Polen ist ein Paradies für alle, die Natur hautnah erleben wollen – endlose Wälder, weite Seenlandschaften und Küsten, die oft menschenleer sind. Seit einigen Jahren gibt es für Abenteurer eine gute Nachricht: Wildcampen ist in vielen Teilen des Landes offiziell erlaubt. Das macht Polen zu einem der spannendsten Reiseziele in Europa für alle, die abseits von Campingplätzen schlafen möchten.
Doch so verlockend die Freiheit klingt – wer sein Zelt einfach irgendwo aufschlägt, sollte die Regeln kennen. Denn nicht überall darf man sein Lager aufbauen, und Verstöße können teuer werden. Hier erfährst du, was erlaubt ist, wo du legal übernachten darfst, welche Vorschriften es gibt und wie du dein Wildcamping-Erlebnis in Polen sicher und naturverträglich gestaltest.
Ist Wildcampen in Polen erlaubt?
Grundsätzlich war das Übernachten im Wald in Polen lange Zeit verboten. Seit Mai 2021 gilt jedoch eine besondere Regelung: In ausgewählten Gebieten der staatlichen Forstverwaltung „Lasy Państwowe“ ist Wildcampen erlaubt. Dieses Pilotprojekt umfasste zunächst 425 Waldgebiete und wurde nach einer Testphase dauerhaft eingeführt.
Das Besondere: Diese Flächen wurden speziell für Naturfreunde, Wanderer und Radreisende ausgewiesen, um das Naturerlebnis zu fördern, ohne die Umwelt zu stark zu belasten. Ein Jedermannsrecht wie in Skandinavien gibt es in Polen nicht, aber diese Sonderregelung kommt dem recht nahe. Wer sich an die Vorgaben hält, darf hier legal in der Wildnis schlafen – ganz ohne verstecktes Agieren.
Wichtig zu wissen: Die Erlaubnis gilt nicht für Nationalparks oder streng geschützte Naturschutzgebiete. Dort bleibt das Übernachten weiterhin tabu.
In welchen Gebieten darf man legal übernachten?
Die ausgewiesenen Flächen erstrecken sich über das ganze Land – von der Ostseeküste im Norden bis in die Berge im Süden. Insgesamt handelt es sich um mehr als 600.000 Hektar in unterschiedlichen Waldgebieten.
Eine Beschilderung vor Ort gibt es in der Regel nicht. Stattdessen stellt die Forstverwaltung digitale Karten bereit, auf denen alle erlaubten Flächen genau eingezeichnet sind. Diese Karten sind online über die Website von „Lasy Państwowe“ abrufbar und sollten unbedingt vor der Reise heruntergeladen werden.
Neben dichten Wäldern finden sich unter den erlaubten Gebieten auch Areale an Seen oder Flussläufen, die ideale Übernachtungsplätze bieten. Aber Vorsicht: Nicht jedes scheinbar idyllische Fleckchen liegt innerhalb der offiziellen Zonen. Ein kurzer Blick auf die Karte vor dem Aufbau des Zelts kann Strafen verhindern.
Nationalparks, Naturschutzgebiete und militärische Sperrzonen sind vom Wildcamping ausgeschlossen – auch dann, wenn sie inmitten der genehmigten Waldgebiete liegen.
Welche Regeln gelten für Wildcampen in Polen?
Auch wenn die neuen Flächen viel Freiheit bieten, gibt es klare Vorgaben, um Natur und Tiere zu schützen. Die wichtigsten Regeln im Überblick:
Regeln für legales Wildcampen in Polen im Überblick:
- Maximal 2 Nächte am selben Ort übernachten
- Gruppen dürfen höchstens aus 9 Personen bestehen
- Übernachten nur mit Zelt, Plane oder Hängematte – keine Wohnmobile oder Wohnwagen
- Feuer nur an ausgewiesenen Feuerstellen oder mit Erlaubnis der Forstverwaltung entzünden
- Müll restlos wieder mitnehmen – keine Spuren hinterlassen
- Respektvoller Abstand zu Häusern, landwirtschaftlichen Flächen und Privatgrundstücken
- Ruhezeiten beachten und Tiere nicht stören
Gerade beim Thema Feuer ist Vorsicht geboten: In trockenen Sommermonaten kann es regionale Verbote geben. Auch ein Gaskocher sollte nur genutzt werden, wenn keine hohe Waldbrandgefahr besteht.
Was droht bei Verstößen gegen die Regeln?
Auch wenn Polen beim Thema Wildcampen liberaler geworden ist, gilt: Wer sich nicht an die Vorgaben hält, muss mit Konsequenzen rechnen.
Das Übernachten außerhalb der ausgewiesenen Flächen oder in verbotenen Gebieten kann je nach Region unterschiedlich geahndet werden. In den meisten Fällen drohen Geldstrafen, die umgerechnet zwischen 25 und 120 Euro liegen. In sensiblen Gebieten wie Nationalparks können die Strafen deutlich höher ausfallen.
Besonders streng kontrollieren die Behörden in beliebten Urlaubsregionen wie an der Ostseeküste oder in den Tatra-Bergen. Dort patrouillieren regelmäßig Forstbeamte und Parkranger. Für den Campingurlaub gilt: Wird man beim Wildcampen ohne Erlaubnis erwischt, muss man den Platz in der Regel sofort räumen – und im schlimmsten Fall zusätzlich zahlen.
Tipps für ein gelungenes Wildcamping-Erlebnis in Polen
Polen bietet eine beeindruckende landschaftliche Vielfalt – von endlosen Kiefernwäldern bis zu stillen Seen. Damit das Wildcampen nicht nur legal, sondern auch unvergesslich wird, helfen diese Tipps:
1. Vorab Routen planen
Nutze die offiziellen Karten der Forstverwaltung, um schon vor der Camping-Reise zu wissen, wo du übernachten kannst. So vermeidest du Stress bei der Stellplatzsuche mit deinem Campervan oder Zelt.
2. Früh ankommen
Gerade in der Hauptsaison sind beliebte Flächen schnell belegt. Wer rechtzeitig vor Ort ist, hat mehr Auswahl für einen schönen Platz.
3. Minimalistisch packen
Ein leichtes Zelt, eine Plane oder eine Hängematte sind ideal. Große Campingausrüstung ist oft unpraktisch, wenn man zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist.
4. Rücksicht nehmen
Sei leise, hinterlasse keinen Müll und respektiere Wildtiere sowie Anwohner. Freundlichkeit gegenüber Einheimischen sorgt oft für zusätzliches Gastrecht.
5. Wetter im Blick behalten
Polen kann je nach Region und Jahreszeit wechselhaft sein. Regenfeste Kleidung und ein guter Schlafsack sind Pflicht.
Beste Reisezeit für Wildcampen in Polen
Die beste Zeit zum Wildcampen ist zwischen Mai und September. In diesen Monaten ist das Wetter am stabilsten und die Nächte sind angenehm mild.
Der Frühling und Frühsommer bieten grüne Wälder und blühende Wiesen, während der Herbst mit bunten Farben und ruhigen Plätzen punktet. Im Hochsommer können manche Regionen – vor allem an Seen und in Küstennähe – stark besucht sein. Wer es beim Campen ruhiger mag, sollte auf den Juni oder September ausweichen.
Im Winter ist Wildcampen zwar nicht verboten, erfordert aber deutlich mehr Vorbereitung. Temperaturen unter null Grad und kürzere Tage machen das Übernachten anspruchsvoller.
Wildcampen mit Camper oder Wohnmobil – geht das?
Die offizielle Erlaubnis für Wildcampen und frei stehen in Polen bezieht sich nur auf das Übernachten mit Zelt, Plane oder Hängematte. Wohnmobile, Campervans oder Wohnwagen sind in den genehmigten Waldgebieten nicht erlaubt.
Wer mit einem Fahrzeug unterwegs ist, muss auf reguläre Campingplätze oder private Stellplätze ausweichen. In Polen gibt es eine große Auswahl an einfachen Campingplätzen, oft zu günstigen Preisen. Manche Bauernhöfe bieten zudem private Stellplätze an, die per Absprache genutzt werden können.
An öffentlichen Parkplätzen gilt häufig das Schild „No overnight parking“ – Übernachten im Auto ist hier untersagt.
Wildcampen Polen: Darauf solltest du in Wald- und Naturschutzgebieten achten
Viele der genehmigten Flächen liegen in Waldgebieten und Landschaften, die reich an Wildtieren sind. Daher ist es wichtig, das Zelt so aufzubauen, dass Tiere nicht gestört werden. Offenes Essen sollte immer sicher verstaut werden, um keine ungewollten Besucher anzulocken.
In Naturschutzgebieten, die nicht für das Wildcampen freigegeben sind, gilt absolutes Übernachtungsverbot. Auch das Durchqueren dieser Gebiete mit Zeltgepäck ist nur auf ausgewiesenen Wegen erlaubt.
Fazit: Polen als Wildcamping-Ziel in Europa
Mit seiner neuen Regelung hat Polen einen besonderen Platz unter den europäischen Wildcamping-Destinationen eingenommen.
Die ausgewiesenen Flächen bieten Abenteuer und Naturerlebnis, ohne dabei Gesetze zu brechen. Wer sich an die Regeln hält, kann hier inmitten weiter Wälder, an stillen Seen oder in der Nähe der Küste übernachten – legal, naturnah und oft fernab vom Massentourismus.
Ob mit leichtem Zelt oder unter einer Plane: Die Mischung aus Freiheit, klaren Vorgaben und landschaftlicher Vielfalt macht Polen zu einem der spannendsten Ziele für alle, die Wildcampen lieben.



