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March 30

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Varansi - Indiens Stadt des Todes

Eine Stadt, in die Menschen kommen um zu sterben? Ja, genau solch einen Ort gibt es in Indien, genauer gesagt im Norden des Landes. Varansi gilt für viele als die spirituelle Hauptstadt Indiens und hat für Gläubige des Hinduismus eine enorm große Bedeutung. Um die Hintergründe dieses heiligen Ortes zu verstehen, musst du aber zuerst ein paar Grundlagen des Hinduismus kennen, denn sonst wird dir die Stadt eher wie ein großes Fragezeichen erscheinen.


Der Glaube hinter Varansi

Im Hinduismus glauben die Menschen an eine Wiedergeburt. Es handelt sich um einen ewigen Kreislauf aus Wiedergeburten, denn nach dem Tod wird die Seele des Gläubigen in einer neuen Form geboren. Ein neues Leben als Mensch gilt für Hindus als das große Ziel, es kann aber auch eine Wiedergeburt als Tier sein. Somit wird der Tod im Hinduismus keinesfalls so tragisch gesehen, wie du es Beispielsweise aus den westlichen Religionen kennst. Vielmehr symbolisiert er einen Neubeginn, einen völlig neuen Anfang als ein neues Wesen auf der Erde. An dieser Stelle kommt nun Varansi ins Spiel. Denn der Glaube dieser Stadt besagt, dass der Tod in dieser Stadt den Zyklus der Wiedergeburt unterbricht. Wer in Varansi stirbt, dem gelingt der Übergang in das ewige Leben, was im Hinduismus unter dem Namen Moksha bekannt ist. Wenn du das soweit verstanden hast, dann wird dir nun auch die Stadt Varansi um einiges klarer erscheinen.

Die Stadt selbst liegt direkt am Fluss Ganges. Beim ersten Anblick wirst du hier lediglich eine einzige dreckige Brühe sehen und es ist nur schwer zu begreifen, dass es sich hierbei um ein heiliges Gewässer handeln soll. Dass der Fluss so dreckig ist, hat einen einfachen Grund. Denn direkt am Ufer des Flusses werden auf diversen Plattformen den ganzen Tag über die Leichen von verstorbenen Gläubigen verbrannt. Deren Asche wird dann in den Fluss gestreut. Grund dafür ist die heilige Wirkung des Ganges. Denn die Hindus glauben daran, dass genau dieses Wasser für sie das ewige Leben bereithält. Oft wird das Wasser des Flusses auch als das Wasser der Unsterblichkeit bezeichnet. Aber die Asche der Verstorbenen ist nicht der einzige Grund, wieso der Fluss so dreckig ist. Auch ganze Leichname, wie beispielsweise von Kindern oder Heiligen, werden in den Fluss geworfen. Dazu kommt, dass Hindus in dem Fluss baden oder ihre Wäsche waschen. Kurz gesagt: der Ganges ist einer der dreckigsten Flüsse der Welt und ist dennoch heilig und angebetet.

Übrigens: wer als Hindu in Varansi verbrennt und bestattet werden möchte, muss bis zu 300 Euro bezahlen. Dafür bekommt man aber nur eine einfachere Bestattung, wer es noch exklusiver möchte, kann mit Preisen von mehreren 1000 Euro rechnen. Für indische Verhältnisse ist das sehr sehr viel Geld und dennoch sind viele Gläubige bereit, die Bestattung zu bezahlen. Für Hindus ist es eines der wichtigsten Ziele im Leben in Varansi zu sterben oder dort bestattet zu werden.  


Die täglichen Rituale in Varnasi

Nun sind die Hintergründe und die groben Abläufe in Varansi bekannt, aber was geschieht hier eigentlich jeden Tag? Wie bereits gesagt, kommen viele Gläubige nach Varansi, um auf den Tod zu warten. Es gibt zahlreiche Hospize, für alte oder bereits kranke Menschen. Sobald ein Mensch in Varansi gestorben ist, wird der Leichnam direkt für die Verbrennung vorbereitet. Hier steht vor allem der Glaube im Hinduismus im Vordergrund und die Bestattung findet bereits kurz nach dem Tod statt. Die Toten werden öffentlich direkt am Flussufer verbrannt und nach der Zeremonie wird die Asche im Wasser verteilt. Auch wenn es für dich als deutscher Backpacker schwer vorzustellen ist, aber hier werden täglich tatsächlich unzählige Körper verbrannt.

Aber damit noch nicht genug. Das Bild in deinem Kopf zeigt nun wahrscheinlich eine Stadt voller Trauer und schlechter Atmosphäre, aber dem ist nicht so. Denn der Tod ist für die Hindus ein neuer Anfang und der Tod in Varansi bedeutet die Unsterblichkeit. Und das wird gefeiert und zwar jeden Abend. Der Fluss Ganges ist gesäumt von Menschenmassen aus Gläubigen, die in bunten Festen und Gesängen dem Fluss die Ehre erweisen. Es werden Mantras gesungen, es wird getanzt und viele bunte Lichter sorgen für eine einmalige Stimmung. Dazu braucht man in Varansi keinen besonderen Anlass, denn diese Stadt ist heilig und somit wird hier jeden Tag gefeiert.

Der Fluss Ganges - Ein Heiligtum der Hindus

Was für dich wahrscheinlich schwer zu begreifen ist, ist, wie ein so dreckiger Fluss als heilig gelten kann und jeden Tag angebetet wird. Ehrlich gesagt, erscheint das wohl jedem Besucher und Backpacker ein wenig fragwürdig.  Noch fragwürdiger ist dann, dass die Menschen in dem Wasser baden, in dem sich die Asche und die Leichname anderer Hindus befinden. Dennoch kommen zahlreiche Gläubige nach Varansi, um ein Bad im Ganges zu nehmen. Das Bad steht symbolisch für eine Reinigung des Körpers und des Geistes und der Mensch wird so von all seinen Sünden befreit. Bei einem Besuch in der Stadt Varansi wirst du mit Sicherheit auch einige Gläubige beobachten können, die ein Bad in dem Fluss nehmen und sich betend reinigen. An wichtigen hinduistischen Feiertagen ist das gesamte Flussbett gefüllt mit Menschenmassen, die an der Reinigungszeremonie teilnehmen.

Wie du vielleicht weißt, gibt es im Hinduismus zahlreiche Götter, die die Religion prägen. Anders, wie beispielsweise das Christentum wird hier nicht nur ein Gott angebetet, sondern viele verschiedene. Auch der Fluss Ganges gilt als eine Göttin, die oft mit einer großen Schlage verglichen wird, da sich der Fluss durch die Stadt Varansi schlängelt.

Ein Besuch in der Stadt - das Richtige für Backpacker?

Nach all diesen Infos frägst du dich nun bestimmt: ist diese Stadt überhaupt etwas für Backpacker? Varansi wird tatsächlich täglich von vielen Touristen besucht und mittlerweile gibt es auch hier die klassischen Verkaufsstände und geschmückte Mönche, die sich als Fotomotiv anbieten. Während einige Ecken der Stadt relativ touristisch etabliert wurden, sind die Stellen am Fluss noch unverändert. Aber das bedeutet nicht, dass du die Stadt nicht besuchen kannst. Zugegeben, du wirst dir bestimmt etwas fehl am Platz vorkommen, denn Varansi ist wie eine neue Welt. Viele neue und ungewohnte Eindrücke und hinduistische Traditionen, die für Außenstehende etwas überwältigend wirken können.

Wenn du etwas zögerst, Varansi bei deiner nächsten Backpacking-Reise nach Indien zu besuchen, ist das verständlich. Die Stadt des Todes ist dann halt doch noch eine andere Nummer, wie eine ganz normale Stadt in Indien. Dennoch können wir dir Varansi nur ans Herz legen, denn eine solche Erfahrung bekommst du nicht so schnell wieder. Hier trifft Religion auf den Alltag einer Stadt, Menschen kommen, um zu sterben und wieder andere kommen aus dem reinen Glauben an den Hinduismus. Dass die Stadt etwas Besonderes ist, wird dir bereits in den ersten Minuten auffallen. Hier liegt eine gewisse Spiritualität in der Luft und für jeden Backpacker, der Indien von der religiösen Seite kennenlernen möchte, ist Varansi die richtige Wahl. Ob du dir nun eine der Zeremonien am Flussufer des Ganges ansiehst oder nicht, liegt ganz bei dir. Viele Backpacker entscheiden sich dennoch dafür und sind dankbar für den tiefen Einblick in die Religion des Hinduismus und die Erfahrung mit den Glaubenssätzen der Hindus.

Für Backpacker aus den westlichen Ländern, ist es oft schwer zu begreifen, dass im Hinduismus der Tod kein Grund für lange Trauer ist. Genau das strahlt auch Varansi aus. Die bunten Feste, die jeden Abend am Fluss stattfinden, bezeugen genau dies. Hier wird gefeiert und die Stimmung ist positiv. Der Hinduismus sieht den Tod als einen wichtigen Abschnitt im Leben. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, wieso Varansi wie eine andere Welt wirkt.


Varansi bleibt somit ein besonderer Ort in Indien, und definitiv kein üblicher Ort für Backpacker. Hier trittst du für einen Tag hinein in eine neue Welt und kannst die Eindrücke auf dich wirken lassen. Eines ist sicher: Varansi ist ein Reiseerlebnis der besonderen Art und definitiv ein unvergessliches!


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