Welches Cannabissorte eignet sich für längere Wanderungen?

Das Knirschen von Stiefeln auf Schotter, das Panorama einer Bergkette am Horizont und das Gefühl, kilometerweit von der Zivilisation entfernt zu sein – Rucksackreisen sind eine Übung in Ausdauer und Achtsamkeit. Für eine wachsende Zahl von Wanderern gehört zur Naturerfahrung auch der moderate Konsum von Cannabis. Doch während die Pflanze bei manchen die Naturverbundenheit vertiefen kann, birgt sie bei falscher Anwendung erhebliche Risiken. Eine unpassende Sorte kann eine Tagestour in eine Tortur verwandeln, die von Paranoia und körperlicher Trägheit geprägt ist. Die Entscheidung, welches Produkt im Rucksack landet, ist daher von großer Bedeutung für die Sicherheit und den Genuss der Wanderung. Es bedarf einer genauen Abwägung von Sorte, Dosierung und Methode.

Bild von Austin Ban

Der Sativa-Faktor: Energie für den Aufstieg

Die Cannabiswelt teilt sich grundlegend in zwei Lager: Indica und Sativa. Für körperliche Aktivität, besonders für ausgedehnte Wanderungen, ist diese Unterscheidung der Dreh- und Angelpunkt. Indica-dominante Sorten sind bekannt für ihre schweren, körperbetonten Effekte, die oft zu Entspannung und Schläfrigkeit führen – ein Zustand, der als „Couch-Lock“ bekannt ist. Dies ist das exakte Gegenteil dessen, was man auf einer mehrtägigen Trekkingtour benötigt.

Hier kommen Sativa-Sorten ins Spiel. Sie werden typischerweise mit einem zerebralen, erhebenden und energetisierenden Hoch in Verbindung gebracht. Anwender berichten von gesteigerter Kreativität, Fokus und einem Gefühl leichter Euphorie, das die Monotonie langer Marschstrecken durchbrechen kann. Für Backpacker, die eine subtile Anhebung der Stimmung und eine Verschärfung der Sinne suchen, um die Landschaft intensiver wahrzunehmen, sind Sativas die logische Wahl. Wer das Erlebnis von Grund auf kontrollieren möchte, blickt oft auf den Samenmarkt. Sativa Samen von Bud Voyage, beispielsweise, die man als feminisierte Hanfsamen kaufen kann, genießen unter Kennern den Ruf, Pflanzen hervorzubringen, die eben jene klaren, energetisierenden Eigenschaften haben, die Wanderer suchen. Das Ziel ist ein klarer Kopf und Ausdauer, nicht Sedierung.

Mehr als nur die Sorte: Die Kunst der Dosierung

Selbst die beste Sativa-Sorte kann bei Überdosierung kontraproduktiv wirken. Auf einer Wanderung geht es nicht um einen intensiven Rausch, sondern um eine subtile Ergänzung des Erlebens. Das Stichwort lautet Mikrodosierung. Eine zu hohe Dosis kann die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigen, das Urteilsvermögen trüben und das Risiko von Angstzuständen erhöhen – allesamt gefährliche Zustände in unwegsamem Gelände. Ein erfahrener Konsument nähert sich der Idealdosis langsam an. Die Devise „Start low, go slow“ (Niedrig anfangen, langsam steigern) ist in der Natur von besonderer Wichtigkeit. Eine minimale Menge, die gerade eben wahrnehmbar ist, reicht oft aus, um die Wahrnehmung der Natur zu intensivieren, ohne die motorischen Fähigkeiten oder die Reaktionszeit zu beeinträchtigen.

Konsummethoden auf dem Prüfstand

Wie das Cannabis konsumiert wird, hat ebenfalls starke Auswirkungen. Das traditionelle Rauchen eines Joints ist auf Wanderwegen aus mehreren Gründen problematisch. Erstens besteht eine akute Brandgefahr, besonders in trockenen Regionen. Zweitens ist der Geruch intensiv und kann andere Wanderer stören.

Eine populäre Alternative ist das Verdampfen (Vaping). Tragbare Vaporizer erhitzen das Pflanzenmaterial oder Extrakte nur so weit, dass die Wirkstoffe freigesetzt werden, ohne dass eine Verbrennung stattfindet. Dies ist diskreter, erzeugt weniger Geruch und gilt als schonender für die Lungen – ein nicht zu unterschätzender Vorteil bei körperlicher Anstrengung in der Höhe. Der Nachteil ist die Abhängigkeit von einem geladenen Akku.

Esswaren (Edibles) sind die diskreteste Methode, bergen aber die größten Risiken. Ihre Wirkung tritt stark verzögert ein (oft erst nach 60 bis 120 Minuten) und hält viele Stunden an. Die Dosierung ist notorisch schwierig. Es ist leicht, zu viel zu konsumieren und sich Stunden später, mitten auf einer Etappe, von der Intensität der Wirkung überwältigt zu fühlen. Für aktive Wanderungen sind Edibles daher meist ungeeignet.

Vorbereitung und Verantwortung in der Natur

Der verantwortungsvolle Umgang ist das A und O. Dazu gehört, eine neue Sorte oder Dosis niemals erstmals auf dem Trail auszuprobieren. Tests in einer sicheren, bekannten Umgebung sind Pflicht. Außerdem trocknet Cannabis den Mund aus; eine ausreichende Wasserversorgung ist auf einer Wanderung ohnehin lebenswichtig, wird hier aber noch wichtiger.

Über die persönlichen Aspekte hinaus spielen rechtliche und ethische Überlegungen eine entscheidende Rolle. Der wichtigste Aspekt bleibt die Legalität. In vielen Ländern, Regionen und insbesondere in Nationalparks ist der Konsum von Cannabis strikt verboten, unabhängig von der Legalisierung im Herkunftsland. Sich vorab gründlich über die lokalen Gesetze am Zielort zu informieren, ist der allererste und wichtigste Schritt jeder Reiseplanung. Dies schließt nicht nur den Konsum, sondern auch den Besitz und den Transport ein. Ignoranz schützt hier nicht vor Strafe, die von Bußgeldern bis hin zu Freiheitsstrafen reichen kann.

Darüber hinaus ist der Respekt vor der Natur und anderen Menschen von größter Bedeutung. Das „Leave No Trace“-Prinzip (Keine Spuren hinterlassen) gilt uneingeschränkt und muss von jedem Wanderer verinnerlicht werden, der die Natur als Gast betritt. Dies bedeutet konkret, keinerlei Spuren des Konsums zu hinterlassen: keine Verpackungen, keine Reste von Joints und keine Asche. All dies muss wieder mitgenommen und ordnungsgemäß entsorgt werden. Ebenso wichtig ist die Rücksichtnahme auf Mitwanderer. Viele Menschen suchen in der Natur Ruhe und Erholung und möchten diese vielleicht rauchfrei genießen. Der Geruch von Cannabis kann für andere störend oder unerwünscht sein. Daher ist es geboten, abgelegene Orte für den Konsum zu wählen, fernab von Wegen oder Rastplätzen, und stets die Diskretion zu wahren.

Zusätzlich zu diesen Punkten sollte auch die potenzielle Beeinträchtigung der Urteilsfähigkeit und Reaktionsfähigkeit berücksichtigt werden. Auf anspruchsvollen Wanderungen, die Konzentration und körperliche Koordination erfordern – beispielsweise beim Klettern, Überqueren von Geröllfeldern oder Navigieren in unwegsamem Gelände – kann der Cannabiskonsum das Unfallrisiko erheblich erhöhen. Eine klare und unbeeinträchtigte Wahrnehmung der Umgebung ist essenziell für die Sicherheit. Im Notfall kann eine beeinträchtigte Urteilsfähigkeit die Fähigkeit beeinträchtigen, schnell und angemessen zu reagieren oder Hilfe zu rufen.

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