Edinburghs unterirdische Stadt: Mary King’s Close, Vaults und geheime Gänge

Die Royal Mile ist voll mit Dudelsackklängen, Souvenirshops und Pubs. Du läufst zwischen alten Steinhäusern durch die Altstadt von Edinburgh und denkst vielleicht, du hast die Stadt schon ganz gut im Blick. Doch direkt unter deinen Füßen beginnt eine völlig andere Welt: ein Netz aus Gassen, Kammern und Gängen, das viele nur als „Edinburghs unterirdische Stadt“ kennen.

Gemeint ist damit kein Fantasy-Labyrinth, sondern sehr reale Orte unter der High Street und der South Bridge, in denen früher Menschen gelebt, gearbeitet und gelitten haben. Wer diese Unterwelt besucht, versteht Edinburgh noch einmal ganz anders.

Was ist mit „Edinburghs unterirdischer Stadt“ gemeint?

Wenn von Edinburghs unterirdischer Stadt die Rede ist, geht es vor allem um zwei Bereiche in der Altstadt: Mary King’s Close direkt unter der Royal Mile und die South Bridge Vaults in den Bögen der Brücke. Beide liegen mitten im historischen Zentrum der Hauptstadt Schottlands und sind heute nur noch über geführte Touren zugänglich.

Mary King’s Close ist eine ehemalige Straße, die im Laufe der Zeit überbaut wurde und nun unter der High Street liegt. Die South Bridge Vaults sind Gewölbekammern im Untergrund der Brücke, die einst als Lager und Arbeitsräume geplant waren. Zusammen ergeben sie das Bild einer Unterwelt, die unter der Erde weiterlebt, während oben das moderne Edinburgh tobt.

Wichtig ist: Es handelt sich nicht um eine perfekte Parallelwelt, sondern um verschiedene Orte im Untergrund, die durch Geschichte, Armut, Mythen und Geistergeschichten verbunden sind.

Wie ist Edinburghs Untergrund überhaupt entstanden?

Die Altstadt von Edinburgh war über Jahrhunderte extrem dicht bebaut. Hohe Häuser, enge Gassen, kaum Platz. Um Raum zu schaffen, wurde nicht nur in die Höhe, sondern auch in die Tiefe gebaut. So entwickelte sich Schritt für Schritt ein Untergrund, der mehr war als Keller und Abstellräume.

Ein Beispiel ist Mary King’s Close. Die enge Gasse mit Wohnraum, kleinen Werkstätten und Geschäften wurde im 17. Jahrhundert genutzt wie jede andere Straße. Später entstand darüber ein repräsentatives Gebäude, wodurch Teile der alten Gasse verschlossen und überdacht wurden. Unten blieb ein Stück Vergangenheit wie eingefroren zurück.

Die South Bridge ist ein anderes Beispiel. Die Brücke besteht aus mehreren Bögen, deren Zwischenräume als Vaults angelegt wurden. Eigentlich sollten dort Lagerflächen und Kammern für Händler entstehen. Doch Feuchtigkeit, Kälte und schlechte Belüftung machten den Bereich unattraktiv.

Mit der Zeit zogen die Händler aus. Die freien Kammern wurden von armen Menschen und Randgruppen genutzt, die in der Unterwelt eine Art Heimat fanden – unter Bedingungen, die kaum jemanden interessieren sollten. So entstand ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte mit Schmuggel, Kriminalität und Verzweiflung.

Was erlebst du in Mary King’s Close heute?

Heute führt dich eine Führung in Mary King’s Close direkt in diese vergangene Welt. Du gehst unter der High Street hinab, vorbei an alten Mauern, steilen Treppen und niedrigen Decken. Die Räume sind eng, die Luft fühlt sich schwerer an als oben auf der Royal Mile.

Mary King’s Close ist keine nachgebaute Kulisse, sondern ein echter historischer Ort. Du siehst enge Wohnräume, die früher von Familien geteilt wurden, und kleine Kammern, in denen Menschen versucht haben, Geld zu verdienen. Kostümierte Guides erzählen dir Geschichten über frühere Bewohner, über Krankheiten, die sich durch die Gassen zogen, und über das Leben im Schatten der großen Stadt.

Typische Highlights einer Führung in Mary King’s Close sind zum Beispiel:

  • Ein Blick in alte Wohnräume mit schiefen Wänden und niedrigen Türen
  • Erzählungen über Händler, Kinder und Arbeiter, die hier lebten
  • Details zu Hygiene, Pest und Alltag in der Altstadt
  • Mythen und Geistergeschichten, die sich um bestimmte Räume ranken

 

Du läufst durch diese Gänge und merkst schnell: Das hier ist kein normales Museum, sondern ein sehr direkter Kontakt mit der Vergangenheit.

Wie unterscheiden sich die South Bridge Vaults von Mary King’s Close?

Die South Bridge Vaults fühlen sich anders an als Mary King’s Close. Statt einer unterirdischen Straße betrittst du ein Labyrinth aus Kammern, Gängen und Gewölben, die in die Bögen der Brücke eingebaut sind.

Ursprünglich sollten diese Vaults als Arbeits- und Lagerflächen für Geschäfte auf der South Bridge dienen. In der Praxis waren die Räume aber feucht, dunkel und schlecht belüftet. Händler zogen weg, und die Kammern wurden nach und nach von Menschen genutzt, die sich keinen besseren Wohnraum leisten konnten. Dazu kamen illegale Destillerien, Glücksspiel, Prostitution und allerlei Geschäfte, die man lieber im Verborgenen abwickelte.

Heute sind Teile der Vaults wieder zugänglich. Verschiedene Anbieter bieten Touren an, einige mit Fokus auf Geschichte, andere als Geistertouren. Der Unterschied zu Mary King’s Close lässt sich grob so zusammenfassen:

  • Mary King’s Close: unterirdische Gasse mit starkem Fokus auf historische Fakten und Alltag
  • South Bridge Vaults: Gewölbe und Kammern mit einem deutlich düstereren Ruf, oft stärker auf Mythen und Gänsehaut ausgelegt

 

Beide Orte zeigen aber verschiedene Seiten derselben Stadt.

Mythen, Geistergeschichten und TV-Formate

Dass Edinburghs Unterwelt weltweit bekannt wurde, liegt nicht nur an der Geschichte, sondern auch an zahllosen Geistergeschichten. Besonders die Vaults unter der South Bridge gelten in vielen Berichten als einer der „spukigsten“ Orte Europas.

Guides erzählen von Schattenfiguren, plötzlichen Kältefeldern, Kratzspuren auf der Haut und unerklärlichen Geräuschen. Manche sprechen von einer bestimmten Präsenz, die bestimmte Kammern dominiert. Ob man daran glaubt oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen, doch die Geschichten prägen das Bild der Unterwelt.

Dazu kommen TV-Produktionen wie „Ghost Adventures“, die in den Vaults gedreht haben und die Orte in den USA und anderen Teilen der Welt bekannt machten. Viele Reisende kennen die unterirdische Stadt tatsächlich zuerst aus solchen Formaten, bevor sie selbst vor Ort stehen.

Worauf sich viele dieser Geschichten stützen:

  • Die extrem harten Lebensbedingungen früherer Bewohner
  • Die beklemmende Atmosphäre der engen Kammern unter der Stadt
  • Persönliche Berichte von Besucherinnen und Besuchern, die etwas erlebt haben wollen

 

Ob echte Geister oder nicht – der Mix aus Vergangenheit, Dunkelheit und Erzähltradition macht den Reiz aus.

Wie planst du deinen Besuch in Edinburghs Unterwelt?

Wenn du die Unterwelt von Edinburgh erleben möchtest, solltest du ein bisschen planen. Die Touren sind beliebt, Plätze sind gerade in der Hauptsaison schnell weg.

Für die meisten Führungen kannst du etwa 60 Minuten einplanen. Mary King’s Close und die Vaults werden überwiegend auf Englisch angeboten, teilweise mit Audioguides in anderen Sprachen. Die Treffpunkte liegen zentral in der Altstadt, meist direkt an der Royal Mile oder in unmittelbarer Nähe zur Brücke.

So baust du deinen Besuch entspannt in deinen Trip ein:

  1. Entscheide, ob du eher eine historische Tour oder eine Geistertour möchtest.
  2. Schau dir die Zeiten online an und buche Tickets im Voraus, damit dein Geld nicht in spontanen Fehlbuchungen verschwindet.
  3. Plane genug Zeit für den Weg durch die Altstadt ein. Viele Touren starten auf die Minute.
  4. Zieh dich warm an und wähle feste Schuhe, die auf feuchten Steinen gut halten.
  5. Überlege, ob die Tour für dich geeignet ist, wenn du stark klaustrophobisch bist oder mit sehr düsteren Geschichten Probleme hast.

 

Gerade im Rahmen eines kurzen Aufenthalts in Edinburgh lohnt es sich, mindestens eine dieser Touren einzuplanen. Du bekommst einen Einblick in eine Seite der Stadt, die du an der Oberfläche nicht siehst.

Was die Unterwelt über Edinburgh erzählt

Edinburghs unterirdische Stadt ist mehr als eine Attraktion für Geisterfans. Sie zeigt, wie eng Geschichte, Armut, Stadtplanung und Mythos miteinander verknüpft sind. Ob du vor Edinburgh Castle stehst, durch die Royal Mile mit ihren Gassen läufst oder an der South Bridge vorbeikommst – unter all diesen Orten liegen Schichten Stadt, in denen früher echte Menschen gewohnt haben.

Ob in Mary King’s Close oder in den South Bridge Vaults: Du bekommst einen Eindruck davon, wie schwer das Leben in der Altstadt sein konnte. Oben repräsentative Gebäude, unten improvisierter Wohnraum und Menschen, die zu einem unsichtbaren Teil der Stadtgeschichte wurden. Viele von ihnen sind heute nur noch Namen in Erzählungen, manchmal fast wie anonyme Opfer der Umstände.

Wenn du diese Unterwelt gesehen hast, wirkt Edinburgh anders. Die Altstadt ist dann nicht nur eine Kulisse aus hübschen Häusern, sondern ein Ort mit sichtbarer Oberfläche und unsichtbaren Ebenen darunter. Genau dieses Zusammenspiel macht die Stadt so spannend – und einen Besuch im Untergrund zu einem der eindrucksvollsten Erlebnisse, die Edinburgh zu bieten hat.

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