Wer beim Backpacking durch Deutschland eine Pause von den großen Städten einlegt oder einen Kurztrip ins Bergische Land plant, stößt früher oder später auf ein stählernes Wahrzeichen zwischen Solingen und Remscheid: die Müngstener Brücke. Sie verbindet Industriegeschichte mit Naturerlebnis und liefert die perfekte Kulisse für einen Tag zwischen Wandern, Aussicht und einer süßen Pause danach. Das Beste: Der Ausflug ist günstig, unkompliziert mit der Bahn erreichbar und lässt sich locker an einem Tag unterbringen ideal für alle, die unterwegs flexibel bleiben wollen.
Die Müngstener Brücke Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke
Auf den ersten Blick wirkt sie wie ein Relikt aus einer anderen Zeit und genau das macht ihren Reiz aus. Die Müngstener Brücke überspannt das Tal der Wupper in 107 Metern Höhe und ist damit die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands. Die stählerne Bogenbrücke verbindet die Städte Solingen und Remscheid und ist Teil der Bahnstrecke Solingen–Remscheid. Wer mit dem Zug darüberfährt, schwebt buchstäblich über dem Fluss und den Wipfeln des Bergischen Landes.
Genutzt wird die Strecke im Regelbetrieb von der S-Bahn-Linie S7, die nicht ohne Grund den Spitznamen „Der Müngstener“ trägt, sowie vom Regional-Express RE47. In unmittelbarer Nähe der Brücke liegt der Haltepunkt Solingen-Schaberg von dort erreichst du das Bauwerk und den angrenzenden Park bequem zu Fuß. Schon beim ersten Blick von unten wird klar, warum die Brücke als Wahrzeichen der Region gilt: Das filigran wirkende Stahlgerüst ragt mächtig über das Tal, und wenn ein Zug darüberfährt, entsteht ein Fotomotiv, das du so schnell nicht vergisst.
Kein Wunder also, dass die Brücke seit mehr als einem Jahrhundert gemalt, fotografiert und als Postkartenmotiv verschickt wird und dass die Deutsche Bahn das Bauwerk bis heute auf ihren NRW-Seiten porträtiert. Dabei musst du kein Technik-Nerd sein, um beeindruckt zu sein: Die Mischung aus Ingenieurskunst, Landschaft und dem Gefühl, hoch über dem Tal zu stehen, funktioniert für fast alle.
Geschichte und Bedeutung für die Region
Die Geschichte der Brücke beginnt gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Solingen und Remscheid gehörten mit ihrer Schneidwaren- und Werkzeugproduktion damals zu den aufstrebenden Industriestädten des Kaiserreichs. Beide Städte waren zwar an das Eisenbahnnetz angeschlossen allerdings an unterschiedliche Linien und ohne direkte Verbindung zueinander. Luftlinie liegen nur acht Kilometer zwischen den beiden Städten, doch der kürzeste Schienenweg war deutlich länger und führte über einen Umweg. Für den Warentransport und die Menschen in der Region war das ein echtes Problem.
Die Lösung war eine Talbrücke über die Wupper, die beide Städte endlich direkt miteinander verband. Mit der Eröffnung entstand jene Bahnverbindung, die bis heute im Regelbetrieb genutzt wird. Ursprünglich trug das Bauwerk übrigens den Namen Kaiser-Wilhelm-Brücke eine Erinnerung an die Zeit, in der es entstanden ist. Die Initiative Welterbe Müngstener Brücke dokumentiert diese Geschichte ausführlich und setzt sich dafür ein, das Bauwerk offiziell als Welterbe anerkennen zu lassen.
Heute ist die Brücke weit mehr als ein Verkehrsweg. Sie gilt als Ikone des Industriezeitalters und als Wahrzeichen des Bergischen Landes und genau diese Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart macht einen Besuch so lohnenswert. Dass sie nach so langer Zeit noch immer täglich von Zügen befahren wird, zeigt zudem, wie weitsichtig die Ingenieure von damals gearbeitet haben.
Der Brückenpark Müngsten und ein süßer Zwischenstopp in Solingen
Zu Füßen der Brücke liegt der Brückenpark Müngsten, ein Landschaftspark inmitten tiefer Wälder und geschützter Natur. Weite Rasenauen mit schattenspendenden Baumgruppen laden zum Picknicken und Ausruhen ein, und Wanderwege führen entlang der Wupper zu Aussichtspunkten, von denen du die Brücke aus unterschiedlichen Perspektiven erlebst. Von offenen Wiesenflächen bis zu schmalen Pfaden wechselt die Landschaft ständig, und je nach Jahreszeit zeigt sich das Tal in einem ganz anderen Licht. Ein beliebter, etwa fünf Kilometer langer Spaziergang startet auf der Krahenhöhe und folgt ein Stück dem Klingenpfad mit immer wieder schönen Blicken auf das Bauwerk und das Flusstal.
Wenn du es sportlicher magst, kannst du dich auf dem Brückensteig verausgaben: einem Klettersteig, der dich gesichert in beeindruckender Höhe entlang der Brückenkonstruktion führt und als einzigartig in Europa gilt.
Nach so einer Tour schmeckt eine Abkühlung doppelt gut. Für den Abschluss des Tages lohnt ein kleiner Abstecher in die Stadt: In einer charmanten Eisdiele in Solingen bekommst du handgemachtes Eis in klassischen und ausgefallenen Sorten von cremig bis fruchtig ist für jeden Geschmack etwas dabei. Gerade nach ein paar Stunden draußen im Tal ist so ein Eisstopp keine Pflicht, sondern die süße Krönung des Ausflugs. Und weil Solingen bei einer Anreise mit der Bahn ohnehin auf deinem Rückweg liegt, musst du dafür keine großen Umwege in Kauf nehmen. So lassen sich Wandern und Städtetrips kombinieren, ohne den Tag zu überladen.
Übrigens hat das Bergische Land rund um die Brücke noch mehr zu bieten. Wer länger wandern möchte, findet entlang der Wupper weitere Abschnitte mit ruhigen Uferwegen und Aussichtspunkten der Brückenpark ist damit sowohl Ziel als auch Startpunkt für längere Touren.
Praktische Tipps für den Ausflug
Die Anreise ist denkbar einfach: Über die Bahnstrecke SolingenRemscheid erreichst du die Brücke mit der S7 oder dem RE47. Steig am besten am Haltepunkt Solingen-Schaberg aus von dort ist es nur ein kurzer Weg zum Brückenpark und zu den Aussichtspunkten. Wer mit dem Auto unterwegs ist, findet Parkmöglichkeiten in der Umgebung; gerade für Backpacker und Kurztrip-Reisende ist die Bahn aber die stressfreiste Option, weil du flexibel bleibst und keinen Rückweg zum Auto einplanen musst.
Die beste Zeit für den Ausflug ist die laue Jahreshälfte: Von Frühjahr bis Herbst sind die Wanderwege gut begehbar, die Rasenauen laden zum Verweilen ein, und auch die Eispause danach ergibt bei milden Temperaturen am meisten Sinn. An klaren Tagen lohnt sich der Besuch besonders, weil die Aussichten vom Tal und von den Aussichtspunkten dann am weitesten reichen. Festes Schuhwerk ist auf den befestigten Wegen keine Pflicht, auf den Naturpfaden aber von Vorteil und eine Decke für die Wiese schadet nie.
Wenn du mehr Zeit mitbringst, lässt sich der Trip leicht erweitern: Schloss Burg an der Wupper, eine der bekanntesten Burganlagen der Region, liegt ebenfalls in Solingen und wird häufig mit dem Brückenpark kombiniert. Ein einziger Tag reicht für Brücke, Park und süßen Abschluss in jedem Fall aus eine Übernachtung ist optional. Und wer generell auf der Suche nach weiteren Ausflugszielen in Deutschland ist, findet in der Deutschland-Rubrik von Backpacker Trail jede Menge Inspiration für den nächsten Kurztrip.
Die Müngstener Brücke ist einer dieser Orte, die zeigen, dass du für ein kleines Abenteuer nicht erst ans andere Ende der Welt fliegen musst. Industriegeschichte, weite Aussichten, ruhige Wanderwege und eine süße Pause zwischendurch der Kurztrip ins Bergische Land deckt erstaunlich viel ab. Und wenn du einmal dort bist, lohnt der Blick auf die Karte: Die Region steckt voller Ziele, die sich perfekt für weitere Wochenendausflüge eignen. Pack also den Rucksack, sichere dir ein Bahnticket und schau dir an, was zwischen Solingen und Remscheid auf dich wartet.





