Der Wind raschelt durch die Bäume, das Zelt steht auf einer kleinen Lichtung, das Lagerfeuer knistert leise. Über dir funkelt der Sternenhimmel – keine Straße, kein Lärm, keine Nachbarn. Nur du und die Natur. Genau das ist es, was Wildcampen für viele so reizvoll macht: Freiheit, Abenteuer, Stille.
Doch wo darfst du dein Zelt eigentlich einfach aufschlagen oder mit dem Camper frei stehen? In welchen Ländern Europas ist Wildcamping erlaubt – und wo musst du mit Verboten, Ärger oder sogar Bußgeldern rechnen?
In diesem Artikel findest du einen ehrlichen Überblick zur Rechtslage beim Wildcampen in Europa. Von Deutschland bis Norwegen, von Portugal bis ins Baltikum – wir zeigen dir, wo du legal übernachten darfst und welche Regeln du kennen solltest.
Was bedeutet „Wildcampen erlaubt“ – und was nicht?
Wildcampen heißt erst mal ganz simpel: draußen schlafen. Ob im Zelt, im Wohnmobil oder unter freiem Himmel – Hauptsache nicht auf einem offiziellen Campingplatz. Die Motivation dahinter ist oft dieselbe: Natur erleben, dem Trubel entfliehen und ein bisschen Abenteuerluft schnuppern.
Doch genau hier fangen die Unterschiede an. Denn „wildcampen“ ist nicht gleich „wildcampen“. Es macht einen Unterschied, ob du:
- mit dem Zelt irgendwo in der freien Natur übernachtest,
- im Campervan auf einem Parkplatz stehst oder
- dein Lager im Wald aufschlägst.
Manche Länder erlauben das freie Übernachten mit Zelt in der Natur, solange du bestimmte Regeln beachtest. Andere machen klare Ansagen: Camping nur auf offiziellen Plätzen. Und dann gibt es noch die Grauzonen – wo das Wildcampen zwar grundsätzlich verboten ist, aber stillschweigend geduldet wird.
Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen:
- Wildcampen (dauerhaftes Übernachten mit Zelt, Camper etc.)
- Biwakieren (einfaches Nachtlager ohne Zelt, meist für Wanderer)
- Frei stehen (mit Wohnmobil auf öffentlichen oder privaten Flächen ohne Infrastruktur)
Auch Schutzgebiete wie Nationalparks und Naturschutzgebiete haben fast überall Sonderregeln – hier gilt meist: kein Feuer, kein Zelt, kein Übernachten.
Kurz gesagt: „Erlaubt“ ist beim Wildcampen oft eine Frage von Region, Ort und Verhalten – nicht nur vom Gesetzestext.
Wo in Deutschland ist Wildcampen erlaubt?
Ziemlich schnell beantwortet: fast nirgends. In Deutschland ist Wildcampen in der freien Natur laut Bundesnaturschutzgesetz grundsätzlich verboten. Das betrifft sowohl das Zelten im Wald als auch das Übernachten auf Wiesen, Feldern oder an Seen.
Die genauen Regelungen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland – was das Ganze nicht einfacher macht. Generell aber gilt:
- Im Wald campieren? Nein – das ist in allen Bundesländern untersagt.
- Am See übernachten? Nur auf ausgewiesenen Stellplätzen oder mit Genehmigung.
- Einfach mal im Wohnmobil anhalten? Als Rast ist eine Übernachtung zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit erlaubt – aber ohne Ausklappen von Campingmöbeln oder Aufbau eines Lagers.
Einige Regionen wie Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern sind etwas entspannter – vor allem in wenig besiedelten Gegenden. Dort gibt es auch private Stellplätze oder Bauernhöfe, die einfache Übernachtungsplätze anbieten.
Wer auf Nummer sicher gehen will, kann über Plattformen wie 1NiteTent oder Hinterland.camp legale Spots auf Privatgrund finden – meist gegen kleines Geld und mit echter Natur drum herum.
Legale Optionen für Wildcamper in Deutschland:
- Übernachtung im Fahrzeug zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit (z. B. Autobahnrastplatz)
- Biwakieren auf Wanderwegen (in einzelnen Bundesländern toleriert)
- Private Stellplätze mit Genehmigung des Eigentümers
- Offizielle Naturcampingplätze in besonders ruhiger Lage
Besonders sensibel sind Gebiete wie der Schwarzwald, die Alpenregionen oder Küstenschutzbereiche – hier ist Wildcamping mitunter sogar strafbar und wird konsequent kontrolliert.
Wie ist die Lage in anderen Ländern Europas?
In Europa reicht die Spannweite von total entspannt bis absolut strikt. Während du in Skandinavien fast überall zelten darfst, ist in vielen südlichen Ländern Wildcampen ein echtes Risiko.
Hier eine kleine Übersicht der beliebtesten Reiseziele und ihrer Regelungen:
| Land | Wildcamping erlaubt? | Hinweis |
|---|---|---|
| Schweden | ✅ Ja (Jedermannsrecht) | Max. 2 Nächte, Abstand zu Häusern beachten |
| Norwegen | ✅ Ja (Zelt erlaubt) | Wohnmobil: oft geduldet, nicht überall legal |
| Finnland | ✅ Ja (Jedermannsrecht) | Kein Feuer, keine Gruppenlager |
| Estland | ✅ Ja, wenn nicht verboten | Vorsicht in Schutzgebieten |
| Deutschland | ❌ Nein, außer Notübernachtung | Private Genehmigung oder Campingplatz nötig |
| Frankreich | ❌ Meist verboten | Manche Regionen dulden Biwakieren |
| Spanien | ❌ Strenges Verbot | Hohe Strafen an Küsten, in Naturparks |
| Italien | ❌ Regional unterschiedlich | In Südtirol & Alpen oft streng verboten |
| Dänemark | ⚠️ Teilweise | 200 Wälder mit Wildcamp-Zonen, max. 1 Nacht |
| Portugal | ❌ Wildcamping untersagt | Wohnmobil-Toleranzzonen außerhalb Saison |
In Skandinavien und dem Baltikum ist Wildcamping fast schon Tradition. Das Jedermannsrecht erlaubt dort allen Menschen den Zugang zur freien Natur – solange sie respektvoll damit umgehen.
In Südeuropa dagegen ist das Wildcampen meist verboten – vor allem in touristischen Hotspots, an Stränden oder in Nationalparks. Die Bußgelder können happig ausfallen, teilweise bis zu 500 Euro pro Nacht.
Osteuropäische Länder wie Polen, Slowenien oder Kroatien sind oft etwas lockerer – aber auch hier gilt: vorher informieren, lokal fragen, keine Naturschutzgebiete betreten.
Welche Alternativen gibt es zum Wildcampen?
Nicht überall kannst du dein Lager in der freien Natur aufschlagen – das ist klar. Aber das bedeutet nicht, dass du auf Freiheit, Sternenhimmel und Natur verzichten musst. Es gibt viele Alternativen, die dir genau das bieten – nur eben legal.
Eine der besten Lösungen: Naturcampingplätze. Diese Plätze sind oft klein, familiär geführt und liegen mitten im Grünen – am See, am Waldrand oder in den Bergen. Du bekommst den direkten Draht zur Natur, aber ohne Stress mit Verboten oder Strafen.
Auch private Stellplätze werden immer beliebter. Viele Bauernhöfe oder Landbesitzer bieten einfache Übernachtungsplätze an – für Zelt, Wohnmobil oder Campervan. Über Plattformen wie Nomady, Hinterland.camp oder Landvergnügen findest du solche Spots ganz unkompliziert – mit oder ohne Komfort.
Wenn du mit dem Wohnmobil oder Camper unterwegs bist, kannst du zudem nach sogenannten ToleranzzonenAusschau halten: Parkplätze in der Natur oder am Ortsrand, auf denen eine Übernachtung geduldet wird – solange du kein Campingverhalten zeigst (also kein Grill, keine Stühle, kein ausgeklappter Tisch).
Viele dieser Alternativen bieten dir:
- mehr Sicherheit
- weniger Ärger mit Behörden
- die Chance, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen
- echten Respekt gegenüber Natur und Umwelt
Gute Alternativen zum Wildcampen
- Naturcampingplätze mit wenigen Stellplätzen
- Privatgrundstücke mit Genehmigung (z. B. über Apps oder lokale Anbieter)
- Wohnmobil-Stellplätze mit einfacher Infrastruktur
- Biwak-Plätze für Wanderer in den Bergen
- Wanderhütten mit Außenbereich zum Übernachten
Wenn dir Freiheit wichtig ist, dann kannst du sie auch außerhalb von klassischen Campingplätzen finden – ohne dabei gegen Gesetze zu verstoßen.
Fazit – Wildcampen ja, aber richtig
Wildcamping ist mehr als nur draußen schlafen. Es ist ein Lebensgefühl – irgendwo zwischen Freiheit, Abenteuer und Respekt für die Natur. Doch so verlockend die Vorstellung vom Lager unter Sternen auch ist: Nicht überall ist es erlaubt, und nicht überall ist es klug.
In vielen Ländern Europas findest du noch Orte, an denen du legal und friedlich draußen übernachten kannst – besonders im Norden und in weniger touristischen Gegenden. Dort kannst du in der freien Natur übernachten, ohne dass gleich ein Bußgeld droht.
Andernorts ist Vorsicht angesagt. Strenge Regelungen, Verbote in Naturschutzgebieten und hohe Strafen machen das Wildcampen oft zum Risiko. Und ganz ehrlich: Es macht einfach mehr Spaß, ohne schlechtes Gewissen einzuschlafen.
Unsere Empfehlung: Informiere dich immer vorher über die Regelungen im jeweiligen Land oder der Region. Nutze offizielle Stellplätze, private Anbieter oder Naturcampingplätze als Alternative – und hinterlasse jeden Ort so, wie du ihn vorgefunden hast: ruhig, sauber, unberührt.
Denn am Ende geht es beim Campen – wild oder nicht – um eines: die Verbindung zur Natur. Und die funktioniert am besten mit Respekt, Rücksicht und einem offenen Blick für das, was wirklich zählt.



