Jedes Jahr um die Weihnachtszeit und dem Tag der Heiligen drei Könige herrscht in der fränkischen Schweiz eine ganz besondere Stimmung. Die Straßenlaternen erlöschen, Kirchenglocken läuten und durch die kleinen, von Felshängen umgebenen Orte ziehen feierliche Prozessionen. Im Schein von hunderten Kerzen, Holzfeuern und bengalischen Lichtern, die an den steilen Abhängen der fränkischen Schweiz angezündet werden, wird so jedes Jahr aufs Neue der Beschluss der „ewigen Anbetung“ gefeiert.

Ihr möchtet erfahren, was es mit dieser Tradition auf sich hat und wo auch ihr dieses Jahr an einer der wunderschönen Lichterprozessionen in der fränkischen Schweiz teilnehmen könnt? Das erfahrt ihr im folgenden Artikel.

Teelichter

Die ewige Anbetung – eine Jahrhunderte alte Tradition

Die Lichterprozessionen in der fränkischen Schweiz sind ein eigentlich alljährlicher Höhepunkt zum Jahreswechsel. Nachdem sie letztes Jahr aufgrund der Pandemie vielerorts ausfallen mussten, soll die Tradition zum Ende der ewigen Anbetung dieses Jahr wieder fortgesetzt werden. Die ewige Anbetung – das ist ein von Papst Klemens VIII. im Jahre
1592 festgelegter Brauch der katholischen Kirche, nach dem an jedem Tag des Kirchenkalenders in einer anderen Kapelle des Bistums ein Gebetstag stattfinden sollte.

Dieser Brauch ebbte jedoch in der darauffolgenden Zeit ab. 1759 verfügte der Erzbischof von Bamberg jedoch, dass diese Gebetstage und das Brauchtumsfest in seinem Bistum neu aufleben sollten. In der fränkischen Schweiz wird dieser Brauch an festgelegten Tagen im Kirchenkalender tatsächlich noch fortgesetzt und erlebt durch die populären Lichterprozessionen sogar einen Aufschwung. Jedes Jahr zieht es eine große Menge an Besuchenden in die Orte der fränkischen Schweiz, die das Meer an Lichtern bewundern wollen. Trotz dieser Popularität achten die Gemeinden jedoch darauf, dass die Lichterfeste nicht kommerzialisiert werden und der kirchliche Hintergrund des Brauchs bestehen bleibt.

Was sind die Lichterprozessionen?

Umgeben von teilweise Tausenden von Prozessierenden ziehen die Züge an verschiedenen Tagen nach Einbruch der Dunkelheit durch die Orte der fränkischen Schweiz, um die ewige Anbetung zu beschließen. Überall an den steilen Felshängen, auf den Feldern und Straßen werden Lichter und Feuer im Laufe der Prozession angezündet, die eine ganz besondere Stimmung erzeugen. Oftmals begleitet von Blaskapellen und Kirchenglocken singen die Teilnehmer der Prozession Kirchenlieder und bewundern die festliche Atmosphäre. Die Prozessionen starten immer in der Kirche der Gemeinde, in der auch die Gebete verrichtet wurden. Nach den gemeinsamen Prozessionen verteilt sich die Menge oftmals in die Gasthäuser des jeweiligen Ortes und lässt gemeinsam den Abend ausklingen.

Kerzen

Wann und wo finden Lichterprozessionen statt?

Nur aus der bloßen Erzählung heraus habt ihr vermutlich erkannt, wie festlich und atmosphärisch die Lichterprozessionen zum Beschluss der ewigen Anbetung sind. Die traditionellen Lichterfeste finden in den jeweiligen Gemeinden jedes Jahr an dem gleichen festgelegten Tag zwischen dem 7. Dezember und 6. Januar statt. Folgend möchten wir euch einen Überblick über die bekanntesten Lichterprozessionen geben, die Besonderheiten der jeweiligen Prozession herausstellen und euch ein paar hilfreiche Tipps für den Besuch einer der Lichterprozessionen geben.

Wichsenstein

In dem kleinen Ortsteil von Gößweinstein findet jedes Jahr die erste traditionelle Lichterprozession in der fränkischen Schweiz statt. Ausgehend von der Kirche St. Erhard zieht sich die Prozession am
7. Dezember entlang der von Lichtern strahlenden Felsen und Straßen durch Wichsentein. Rund 1000 Wachslichter und bengalische Feuer erhellen den Himmel über dem Ort und der Prozession, die Besuchende und Gemeindemitglieder gemeinsam begehen.

Oberrailsfeld

Am 20. Dezember wird in Oberrailsfeld der Beschluss der ewigen Anbetung mit einer festlichen Prozession gefeiert. Besonders in Oberrailsfeld wird der religiöse Hintergrund der Lichterprozessionen großgeschrieben. So bleiben zwar Würstchen- oder Getränkestände am Ende der Prozession aus, der Gebetstag beginnt jedoch schon am frühen Morgen und zieht sich bis zur Dämmerung. Rund 100 Holzfeuer und sakrale Zeichen an den Berghängen rund um Oberrailsfeld begleiten die Prozession. So wird eine wunderschöne malerische Stimmung und ein besonderer vor-weihnachtlicher Abend geschaffen!

Volsbach

In dem kleinen Örtchen Volsbach findet am 23. Dezember die Lichterprozession zur Beendigung der ewigen Anbetung statt. Ausgehend von der Pfarrkirche Mariä Geburt begleitet ein Meer aus rund
3400 Wachslichtern den Prozessionszug und läutet ein besinnliches Weihnachten ein.

Gößweinstein

Folgend auf das Lichterfest in Volsbach wird am 26. Dezember jedes Jahr in Gößweinstein das Ende des Gebetstages gefeiert. Besonders malerisch macht die Prozession in Gößweinstein ihre Kulisse: Die beleuchtete Basilika zur Heiligen Dreifaltigkeit und die Burg von Gößweinstein prunken hell erleuchtet auf den umliegenden Felsen. Die zahllosen kleinen Feuer in den Straßen des Wallfahrtsortes und die bengalischen Feuer entlang der steilen Hänge unterstützen diese Kulisse, die der Prozession eine besondere Atmosphäre verleiht. In den letzten Jahren besuchten rund 3000 Menschen die Prozession in Gößweinstein. Nach der Prozession wurden in Gößweinstein in den vergangenen Jahren Glühwein- und Bratwurststände aufgebaut, an denen die Gemeinde sowie Besuchende von außerhalb, den Abend gemeinsam ausklingen lassen konnten.

Nankendorf

Die alljährliche Prozession am 31. Dezember in Nankendorf von der Pfarrkirche St. Martin aus ist nicht nur wegen ihres Datums etwas ganz Besonderes. Tausende von Holzfeuer zieren nach Einbruch der Dämmerung die Hänge rund um Nankendorf. Bengalische Feuer in abwechselnd rot und grün sowie die zahllosen Kerzen in den Händen der Prozessierenden machen die Lichterprozession in Nankendorf zu etwas ganz Besonderem. Doch hier leuchten nicht nur Feuer und Kerzen, sondern auch Kreuze und andere christliche Symbole, die entlang des Weges der Prozession aufgestellt werden. Die Lichterprozession in Nankendorf ist jedes Jahr ein ganz besonderes Erlebnis, das vor allem durch die ansässige Feuerwehr ermöglicht wird!

Obertrubach

Am 2. und 3. Januar finden in Obertrubach die Gebetstage der ewigen Anbetung statt. Am zweiten Tag zieht dann zum Abschluss der Gebete jährlich die Lichterprozession von Obertrubach durch den Ort. Auch hier sind der Weg und die Felswände mit brennenden Holzfeuern, Scheiten, Kerzen und christlichen Symbolen bestückt, die den Abschluss der ewigen Anbetung festlich untermalen sollen. So lässt sich das neue Jahr besinnlich in einer wunderschönen Atmosphäre beginnen! Hier startet der Prozessionszug von der Kirche St. Laurentius aus.

Pottenstein

In Pottenstein findet der Beschluss der ewigen Anbetung jedes Jahr am Dreikönigstag statt. Das Lichterfest in Pottenstein gilt als eins der Größten. So werden am 6. Januar Tausende Besucher erwartet, die sich von den Lichtern in Pottenstein verzaubern lassen wollen. Besonders eindrucksvoll sind in Pottenstein die großen Feuer, die rings um den Ort auf den Felskuppen angezündet werden. Die geschmückten Triumphbögen von Pottenstein und unzählige Kerzen schaffen einen Abend voll Faszination! Der Prozessionszug beginnt in Pottenstein von der Pfarrkirche St. Bartholomäus aus.

Das muss man wissen, bevor man an einer Lichterprozession teilnimmt!

Gerade die größeren Lichterfeste sind verständlicherweise ein wahrer Publikumsmagnet. Die Lichterprozession in Pottenheim zog in den vergangenen Jahren beispielsweise bis zu 18.000 Besuchende an, die teilweise von weit her anreisten! Es ist daher wichtig, seine Anreise vorab genau zu planen. Viele berichteten davon, in den vergangenen Jahren den Ort aufgrund von Überfüllung gar nicht erst erreicht zu haben. Bei der Anreise mit dem Auto sollte man daher dringend schon früh anreisen oder möglicherweise außerorts parken! Möchte man sich nicht in die Menge werfen, sondern lieber einer der kleineren Prozessionen beiwohnen, so sind die Prozessionen in Wichsenstein oder Volsbach ein Geheimtipp!

 

Die Gebete beginnen in den verschiedenen Gemeinden zu unterschiedlichen Zeitpunkten, während die Prozessionszüge normalerweise alle gegen ca. 17 Uhr beginnen.

Fazit

Die Lichterprozessionen der fränkischen Schweiz sind wunderschön, festlich und faszinierend. Die besondere Atmosphäre der Prozessionen, die durch das Meer an Kerzen, Feuern und Bengalos geschaffen wird, führt zu einem unvergleichlichen Erlebnis. Das gemeinsame Singen und die Blaskapellen unterstützen diese Atmosphäre, wodurch die Lichterprozessionen eine tolle Möglichkeit sind, um die Weihnachtszeit oder das Neujahr zu beginnen.

Vorab sollte man sich jedoch fragen, ob man eher eine der kleineren oder eine der bekannten Prozessionen besuchen möchte. Während bei den populäreren mehr Lichter zum Einsatz kommen, tummeln sich hier sehr viele Menschen in den kleinen Gemeinden. Doch egal für was man sich entscheidet – die Lichterprozessionen in der fränkischen Schweiz sind eine einzigartige Erfahrung!

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