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Trampen – Per Anhalter um die Welt

Der Begriff Trampen ist dir mit Sicherheit schon einmal begegnet. Spätestens in Filmen, in denen das Reisen per Anhalter gerne als Motiv gilt, wie beispielsweise in Into the Wild (2007). Die Meinungen zum Trampen gehen weit auseinander: Die einen schwören darauf, da es sehr günstig oder oft sogar kostenlos ist, die anderen empfinden es als zu gefährlich, weiß man schließlich nie, bei wem man da eigentlich ins Auto steigt.

Viele glauben sogar, dass Trampen verboten sei. Spoiler: Das stimmt für die meisten Länder nicht. Wir möchten dir hier ein bisschen mehr zum Thema erzählen, wie Trampen funktioniert und was es zu beachten gilt, damit du sicher unterwegs bist.

Was ist Trampen und wo kommt es her?

Beim Trampen fährst du in der Regel in einem fremden Auto, sehr vereinzelt auch in einem Schiff oder Flugzeug, als Mitfahrer mit. Dies ist meist kostenlos oder in manchen Ländern mit einer kleinen Beteiligung an den Spritkosten verbunden.

Um zu signalisieren, dass du nach einer Mitfahrgelegenheit suchst, wartest du am Straßenrand mit einem hochgestreckten Daumen oder einem Schild, auf dem dein gewünschter Zielort oder eine Richtung geschrieben steht. Auch eine Option ist es, Fahrer direkt anzusprechen, zum Beispiel an einer Tankstelle oder Raststätte. Manche Länder bieten zudem extra ausgeschilderte Haltebuchten für Tramper, so zum Beispiel die Niederlande.

Sowohl der Begriff als auch das Prinzip sind in Deutschland schon seit den 1920er Jahren bekannt. Damals nutzte die bündische Jugend das Trampen als eine günstige Option zu ihren Fahrten anzureisen. Auch in der Musik oder Literatur wurde die Thematik behandelt.

In den 60er und 70er Jahren gewann das Reisen per Anhalter große Beliebtheit bei den jungen Menschen, der sogenannten Hippie-Generation. Nicht nur der kleine Preis, sondern besonders das Abenteuer des Prozesses reizte die Menschen damals.

Heute ist die Zahl der Tramper zurückgegangen. Dies liegt besonders an der besseren Vernetzung durch öffentliche Verkehrsmittel. Länder, in denen das Trampen aber nach wie vor sehr beliebt ist, sind zum Beispiel Irland oder Tschechien. Besonders in Irland gehört die Mitnahme von Trampern zur Tagesordnung, da das öffentliche Verkehrsnetz schlecht ausgebaut ist und viele kleine Dörfer daher sehr abgeschieden liegen.

Als Backpacker hast du hier sehr gute Chancen, schnell einen Lift zu ergattern. Besonders als Anfänger lohnt es sich daher, sich zunächst einmal in Irland auszuprobieren und eventuelle Hemmungen zu überwinden.

Trampen am Straßenrand

Vorteile

Trampen bietet, besonders als Backpacker, sehr viele Vorteile. Zunächst natürlich der Kostenpunkt: In den meisten Ländern ist das Mitfahren völlig kostenlos, nur in wenigen Orten der Welt erwarten deine Mitfahrgelegenheiten etwas Geld als Dankeschön. Wenn du also einen längeren Trip planst, sparst du viel Geld, wenn du anstelle eines Mietautos oder der Nutzung von Bahn und Bus lieber trampst.

Auch die Umwelt freut sich, wenn du auf ein eigenes Auto verzichtest und lieber bei jemandem zusteigst, der sowieso in deine Zielrichtung unterwegs ist. Zudem hast du den Vorteil, dass du viel flexibler bist. Keine Hektik, um pünktlich einen Zug zu erreichen. Du kannst dir in deinem ganz eigenen Tempo die Orte und Highlights ansehen, die du gerade besuchst und spontan entscheiden, wann du weiterreisen möchtest.

Auch wenn man fremde Länder bereist, bedeutet das nicht immer auch, dass man automatisch Einheimische und deren Kultur und Sitten kennenlernt. Beim Trampen ist das anders. Steigst du bei Bewohnern deines Reiselandes zu, kommt ihr definitiv ins Gespräch. Diejenigen, die Tramper mitnehmen, sind oft neugierig auf gute Gespräche mit Menschen aus aller Welt. Nutz diese Chance und lerne deinen Zielort auf ganz neue Weise kennen.

Ein gutes Gespräch macht nicht nur Spaß, sondern verspricht auch kleine Tipps und Anekdoten, die dir auf deiner Reise von Nutzen sein können. Der beste Kaffee? Die schönste Aussicht? Eine interessante Geschichte über die Historie der Stadt? Die Einheimischen wissen das am besten und teilen es sicher sehr gerne mit dir.

Je nachdem wie lange die Fahrt und wie gut die Harmonie ist, gewinnst du eventuell einen Kontakt für die Zukunft dazu. Vielleicht entsteht sogar eine neue Freundschaft? Sei offen, dann ist all dies möglich und deine Reise bekommt Highlights, von denen du vorher noch gar nichts wusstest.

Nachteile

Trampen bietet ganz viele Vorteile, beispielsweise preisliche, aber auch eine große Flexibilität und die Möglichkeit Kontakt zu Einheimischen zu knüpfen. Trotzdem solltest du auch die Kehrseite kennen, um gewissenhaft entscheiden zu können, ob diese Form des Reisens das Richtige ist. Wir möchten schließlich ehrlich sein und dich gut informieren.

Das Gute zuerst: Es gibt keine Studien, die belegen, dass Trampen eine gefährliche Art zu reisen ist. Im Gegenteil konnte eine solche Tendenz nicht ausgemacht werden. Das Risiko, von dem in den Medien häufig auf Grund bekannter Kriminalfälle gesprochen wird, ist viel geringer als die meisten annehmen. Trotzdem gilt es natürlich vorsichtig zu sein. Besonders als Frau sollte man vielleicht lieber nicht alleine unterwegs sein, generell minimiert eine weitere Person auf jeden Fall das Risiko von unangenehmen Momenten oder Gefahren.

Die größte Gefahr für Tramper sind tatsächlich Verkehrsunfälle, weil sie an stark befahrenen Straßen übersehen werden können. Wichtig ist also, dass du auf den Straßenverkehr Acht gibst, besonders an Schnellstraßen oder wenn es dunkel ist. Achte auch darauf, wie dein Fahrer fährt. Hält er schon mit einem riskanten Manöver an, damit du einsteigen kannst? Sieht das Auto unsicher oder nicht fahrtauglich aus? Dann lehne lieber dankend ab und warte noch einen Moment auf das nächste Auto.

Um deine Sicherheit weiter zu erhöhen kannst du dir die Kennzeichen der Autos, in denen du einsteigst, aufschreiben und Freunden per SMS schicken. Generell macht es Sinn, regelmäßig Freunden, Familienmitgliedern oder Bekannten einen kurzen Statusbericht zu geben. Sie werden sich freuen, dass es dir gut geht und falls etwas passiert schnell stutzig, da du dich nicht meldest.

Trotz der generellen Entwarnung gilt also trotzdem: Achte, bei wem du einsteigst und wenn du dich unwohl fühlst, dann bleib nicht aus Höflichkeit im Auto sitzen sondern bitte den Fahrer, dich bei nächster Gelegenheit rauszuwerfen. Trampen soll schließlich eine tolle Erfahrung sein, also hör auf dein Bauchgefühl

Backpacker auf einer Straße

7 Tipps fürs Trampen

Damit Trampen so richtig gut gelingt, haben wir hier 7 Tipps für dich vorbereitet, die dir definitiv weiterhelfen werden.

Tipp 1

Je früher desto besser. Damit es hinten raus nicht zu knapp wird, versuche möglichst früh deinen ersten Lift zu ergattern. Besonders in den Morgenstunden sind Fahrer unterwegs, die noch einen weiten Weg vor sich haben. Die Chancen stehen also gut, dass du mitgenommen wirst.

Tipp 2

Auffälligkeit ist der Schlüssel. Versteck dich nicht, sondern mach auf dich aufmerksam. Bunte Kleidung, ein großes Schild oder ein witziges Accessoire können dir dabei von großem Vorteil sein. Bedenke: Die Autos, die dich passieren, tun das in wenigen Sekunden. Ein kurzer Blick entscheidet, ob jemand anhält oder weiterfährt. Gib ihnen also mindestens die Chance dich zu sehen und besser noch einen Grund, dass sie anhalten und dich genauer kennenlernen möchten.

Tipp 3

Auf Rastplätzen hast du gute Möglichkeiten mitgenommen zu werden. Hier haben Fahrer nämlich deutlich mehr Zeit, dich wahrzunehmen. Vielleicht kommt ihr sogar vorher kurz ins Gespräch.

Eine große Hilfe sind übrigens vor allen Dingen Trucker: Lastwagenfahrer sind meist den ganzen Tag alleine unterwegs, viele sehnen sich nach Unterhaltung. Außerdem sind sie sehr hilfsbereit und freundlich, halte also auf jeden Fall deine Augen offen!

Tipp 4

Neben digitalen Maps auf dem Handy macht es Sinn, auch analoge Karten mitzuführen. So lernst du die Umgebung besser kennen und kannst auch im Notfall noch angeben, in welche Richtung du möchtest oder wo dein Zielort liegt.

Tipp 5

Habe Geduld. An manchen Tagen kommst du schlechter voran als an anderen, bleib aber trotzdem entspannt und geduldig. Zur Verkürzung der Wartezeit kannst du dich mit Büchern oder Musik ablenken, auch Podcasts helfen gegen Langeweile. Denk aber besonders in warmen Gebieten unbedingt an Sonnenschutz und genug Wasser!

Tipp 6

Sei für den Notfall bereit. Es passiert nicht oft, aber wenn, dann sei vorbereitet: Wenn es dunkel wird, nimmt die Chance, dass du mitgenommen wirst, rapide ab. Bist du noch nicht an deinem Zielort angelangt, dann kann es passieren, dass du auf einer Raststätte nächtigen musst. Hab also immer mindestens einen Schlafsack, eventuell sogar ein Zelt dabei.

Koffer an einer Straße

Deine Packliste fürs Trampen

Neben unserer Tipps ist vor allem die richtige Ausstattung das A und O. Es beginnt mit dem richtigen Rucksack. Dieser sollte nicht zu groß und am besten wasserdicht sein, vielleicht besorgst du dir auch noch einen extra Regenschutz. Netzbeutel helfen, um im Rucksack für Ordnung zu sorgen und ein Zahlenschloss schützt dein Hab und Gut vor Dieben in Hostels oder Unterkünften.

Für die Navigation haben wir dir bereits analoge Karten empfohlen, die du neben deiner Handyapp einsetzen kannst. Nimm zudem einen Textmarker mit, um Schilder zu beschriften und Panzertape, um diese an deinem Rucksack zu befestigen.

Neben Schlafsack und gegebenenfalls einem Zelt helfen Ohropax und eine Isomatte für eine angenehme Nachtruhe, auch im Freien. Sei zudem für jede Wetterlage bereit und pack Sonnencreme, eine Kopfbedeckung, eine Sonnenbrille und eine Regenjacke ein. Für den täglichen Bedarf brauchst du eine Wasserflasche, ein Taschenmesser, eventuell einen Topf, einen Gasbrenner und Klopapier – das rettet dich auf vielen Raststätten.

Wichtig sind auch ein paar Dokumente, die du mitführen musst. Dazu zählen dein Personalausweis, dein Reisepass, deine Krankenversichertenkarte, eine EC-Karte und je nach Land eine Kreditkarte.

Die besten Orte zum Trampen

Irland

Irland und Tschechien haben wir bereits zu Beginn erwähnt. Beide Länder sind sehr freundlich gegenüber Trampern und bieten eine Menge toller Orte, die du erkunden kannst.

In Irland gibt es faszinierende Steilküsten, niedliche Dörfer und atemberaubende Städte wie die Hauptstadt Dublin. Hier erlebst du die lustige Kultur der Iren. Nicht ohne Grund wird Irland als Grüne Insel beschrieben, die Natur dort ist definitiv das Highlight. Perfekt also für Wanderungen und Erkundungen.

Tschechien

Tschechien bietet eine Reihe an wunderschönen Städten. Dazu zählen natürlich Prag, aber auch Karlsbad, Kutná Hora und Budweis. Durch Trampen kannst du viele Städte auf deiner Reise besuchen. Die Einheimischen geben dir gerne noch Tipps für geheime Orte mit auf den Weg, die andere Touristen verpassen werden.

Skandinavien 

Auch Skandinavien lohnt sich als Ziel. Hier gelten besonders die Dänen und Schweden als freundlich und hilfsbereit. Skandinavien ist vielfältig und bietet für jeden etwas. Viele Seen und unberührte Natur, interessante Städte wie Stockholm, Kopenhagen oder Göteborg und zwei sehr sympathische Königshäuser. In Schweden hast du vielleicht sogar die Chance die Nordlichter zu sehen, ein absolut unvergesslicher Anblick.

Deutschland

Wir haben jetzt bereits einige schöne Orte dieser Welt genannt, aber wie sieht es fürs Trampen eigentlich vor der eigenen Haustür aus? Die Deutschen gelten in der Szene tatsächlich als sehr offen und freundlich. Hier findest du recht schnell einen Platz.

Besonders junge Menschen treffen auf großes Verständnis. Planst du eine längere Strecke, dann lohnen sich definitiv Raststätten am meisten als Startpunkt. Allerdings kann es auch gut passieren, dass du mit Unglauben wahrgenommen wirst, da das Trampen in Deutschland mittlerweile nicht mehr sehr üblich ist. Um aber unsere schönen Städte zu bereisen, lohnt es sich und klappt sehr gut.

Straße in Irland

Fazit

Ich packe meinen Rucksack und nehme mit… Ein bisschen Mut, alles Wichtige von unserer Packliste, Lust Einheimische kennenzulernen und eine Hand voll Geduld. Trampen ist bereits seit vielen Jahren eine tolle Art zu reisen und seine vielen Vorteile machen es auch heute noch sehr interessant.

Etwas abgelöst von der guten Vernetzung durch öffentlicher Verkehrsmittel scheint das Trampen etwas aus der Mode gekommen zu sein, aber wir finden, dass das absolut zu Unrecht geschehen ist. Eine hohe Flexibilität, spannende Erfahrungen und ein nahezu kostenloses Reisen sind nur ein paar der Vorteile, die das Trampen dir bietet.

Wichtig ist aber die richtige Vorbereitung und unsere Tipps helfen dir dabei. Alles eingepackt? Na dann, gute Reise!

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