Wer mit dem Rucksack oder dem Auto durchs bayerische Alpenvorland zieht, denkt selten an Golf. Wanderwege, Seen und Almhütten stehen auf dem Programm Schläger und Abschlagzeiten eher nicht. Dabei liegt zwischen den Osterseen und dem Alpenpanorama ein Ort, der genau diese Erwartung durchbricht: der St. Eurach Land- und Golfclub, ein Club mit einem Umweltzertifikat in Gold und einer Geschichte, die bis in die 1970er-Jahre zurückreicht. Ein ungewöhnlicher Zwischenstopp aber einer, der sich lohnt. Und vielleicht liegt der Reiz genau in diesem Kontrast: Was auf den ersten Blick nicht zusammenpasst, entpuppt sich vor Ort als überraschend stimmige Kombination.
Ein Zwischenstopp abseits der üblichen Route
Die klassische Route durch Oberbayern führt von München über die A95 Richtung Garmisch-Partenkirchen vorbei am Starnberger See und an den Osterseen. Gerade die Osterseen gelten bei Naturfreunden als Geheimtipp: Die eiszeitlich geformte Seengruppe liegt in einem Naturschutzgebiet und bietet Wanderwege, Badestellen und Ruhe abseits der großen Touristenströme. Rund eine Autostunde südlich der Landeshauptstadt liegt die Gemeinde Iffeldorf hier beginnt das eigentliche Voralpenland, mit sanften Hügeln, Wiesen und dem ersten unverstellten Blick auf die Bergkette im Süden.
Mitten in dieser Landschaft liegt ein erstklassiger Golfclub in Iffeldorf, der bereits seit 1973 besteht. Von der Anlage aus eröffnet sich ein Panorama, das von der Benediktenwand über das Karwendelgebirge bis zum Wettersteingebirge mit der Zugspitze und den Allgäuer Alpen reicht ein Ausblick, für den Sie sonst meist erst einen Gipfel erklimmen müssten.
Für Reisende bedeutet das: Statt auf dem Weg in die Berge nur durchzufahren, lässt sich hier eine sportliche Pause einlegen. Gerade nach stundenlangem Sitzen im Auto oder Zug tut die Bewegung an der frischen Luft gut. Der Club ist ausdrücklich offen für Gäste aller Spielstärken, sodass auch ein spontaner Zwischenstopp ohne eigene Mitgliedschaft möglich ist – und die Osterseen liegen gleich um die Ecke, falls es am selben Tag noch ans Wasser gehen soll.
Golf mit Umweltzertifikat
Wer nachhaltig reist, achtet zunehmend auch bei Ausflügen und Aktivitäten auf ökologische Standards. Golfplätze haben dabei nicht immer den besten Ruf: Flächenverbrauch, Wassernutzung und intensive Pflege sind die üblichen Vorwürfe. Umso bemerkenswerter ist, was der Club in Iffeldorf vorweisen kann: Der 18-Loch-Meisterschaftsplatz ist im Umweltprogramm „Golf & Natur“ des Deutschen Golfverbands mit der Gold-Auszeichnung zertifiziert der höchsten Stufe dieses Programms, das als zentraler Maßstab für umweltverträglichen Golfsport in Deutschland gilt.
Dahinter stehen messbare Kriterien statt Selbstlob: Geprüfte Anlagen müssen unter anderem Lebensräume für Pflanzen und Tiere sichern, verantwortungsvoll mit Wasser umgehen und ihre Pflegekonzepte an Umweltzielen ausrichten. In St. Eurach zeigt sich das etwa im alten Baumbestand und in naturnahen Bereichen zwischen den Spielbahnen, die den Platz wie einen selbstverständlichen Teil der Voralpenlandschaft wirken lassen. Für Gäste bedeutet das ganz praktisch: Vogelgezwitscher statt Verkehrslärm und Spielbahnen, die sich in Wiesen und Gehölze einfügen, statt sie zu überdecken.
Für Reisende mit Umweltbewusstsein ist das ein starkes Argument: Hier lässt sich eine sportliche Auszeit mit einem Naturerlebnis verbinden, dessen Umweltstandards regelmäßig geprüft werden. Wer bislang dachte, Golf und Naturschutz schlössen sich grundsätzlich aus, findet im Voralpenland einen belegbaren Gegenbeweis. Und wer nach dem Sport noch Zeit hat, findet mit den Osterseen ein beliebtes Naturbadegebiet in unmittelbarer Nähe.
Ein Platz mit Turniergeschichte
Auch sportlich hat der Zwischenstopp Substanz. Seit der Gründung im Jahr 1973 hat sich St. Eurach zu einer Anlage entwickelt, die internationale Turnieranforderungen erfüllt. Bereits 1977, nur vier Jahre nach der Gründung, war der Platz Austragungsort der Braun International Trophy. Mitte der 1990er-Jahre folgten mit den BMW International Open gleich drei internationale Profi-Turniere in Folge, von 1994 bis 1996 – ein Kapitel deutscher Golfgeschichte, das auf diesen Fairways geschrieben wurde. Ein Blick in die Clubchronik liest sich damit wie ein Stück Zeitgeschichte des Sports in Deutschland.
Damit zählt der Club zu den Golfplätzen in Deutschland, die mehrfach internationale Profi-Turniere erlebt haben. Wer heute eine Runde spielt, bewegt sich auf denselben Bahnen wie einst die Turnierprofis für ambitionierte Spielerinnen und Spieler ein besonderer Reiz und zugleich ein Qualitätsmerkmal, denn Meisterschaftsplätze müssen in Pflege, Platzgestaltung und Infrastruktur höchsten Ansprüchen genügen. Passend zur Kulisse tragen die Bahnen Namen der umliegenden Berge Loch 16 etwa heißt „Zugspitze“.
Trotz dieser Historie ist der Platz kein Terrain nur für Könner. Die 18 Bahnen sind abwechslungsreich angelegt und stellen je nach Abschlagposition unterschiedliche Anforderungen, sodass auch Einsteiger und Gelegenheitsspieler ihre Freude haben. Der Club beschreibt sein Konzept selbst als offen für alle Spielstärken und die ganze Familie und genau diese Offenheit macht ihn für Reisende interessant, die Golf bislang nur aus dem Fernsehen kennen.
Golf ausprobieren ohne Vorerfahrung
Die größte Hürde für einen spontanen Golf-Zwischenstopp ist meist die fehlende Erfahrung schließlich gehört der Sport kaum zur Standardausrüstung auf einer Backpacking-Tour. Auch dafür gibt es in Iffeldorf eine Antwort: Die PROject GOLFacademy, die Golfschule des Clubs, bietet Einzel- und Gruppenkurse für alle Spielstärken an. Das Spektrum reicht vom ersten Kontakt mit Schläger und Ball bis zum gezielten Training für Fortgeschrittene. Wer noch nie gespielt hat, kann sich die Grundlagen in kompakter Form zeigen lassen, ohne eigene Ausrüstung oder Mitgliedschaft mitbringen zu müssen.
Gäste sind auf der Anlage ohnehin ausdrücklich willkommen. Startzeiten lassen sich online buchen, sodass sich ein Besuch unkompliziert in die Reiseroute einfügen lässt ohne langen Vorlauf und ohne die Verbindlichkeit eines Clubbeitritts. Für Backpacker und Roadtripper heißt das: ein sportlicher Tagesausflug, der sich flexibel gestalten lässt, ob als kurzer Schnupperkurs am Vormittag oder als komplette Runde auf dem Meisterschaftsplatz am Nachmittag. Auch Familien mit Kindern finden Angebote, sodass der Ausflug nicht aufgeteilt werden muss.
Gerade für Einsteiger ist das Setting ein Bonus: Statt auf einer anonymen Driving Range die ersten Bälle zu schlagen, geschieht der Einstieg hier inmitten einer gepflegten Naturanlage mit Alpenblick ein Erlebnis, das auch dann zählt, wenn der Ball mal nicht geradeaus fliegt. Für Reisende, die sonst vor allem mit Wanderschuhen und Zelt unterwegs sind, ist das ein ungewohnter, aber erfrischender Tapetenwechsel.
Anreise und Zwischenstopp planen
Die Anreise ist denkbar unkompliziert: Von München führt die A95 direkt Richtung Garmisch-Partenkirchen; über die Ausfahrt Penzberg/Iffeldorf ist der Club in wenigen Minuten erreicht. Die Adresse lautet Eurach 8, 82393 Iffeldorf. Wenn Sie das Alpenvorland ohne Auto erkunden, kommen Sie mit der Bahn bis Penzberg und von dort weiter Richtung Osterseen und Iffeldorf. Damit eignet sich der Ort gleichermaßen als Etappenpunkt auf dem Weg in die Alpen wie als Tagesausflug ab München. Wer mehr Zeit mitbringt, verbindet den Besuch mit einer Wanderung entlang der Osterseen oder einem Badestopp an einem der Ufer.
Nach der Runde oder dem Schnupperkurs lohnt ein Stopp im Clubhaus: Das Restaurant SEN TAI serviert asiatische Küche, und die großzügige Terrasse bietet freien Blick über die Anlage ein guter Ort, um den Tag ausklingen zu lassen und die nächste Etappe zu planen. Auch für Begleitpersonen, die selbst nicht spielen, ist damit gesorgt.
Wenn Sie bei Ihrer nächsten Reise durchs bayerische Alpenvorland unterwegs sind, setzen Sie Golf vielleicht doch einmal auf Ihre Liste. Zwischen Osterseen und Zugspitzblick zeigt St. Eurach, dass ein Zwischenstopp auf dem Fairway mehr sein kann als eine Kuriosität: eine sportliche Auszeit mit Landschaft, Turniergeschichte und geprüften Naturstandards ganz ohne Umweg von der Route in die Berge.







