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Dark Tourism in Deutschland

Wer Urlaub in Deutschland machen will, denkt oft an Oktoberfest, Bier und Wanderurlaub. Aber Deutschland ist aufgrund seiner komplexen Geschichte ebenfalls ein Hotspot für Dark Tourism. In jedem Bundesland finden sich die verschiedensten düsteren Orte, die dunkle Touristen anziehen. Neben Holocaust-Tourismus gibt es einiges mehr zu entdecken. Auch der Kalte Krieg hat seine Spuren hinterlassen. Geisterhäuser, verlassene Heilanstalten oder düstere Orte direkt in der Natur sind hier ebenfalls zu finden.

Wenn du Deutschland abseits der gängigen Touristenattraktionen kennenlernen willst, ist Dark Tourism vielleicht etwas für dich. Wir haben dein Interesse geweckt? Dann sieh dir hier die düstersten Orte Deutschlands an!

Holocaust-Tourismus

Dark Tourism in Deutschland beinhaltet natürlich die Aufarbeitung der Verbrechen des Zweiten Weltkriegs. Der Besuch von Stätten des Genozids des Zweiten Weltkriegs nennt sich Holocaust-Tourismus. Hierbei werden Konzentrationslager, Museen oder Denkmäler besucht, um den Opfern Respekt zu zollen und sich mit der dunklen Geschichte Deutschlands auseinanderzusetzen. In Deutschland gibt es einige dieser Stätten, die jährlich unzählige Besucher anziehen. Es gibt auch Ziele des Holocaust-Tourismus außerhalb Deutschlands, aber viele befinden sich hier.

Da es so viele Ziele des Holocaust-Tourismus gibt, stellen wir dir hier nur eine kleine Auswahl vor. Mehr würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Wenn du mehr Stätten besuchen willst, gibt es noch einige weitere: Konzentrationslager wie Dachau, Buchenwald, Sachsenhausen und mehr können besichtigt werden. In den Lagern mussten zahlreiche Opfer sterben. Hier stellen wir dir lediglich das KZ Dachau vor, aber andere Lager sind ebenso lehrreich und düster.

Das Konzentrationslager Dachau befindet sich in Bayern, etwa 20 Kilometer von München entfernt. Da dieses Lager als erstes gebaut wurde, war es mit 12 Jahren länger in Betrieb als viele andere. Dachau wurde mithilfe beschönigender Bilder für Propagandazwecke genutzt und diente als Ausbildungsstätte der Nationalsozialisten. Im KZ Dachau gab es viele politische Gefangene, die gegen die Ideologien der Nazis waren. Daher wurden in Dachau viele politische Morde verübt. Ein Vernichtungslager war Dachau allerdings nicht. Dennoch starben hier circa 41.500 Menschen. Heute gibt es dort eine Gedenkstätte, die jährlich von circa einer Million Menschen besucht wird.

Auch Museen und Denkmäler lohnen sich. So beispielsweise das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin. Dieses Denkmal, welches auch untern dem Namen Holocaust-Mahnmal bekannt ist, soll an die ungefähr 6 Millionen Juden erinnern, die im Zweiten Weltkrieg ermordet wurden. Die unterschiedlich hohen Betonblöcke stehen im Zentrum Berlins und sind öffentlich zugänglich.

Zaun und Turm im KZ Dachau

Ofnethöhlen

Die Ofnethöhlen in Bayern sind der Fundort von Schädeln aus der Mittelsteinzeit. In den Höhlen wurden ritualistisch geschmückte Schädel in gefärbten Nestern gefunden. Es handelt sich hauptsächlich um Kinderschädel, viele Frauenschädel und nur wenige Männerschädel. Insgesamt waren es 33 Schädel, die alle nach Westen ausgerichtet waren. Die genauen Hintergründe sind unklar, allerdings ist ein gewaltsamer Tod wahrscheinlich. Vermutet werden ein Massaker, rituelle Opferung oder Kannibalismus. Die Höhlen können zu Fuß erreicht werden.

Michaelskapelle in Oppenheim

Die Michaelskapelle ist ein Beinhaus in Rheinland-Pfalz. Es ist eins der größten in Deutschland und sehr gut erhalten. Die kleinere Kapelle liegt gegenüber der größeren Katharinenkirche. Der Erzengel Michael, welcher der Kapelle ihren Namen gibt, soll die Seelen Verstorbener ins Jenseits begleiten und beschützen. Das lässt vermuten, dass die Kapelle als Beinhaus angelegt wurde. In der Geschichte der Kirche sollen die Überreste von etwa 20.000 Menschen in der Michaelskapelle aufbewahrt worden sein. Laut einer Sage sollen diese Gebeine in der Nacht vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges auferstanden und gegeneinander gekämpft haben.

Heute sind gestapelte Schädel und Rohrknochen durch eine Gittertür zu sehen. Mit Führungen kann man auch in die Krypta gehen und die Gebeine dort bewundern. Einer der Schädel ist Gold angemalt. Hierbei handelt es sich um einen echten menschlichen Schädel, der für ein Filmprojekt angemalt und dann in der Krypta zurückgelassen wurde. Die Kirche war nach einem Brand 200 Jahre eine Ruine und wurde erst 1889 wieder aufgebaut. Wann genau die Kapelle erstmals gebaut wurde, ist heute unklar. Für jeden, der Beinhäuser interessant findet, ist die Michaelskapelle definitiv einen Besuch wert.

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

In der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen kannst du die ehemalige Untersuchungshaftanstalt der Stasi besichtigen. Hier wird über die Methoden und die Folgen dieser informiert. Es werden Führungen durch das alte Stasi-Gefängnis angeboten, aber da diese so beliebt sind, müssen sie online gebucht werden. Besonders interessant ist hier, dass die Führungen von ehemaligen Gefangenen oder Historikern geleitet werden. Insgesamt wurden mehr als 11.000 Menschen inhaftiert. Eingesperrt wurden politische Gegner der SED und vor allem Leute, die aus der DDR fliehen wollten. Diese wurden psychischer Folter ausgesetzt. Die Gefangenen wurden isoliert und manipuliert. Man wollte die Verhörten zu selbstbelastenden Aussagen bringen. Teilweise wurden sogar Menschen im Westen entführt und in das Stasi-Gefängnis gebracht.

Auch diese Stätte spiegelt die dunkle Geschichte Deutschlands wider. Andere Orte, an denen du die Geschichte der Stasi und der DDR nachverfolgen kannst, sind das Stasimuseum oder das DDR Museum. Beide Museen befinden sich in Berlin. Auch die Besichtigung von Teilen der Berliner Mauer lohnen sich.

Zellen im ehemaligen DDR-Gefängnis

Hinterkaifeck

Auch in Deutschland steigt das Interesse an Kriminalfällen, besonders an ungelösten. Deswegen erfreut sich auch der Fall Hinterkaifeck zunehmender Aufmerksamkeit. Das macht die Gedenkstätten des Falls auch für Dark Tourism relevant.

Aber was ist überhaupt passiert? Auf dem Hof Hinterkaifeck in Bayern wurden 1922 sechs Menschen getötet. Darunter auch zwei Kinder. Die Morde wurden vermutlich in der Nacht vom 31. März auf den 1. April verübt. Erst am 4. April wurden die Leichen gefunden. Aufgrund dessen kann nicht genau rekonstruiert werden, was tatsächlich in der Tatnacht passiert ist.

Die Leichen des Ehepaars Andreas und Cäzilia Gruber, der Tochter Viktoria Gabriel sowie deren Tochter Cäzilia Gabriel wurden in der Scheune gefunden. Vermutlich wurde Viktoria zuerst getötet. Ihr folgten wohl in dieser Reihenfolge Andreas, Cäzilia Gruber und die sieben Jahre alte Cäzilia Gabriel. Im Haus wurde dann zuerst die Magd Maria Baumgartner und dann der zwei Jahre alte Josef getötet. Alle Opfer wurden mit einer Hacke erschlagen und hatten Kopfverletzungen.

Schon vor dem Sechsfachmord sind beängstigende Dinge auf dem Hof passiert. In der Nähe des Hauses wurde eine Zeitung gefunden, die niemand in der Nähe abonniert hatte. Einige Tage vor der Tat wurden Fußspuren im Schnee gesehen, die zum Haus führten und nicht wieder hinaus. Man hörte Schritte vom Dachboden, aber auf der Suche nach dem Auslöser fand Andreas nichts. Außerdem wurde ein Schloss der Motorhütte aufgebrochen, ein Rind losgebunden und ein Hausschlüssel wurde vermisst. Anwohner wollen ebenso einen Mann gesehen haben, der den Hof vom Wald aus beobachtet hat. Trotz all dieser beunruhigenden Vorfälle wollte Andreas Gruber keine Hilfe von der Polizei annehmen.

Nach der Tat muss der Täter auf dem Hof geblieben sein, denn die Tiere wurden versorgt und Essen wurde verbraucht. Immer wieder kamen Menschen auf den Hof, um Arbeiten zu erledigen oder Bestellungen aufzunehmen. Dabei wurde auffällig, dass der Hof menschenleer schien. Trotzdem wurden die Leichen erst am 4. April gefunden. Am 5. April wurden erste Untersuchen der Polizei durchgeführt. Hierbei fand man den Dachboden, auf dem wohl jemand geschlafen und die Bewohner ausspioniert haben muss.

Nach Tätern wurde verzweifelt gesucht, aber es konnte nie ein Schuldiger gefunden werden. Es wurden etwa 100 Menschen verdächtigt. Unter anderem der verstorbene Mann Viktorias, dessen Tod angezweifelt wurde, und der Nachbar Lorenz Schlittenbauer waren unter den Verdächtigten. Das Motiv beider soll die inzestuöse Beziehung zwischen Viktoria und ihrem Vater Andreas gewesen sein. Diese Beziehung soll den kleinen Josef hervorgebracht haben.

Bis heute bleibt der Fall ungeklärt. Die Farm wurde ein Jahr nach der Tat abgerissen und ist heute nicht mehr zu besichtigen, aber ein Bildstock in der Nähe des Tatortes und ein Gedenkstein auf dem Friedhof in Waidhofen erinnern an den brutalen Sechsfachmord. Auch Wanderungen werden angeboten. Eine weitere Tragödie für die Opfer und deren Familien ist die Tatsache, dass bei den Untersuchungen der Polizei die Schädel abgenommen wurden. Diese wurden allerdings im Zweiten Weltkrieg durch Bombardierungen zerstört. Die Opfer sind also ohne Schädel begraben.

Teufelsberg Berlin

Die ehemalige amerikanische Abhörstation aus dem Kalten Krieg befindet sich auf dem Teufelsberg in Berlin. Der aus Trümmern des Zweiten Weltkriegs bestehende Berg ist 120 Meter hoch und damit der zweithöchste Berg Berlins. Heute steht die Station nach gescheiterten Bauprojekten leer. Durch den Leerstand kam es schnell zu Vandalismus, aber mittlerweile gehören die Graffitis dazu und werden sogar unterstützt. Künstler aus aller Welt hinterlassen ihre Spuren dort.

Die Kombination der verfallenden Architektur der Abhörstation und der verschiedensten Graffitis ist ein echter Hingucker. Es gibt Führungen und eine Bar. Mittlerweile können dort nach Absprache eigene Events stattfinden. Der Teufelsberg und seine Umgebung sind auch für Wanderungen und Radtouren super geeignet. Durch die Kommerzialisierung des Ortes hat der Teufelsberg seinen Status als Lost Place mittlerweile verloren. Wenn du die beliebtesten Lost Places Deutschland bereisen willst, haben wir hier einen Artikel dazu.

Ehemalige US-Abhörstation in Berlin

Fazit

Offensichtlich hat Deutschland für Dark Tourism einiges zu bieten. Diese Ziele und viele mehr lassen dich das Land auf eine ganz andere Weise erkunden. Neben den traditionellen Reisezielen kannst du auch einen Abstecher in den dunklen Tourismus wagen. Egal, ob du Museen, Gedenkstätten oder Architektur bevorzugst, Dark Tourism in Deutschland ist unglaublich vielfältig und eine Bereicherung für deinen nächsten Trip.

Denk aber immer daran, respektvoll zu bleiben, wenn du eine der Stätten des Dark Tourism besuchst.

Du bekommst nicht genug von Dark Tourism? Dann sieh dir hier unseren Artikel zum Thema an und erfahre mehr darüber.

Lidia Strauch

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