.

Holi ist stark mit der hinduistischen Mythologie und deren Geschichten verbunden. Gefeiert wird hauptsächlich das Verbrennen der Dämonin Holika, durch deren Tod das Gute über das Böse gewann. Das ist jedoch nur eine der vielen faszinierenden Geschichten rund um Holi. Sie alle zu erwähnen, würde einen ganzen Artikel für sich füllen.

In der Natur sieht man den Sieg des Guten über das Böse durch den Beginn des Frühlings und das Ende des Winters, daher der Name Frühlingsfest. Aus diesem Grund wird Holi auch ab dem ersten Vollmondtag des Monats Phalgun nach dem indischen Lunisolarkalender gefeiert und liegt bei unserem Kalender im Februar oder März.

Wo wird Holi überall gefeiert?

Seinen Ursprung hat das Festival in Indien. Hauptsächlich wird es dort und in Nepal gefeiert, da in beiden Ländern der Großteil der Bevölkerung dem hinduistischen Glauben angehört. Ansonsten finden größere Feierlichkeiten noch an Orten mit viel indischer Bevölkerung statt. Dazu gehören unter anderem Bangladesh, Pakistan, Südafrika, Malaysia, USA, Kanada und die Fiji-Inseln.

Einige dieser und noch andere Länder feiern Feste, die aus Holi entstanden sind, aber nicht mehr viel mit der Tradition dahinter zu tun haben, sondern nur noch mit dem Spaß, der Musik und der Farbe.

Frau auf einem Holi Festival in Indien

Ablauf, Tradition und Kleidung 

Am ersten Tag von Holi wird in der Nacht ein Feuer angezündet und darin eine Strohfigur verbrannt, welche symbolisch für die Dämonin Holika steht. Dieses Ritual ist meist mit Gebeten verbunden und findet oft an öffentlichen Plätzen wie Parks statt. Außerdem werden traditionelle Speisen wie gujiya vorbereitet. Gujiya sind süße Teigtaschen, die in verschiedenen Variationen mit Trockenfrüchten, Nüssen und Kardamom gefüllt sind. Sie gehören zu den typischsten Speisen. Obendrein gibt es zum Anstoßen schon seit über 3 000 Jahren häufig Bhang, das ist Milch oder Yoghurt mit Cannabisblüten.

Ab dem zweiten Tag wird wortwörtlich Farbe ins Leben gebracht. Menschen bewerfen sich mit gefärbtem Wasser oder dem traditionellen Puder, Gulal. Oftmals werden auch Wasserpistolen und ‑bomben benutzt. Es gibt traditionelle Musik, Gesänge, Tänze und Trommler. Alkohol ist eigentlich untersagt, jedoch wird dies beim Feiern immer mehr ignoriert.

Eine weitere wichtige Tradition ist das Ablegen von Konflikten und Streitigkeiten, denn zu Holi soll Versöhnung herrschen.

Es gibt für das Holi Festival keine vorgeschriebene Kleidung. Nur selten tragen die Frauen aus traditionellen Gründen grüne oder rote Saris. Stattdessen wird Kleidung getragen, die ruiniert werden kann, denn die Farbe kann in der Regel nicht ausgewaschen werden. Meistens wird weiße Kleidung genutzt, auch wenn sie danach nie wieder weiß wird, denn die Farbe steht für Wahrheit und lässt die bunten Farben strahlen.  

Bedeutung des Puders „Gulal“

Die Bedeutung hinter dem farbigen Puder liegt nicht nur in der Mythologie, sondern soll vor allem die Hautfarbe der Menschen verdecken. Dadurch sehen alle gleich aus, weshalb zu Holi in Indien alle Klassen- und Geschlechtergrenzen aufgehoben werden. In der iranischen Abwandlung des Festes, Nouruz genannt, übernehmen die Bürger für den Zeitraum die „Macht“ in symbolischen Akten. Das ist bei uns vergleichbar mit dem Karneval und dem Mardi Gras in den Vereinigten Staaten, wodurch Holi auch den Beinamen „indischer Karneval“ bekommen hat.

Die verwendeten Farben sind außerdem heilig und werden auch heute noch meist vorher auf einem Altar geweiht. Bei dieser Zeremonie überbringen die Menschen oft auch ihre Segenswünsche. Früher wurden die Farben aus pflanzlichen Stoffen wie Blüten, Wurzeln und Kräutern mit Heilwirkung hergestellt, heute allerdings nicht selten aus schädlichen, synthetischen Farben. Informiere dich am besten immer vorher, was für Farbe an einem bestimmten Ort verwendet wird.

Die verschiedenen Farben haben zudem Bedeutung: Rot symbolisiert die Liebe, Fruchtbarkeit und Ehre, Blau Krishna und Grün den Neuanfang.

Hände mit buntem Pulver zu Holi

Das Holi Festival in Indien 

Je nach Region gibt es Variationen in den Feierlichkeiten, aber der Grundablauf ist immer gleich. South Delhi und sein Holi Moo Festival sind besonders für Touristen einer der besten Orte zum Feiern. Es ist eine moderne Form des Holi Festivals mit ungiftigen Farben, Tanz, Musik, Street Food und thandai, einem Yoghurtgetränk mit verschiedenen Gewürzen.

In Udaipur findet das „luxuriöseste“ Fest statt. Es gibt ein Spektakel mit royaler Band und geschmückten Pferden, später auch Trommelspielern, Gesang, Cocktails und Dinner.

Varanasi hat beim Feuer eine besondere Tradition: Alle Anwesenden reiben ihre Körper mit einer Paste, die ubtan genannt wird, ein und werfen diese dann mit ins Feuer. Sie glauben, dass sie dadurch den Rest des Jahres gesund bleiben. Zudem wird hier nicht nur mit Farbe, sondern auch mit Schlamm geworfen.

In Agra, Barsana, Vrindavan und Mumbai gibt es eine Tradition, die sich Matki Phod nennt. Dabei wird ein getöpferter Topf mit Buttermilch oder einem anderen Milchprodukt gefüllt und in der Straße aufgehängt. Männer klettern daraufhin auf die Schultern und Rücken anderer und bilden eine menschliche Pyramide. Der Mann ganz oben zerschlägt dann den Topf. Um das Ganze zu erschweren, sind sie von singenden, tanzenden und Farben werfenden Frauen und Mädchen umgeben.

Menschen mit buntem Pulver auf dem Holi Festival

Holi Feierlichkeiten in aller Welt 

Nepal

Nepal beheimatet neben Indien die meisten Hindus, weshalb hier genauso groß gefeiert wird wie in Indien selbst. Am ersten Tag werden Holzpfähle, chir genannt, mit bunten Stoffen geschmückt. Bei Nacht werden diese Pfähle dann verbrannt und stehen symbolisch für das Ende des Jahres. Zudem tragen Frauen häufig rote Saris. Ansonsten gleichen die Feierlichkeiten denen aus Indien.

Mauritius 

Auch auf Mauritius wird Holi ähnlich ausgelassen gefeiert wie in Indien selbst. Schon eine Woche vor Beginn wird alles in Regenbogenfarben geschmückt. Das Farbenspiel findet dann in Parks, Straßen und sogar am Strand statt und wird begleitet von Sängern und Musikern, die traditionelle Songs spielen.

Außerdem besuchen die Menschen hier häufig ihre Familien und überreichen Geschenke. Mauritius ist zudem besonders schön für das Auge, denn zur Zeit von Holi blühen die Blumen und die Felder erstrahlen in einem saftigen Grün.

USA

In Spanish Fork, einer Stadt in Utah, findest du eine der größten Feierlichkeiten weltweit im Sri Sri Radha Krishna temple nahe der Stadt. Jedes Jahr kommen dazu 70 000 Besucher aus aller Welt angereist. Die Puderfarben sind aus gefärbtem Maismehl gemacht und dadurch absolut ungefährlich und einfach auszuwaschen. Weitere Aktivitäten sind Yoga, Tänze, traditionelles Essen und ein Feuer, bei dem Holika symbolisch verbrannt wird.

In New York City feiern fast alle Menschen Holi, egal welchem ethnischen Hintergrund sie haben. Neben dem Spiel mit den Farben gibt es Yoga-Kurse, Essensstände und viele weitere traditionell-indische Veranstaltungen.

Menschen in Spanish Fork auf dem Holi Festival

Leicester (Großbritannien) 

Leicester hat viele Einwohner mit indischer Herkunft und ist deshalb bekannt für seine indischen Feste – besonders für Holi. Gefeiert wird in mehreren Parks der Stadt. Auch das Farbenspiel findet in einem Park statt und hat einen extra abgesonderten Bereich für Familien mit Kindern. Zum großen Feuer am Abend zuvor gibt es zudem Kokosnüsse, die zuvor gesegnet wurden und bei der Zeremonie geöffnet werden.

Deutschland

In Deutschland gibt es seit 2012 das Holi Festival of Colours. Es findet in über 30 Städten statt und lockt tausende Besucher an. DJs legen Musik auf und es gibt Farbcountdowns, nach deren Ablauf jeder etwas buntes Pulver in die Luft wirft.

Ein weiteres Fest ist das Holi Farbrausch Festival, welches bis 2022 jedoch nur in wenigen Städten stattgefunden hat. Dabei handelt es sich um ein Musikfestival mit Farbe, indischen Live-Künstlern und einer Bühnenshow.

Australien 

Australien feiert Holi in mehreren Städten, aber am bekanntesten und authentischsten ist Melbourne. Der Besuch lohnt sich vor allem für Familien, denn Alkohol ist untersagt. Es gibt viel Musik und Performances wie Bollywood-Tänze, Auftritte von indischen Trommlern und eine Menge weiterer Aktivitäten für Kinder.

Fazit

Das Holi Festival ist unglaublich farbenfroh, mitreißend und macht einen Heidenspaß. Die tiefe Tradition dahinter ist jedoch leider nur den wenigsten bekannt. Hier haben wir dir einige Orte weltweit vorgestellt, in denen Holi möglichst authentisch gefeiert wird.

Es gibt allerdings noch so viele mehr, die nicht alle in diesen Artikel passen. Schau doch mal, ob es ein Festival in deiner Nähe gibt oder plane eine Reise zu einem unserer vorgeschlagenen Ziele. Es wird auf jeden Fall ein einzigartiges Erlebnis und falls du es ganz besonders erleben willst – nichts könnte den Besuch eines Holi Festivals in Indien selbst toppen!

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