Der Königssee – Juwel im äußersten Südosten Deutschlands

Wenn du an wunderschöne Seen denkst, deren Besuch du dir wegen der sie umgebenden traumhaften Landschaften nicht entgehen lassen solltest, dann fällt dir mit Sicherheit als Erstes einer der großen Seen Kanadas, Schottlands oder vielleicht auch Österreichs ein. Du brauchst gar nicht so weit zu reisen, um eine tolle Zeit am Ufer eines stehenden Gewässers verbringen zu können. Im Südosten Deutschlands, direkt an der Grenze zu Österreich, liegt der Königssee. Dieser Artikel wird dir die schönsten Wanderziele rund um dieses Highlight der deutschen Natur vorstellen. 


Wissenswertes über den Königssee

Bevor wir dir die landschaftlichen Höhepunkte rund um den Königssee in ihrer ganzen Pracht näherbringen, wollen wir dir erst noch ein wenig über den See erzählen. Der an manchen Stellen bis zu 190 Meter tiefe See (damit zweittiefster See Deutschlands) zählt zu den saubersten Seen Deutschlands. Er liegt eingebettet zwischen den Bergmassiven des Watzmanns und des Hagengebirges. Umso bemerkenswerter ist seine Sauberkeit angesichts der Tatsache, dass der Königssee bereits seit dem Jahr 1909 von der Schifffahrt erschlossen ist. Heutzutage fahren insgesamt 18 Elektromotorboote regelmäßig auf dem See hin und her. Sie sind längst ein wichtiger Bestandteil für die auf Tourismus angewiesene Region.

Die Beliebtheit des Sees – der auch Teil des Nationalparks Berchtesgaden ist – lässt sich auch an seiner Platzierung unter den Top 100 Sehenswürdigkeiten Deutschlands erkennen. Bei der im Jahr 2015 durchgeführten Wahl belegte der Königssee den 12. Platz. Wir glauben, auch eine höhere Platzierung wäre verdient gewesen.

Boot auf dem Königssee


Wandertouren rund um den Königssee

Jennerbahn-Mittelstation – Priesbergalm – Gotzenalm

5 Stunden Gehzeit, 980 Höhenmeter

Die Ausgangsstation für eine der größten Genusstouren rund um den Königssee ist die Mittelstation der auf den Jenner – Hausberg des Örtchens Schönau am Königsee – führenden Seilbahn. Du kannst entweder direkt mit der Gondel emporschweben, mit dem Bus oder dem Auto herauffahren. Alternativ kannst du  bei entsprechender Kondition auch aus dem Ort zu Fuß ansteigen.

Von der Mittelstation aus geht es erst einmal mäßig steil auf einer Fahrstraße mehr oder weniger parallel zum Hang bis zur Priesbergalm. Kurz bevor du diese erreichst, passierst du die Enzianbrennhütte. Der Name wird dir wahrscheinlich schon verraten, was der Zweck dieser Hütte ist: Hier wird der bekannte Enzianschnaps gebrannt, der in ganz Deutschland berühmt und berüchtigt ist.

Nachdem du die Priesbergalm hinter dir gelassen hast, ändert sich nicht nur die Charakteristik des Weges, sondern auch der Landschaft. Fast von jetzt auf gleich wanderst du nun auf einem schmalen Pfad durch dichten, an manchen Stellen beinahe dschungelähnlichen Bergwald. Für eine Weile solltest du mit erhöhter Konzentration zu Werke gehen, da dieser Wegabschnitt Trittsicherheit verlangt. Liegt dieses anspruchsvolle Stück hinter dir, stößt du recht bald auf einen anderen Wanderweg. Dieser steuert aus dem Tal kommend ebenfalls die Gotzenalm an.

Du folgst diesem Weg in Serpentinen den Berg hinauf, bis sich unvermittelt eine bewachsene Ebene öffnet, auf der besagte Alm steht. Diese zählt aufgrund der atemberaubenden Aussicht auf den Watzmann und die anderen umliegenden Gipfel zu den schönsten Hütten im Nationalpark. Bevor du dir hier eine wohlverdiente Mahlzeit genehmigst, solltest du dir ein besonderes Highlight jedoch nicht entgehen lassen. Etwa 30 Minuten von der Hütte entfernt liegt der Feuerpalfen – ein Aussichtspunkt mit grandiosem Tiefblick auf den Königssee.

Ausblick auf den Königssee


Salet – Obersee – Röthbachfall – Fischunkelalm

2,5 Stunden Gehzeit, 275 Höhenmeter

Ein besonderes Kleinod der Region Königssee erwartet dich, wenn du mit einem Boot über den Königssee bis zur Endstation Salet fährst. Von hier aus geht es auf einem recht schmalen Wanderweg bis zum Obersee. Einst mit dem Königssee verbunden und aufgrund einer Moräne nun von diesem getrennt, ist er aufgrund seines klaren Wassers und der verwunschenen Umgebung ein absolutes Must-Do. Da dies so ziemlich jedem Touristen bewusst ist, ist die Überfahrt mit dem ersten Boot morgens um 08:30 Uhr die beste Option, den Massen zu entfliehen.

Hast du den Obersee erreicht, so geht es über einen schönen und schmalen Pfad an dessen Ufer entlang. Dieser Pfad erfordert neben erhöhter Trittsicherheit auch unbedingt festes Schuhwerk. Einige der  Passagen sind sogar mit Drahtseilen gesichert. Über ausgetretene Steinstufen kommst du zu einem Abzweig, der dich nach ein wenig leichtem Auf und Ab zum Röthbachfall führt. Deutschlands höchster Wasserfall liegt eingebettet in eine saftig grüne Wiesenlandschaft und lädt somit geradezu zu einer kurzen Pause ein.

Anschließend kehrst du auf den Hauptweg zurück und folgst diesem, bis die Fischunkelalm am Ufer des Obersees in Sichtweite kommt. Ein rechts abzweigender Weg bringt dich direkt zur Alm, in der du nun eine zünftige Mahlzeit und ein kühles Getränk zu dir nehmen kannst. Anschließend folgt der Rückweg zum Bootsanleger.

Blick auf die Berge


St. Bartholomä – Saugasse – Kärlingerhaus

4,5 Stunden Gehzeit, 1250 Höhenmeter

Auch für diese Wanderung begibst du dich erst einmal an Bord eines Schiffes und schipperst quer über den See zur Wallfahrtskirche auf der Halbinsel St. Bartholomä. Ein besonderes Highlight dieser Schifffahrt ist der Moment, wenn einer der Mitarbeiter auf dem Boot mitten auf dem See auf seinem Horn eine Melodie spielt. Diese wird von den Bergen ringsum deutlich hörbar als Echo zurückgeworfen.

Bist du an der Kirche angekommen – die mit ihren umliegenden Wanderwegen einen eigenen Tagesausflug mehr als nur wert ist – folgst du der Beschilderung in Richtung Kärlingerhaus. Der Weg führt dich schon recht bald direkt in die Saugasse hinein. Trotz des wenig einladenden Namen ist dies einer der meistbegangenen Aufstiege des deutschen Wanderwegnetzes. In Serpentinen geht es den Berg hinauf, wobei sich immer wieder Rückblicke auf den weit unter dir glitzernden Königssee ergeben. Das Tagesziel ist das Kärlingerhaus am Funtensee, welcher Deutschlands kältester Ort ist. Wenn du zu den ganz Mutigen zählst und an einem heißen Tag unterwegs bist, kannst du ja vielleicht den Sprung ins kalte Wasser wagen. Aber auch die Einkehrstation selbst ist eine nähere Betrachtung wert.

Als Drehkreuz zum Steinernen Meer und eine der größten Hütten Deutschlands lockt das Kärlingerhaus täglich mehrere tausend Gäste an. Viele von ihnen nehmen die Gelegenheit wahr, um einmal auf einer Berghütte zu übernachten. Möchtest du dies auch tun, so solltest du frühzeitig einen Platz reservieren, da die Übernachtungen extrem schnell ausgebucht sind. Willst du den Aufstieg zum Kärlingerhaus etwas mehr für dich genießen, kannst du mit dem Boot auch an St. Bartholomä vorbeifahren und erst in Salet von Bord gehen. Von hier führt der deutlich steilere und anstrengendere, aber auch schönere und unbekanntere Sagerecksteig ebenfalls zum Funtensee hinauf.

Funtensee


Ramsau – Stubenalm – Watzmannhaus

4,5 Stunden Gehzeit, 1150 Höhenmeter

Der Watzmann überragt den Königssee mit seiner Höhe von 2713 Metern himmelhoch. Genauer gesagt ist es jedoch die mittlere von drei Spitzen des Berges, die diese Höhe erreicht und innerhalb Deutschlands in dieser Disziplin nur von der Zugspitze übertroffen wird. Um die drei Gipfel der vereinfacht Watzmann genannten Gruppe rankt sich eine Legende. Angeblich handelte es sich bei ihnen einmal um eine grausame Familie, die ihre Mitmenschen so lange terrorisierte, bis sie zur Strafe versteinert wurde.

 Willst du nun auf eine der drei Spitzen hinauf oder auch nur eine Tour mit tollen Blicken in ihrem unmittelbaren Schatten genießen, empfehlen wir dir den Anstieg zum Watzmannhaus. Der Ausgangspunkt dieser Tour ist das Örtchen Ramsau. An dessen Brücke kannst du eines der meistgeschossenen Fotos Deutschlands aufnehmen: die Brücke mitsamt nebenstehender Kirche samt Watzmann im Hintergrund.

Durch Wald und Wiesen steigst du recht sanft an, bis die Stubenalm am Wegesrand auftaucht. Hier kannst du bereits eine kurze Einkehr einlegen oder du lässt die Alm links liegen und wanderst direkt weiter. Der Weg wird spätestens ab der Materialseilbahn des Watzmannhauses immer alpiner und felsiger, die Wälder und Wiesen weichen Felsformationen und Gesteinsbrocken. Schließlich erreichst du das auf einem Plateau gelegene und nach Reparaturarbeiten seit 2019 wieder geöffnete Watzmannhaus.

Dieses ist Ausgangspunkt für nahezu sämtliche Aufstiege zu einer der drei Spitzen. Solltest du mit dem Gedanken spielen, einen solchen in Angriff zu nehmen, musst du allerdings im Watzmannhaus übernachten und dann am nächsten Tag den Gipfel erklimmen. Absteigen kannst du von der Hütte übrigens nicht nur zurück nach Ramsau, sondern über die Kührointalm entweder direkt nach Schönau oder sogar nach St. Bartholomä.

Kirche mit Bergblick


Fazit

Rund um den Königssee bieten sich dir verschiedene Wandertouren ganz verschiedenen Charakters. Du kannst eine pure Genusswanderung zur Gotzenalm unternehmen, einen mehr oder weniger besseren Spaziergang am Obersee machen oder etwas anspruchsvoller zu Kärlingerhaus und Watzmannhaus aufsteigen.

Doch egal wofür du dich am Ende entscheiden wirst, eines können wir dir versprechen: Der Königssee und die ihn umgebenden Landschaften werden dich genauso in ihren Bann ziehen wie uns. Worauf wartest du noch?


Valentin Klar

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