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Dark Tourism auf dem Balkan

Die Balkanhalbinsel ist eines der diversesten Gebiete innerhalb Europas, denn in keiner anderen Gegend treffen so viele Sprachen und Volksgruppen aufeinander, wie hier. In der Geschichte der Halbinsel gab es deshalb leider immer wieder Konflikte zwischen den unterschiedlichen Volksgruppen.

Die Mahnmale und Gedenkstätten dieser Konflikte sind heute noch erhalten und sollen an die, teilweise recht grausamen, Ereignisse und Kriegsverbrechen erinnern. Dark Tourism auf dem Balkan ist kein leichtes Unterfangen, sondern beschreibt ein dunkles Kapitel in der Geschichte dieser Orte.

Wir wollen dir hier einige der düsteren Geschichten erzählen, damit du für deinen Dark Tourism Trip auf dem Balkan gut vorbereitet bist.

Serbien

Ćele Kula, der Schädelturm

In dem serbischen Dorf Ćele, in der Nähe der Stadt Niš, findest du den sogenannten Schädelturm, welcher in der Landessprache Ćele Kula „der Hügel von Ćele“ genannt wird. Der Turm hat seinen Namen deshalb erhalten, weil er einen Hügel aus Kalkstein und Schädeln darstellt.

Die Schädel gehören zu den serbischen Soldaten, die Anfang des 19. Jahrhunderts gegen die Herrschaft der Osmanen kämpften. Sie wollten ihre Heimat von der türkischen Herrschaft befreien, doch die Geschichte endet tragisch: Der Anführer der Widerstandsbewegung, Stevan Sinđelić, erkannte, dass sie am Verlieren waren. Er wollte jedoch weder sich noch seine Mitstreiter in osmanische Gefangenschaft geraten lassen. Deshalb zündete er ein Pulverfass an und tötete damit sich selbst, seine Soldaten und außerdem einige gegnerische Soldaten.

Daraufhin wurden die Osmanen wütend und bestraften die toten Soldaten, indem sie ihre Schädel in den Steinturm einmauerten. Außerdem wurde so ein Mahnmal für die restliche Bevölkerung errichtet, weitere Widerstandskämpfe zu unterlassen.

Der Schädelturm war ursprünglich über 4 Meter hoch und bestand anfangs aus über 1000 Schädeln, von denen heute nur noch ca. 50 in dem Turm sind. 1892 wurde von der serbischen Kirche eine Kapelle um den Schädelturm herum errichtet, um den Toten eine letzte Ruhestätte zu geben. Die grausame Geschichte hinter dem Bau des Turms jedoch bleibt.

Steinkreuze vor alter Steinkapelle

Rumänien

Draculaschloss

Wer kennt nicht die Geschichte von Dracula, dem blutsaugenden Vampir, der in einem Schloss in Transsylvanien haust. Aber kennst du auch den „echten“ Dracula, der Bram Stoker dazu inspiriert hat, den Roman zu schreiben?

Fürst Vlad III Draculea lebte im 15. Jahrhundert in Rumänien, jedoch nicht auf dem Schloss Bran in Transsylvanien, sondern auf der Burg Poenari in der Wallachei. Die Wallachei ist im deutschen Sprachgebrauch auch als Siebenbürgen bekannt. Entgegen allgemeiner Behauptungen war der echte Vlad nämlich nie in Transsylvanien.

Der historische Fürst war Herrscher über die Wallachei und kämpfte, von seiner Burg Poenari aus, gegen die Osmanen und andere Eindringlinge. Aufgrund seiner erhöhten Lage, denn die Burg befindet sich auf einem Berg, war dieser Stützpunkt von Feinden fast nicht einzunehmen. Vlad III wurde deshalb so berühmt, weil er mit ziemlich grausamen Methoden gegen seine Feinde kämpfte und bekam sogar mit der Zeit den Beinamen „Tepeş – Der Pfähler“.

Die Ruinen der echten Draculaburg sind auch heute noch zu besichtigen und liegt abseits von den großen Touristenorten.

Burg Poenari, Rumänien

Bulgarien

Ruinen von Schrebtschewo

In Schrebtschewo, in der Mitte Bulgariens, befindet sich das gleichnamige Dorf mit dem nahegelegenen Stausee. Die Geschichte dieses Dorfes ist tragisch, denn durch den Stausee wurde das gesamte Dorf unter Wasser gesetzt.

Obwohl das Dorf schon seit dem 15. Jahrhundert an diesem Ort steht, wurde 1965 der Bau eines Stausees genau an dieser Stelle beschlossen. Die Bevölkerung wurde zwangsumgesiedelt und seitdem steht das komplette Dorf unter Wasser. Das einzige Gebäude, das die Überschwemmung überlebt hat, ist eine alte Steinkirche aus dem 19. Jahrhundert. Dabei handelt es sich um die Kirche des heiligen Ivan von Rila, die auf einem Hügel steht.

Aufgrund seiner Höhenlage wird die Kirche bei Ebbe für 2 Monate im Jahr sichtbar. Wenn du den Ort zum richtigen Zeitpunkt besuchst, dann steht das Wasser sogar so niedrig, dass du mit dem Kajak in die Kirche paddeln kannst. Für den Rest des Jahres verschwindet allerdings auch die Kirche wieder bis zur Spitze unter Wasser und kehrt zum Rest des Dorfes zurück…

Kirchenruine

Albanien

Das Land der Bunker

Wusstest du, dass Albanien das Land mit den meisten Bunkern ist? Über 200.000 dieser Bauten gibt es dort! Kleine, abgerundete Betonhügel ragen über das ganze Land verstreut noch heute aus dem Boden, wurden aber nie benutzt. Perfekt als Dark Tourism Ziel auf dem Balkan!

Die Betonbunker wurden zwischen 1972 und 1984 von dem damaligen albanischen Diktator Enver Hoxha geplant. Er war ständig von der Angst begleitet, in Albanien könnte eine Invasion stattfinden. Für den Fall einer tatsächlichen Invasion ließ er schließlich die Bunker bauen.

Ursprünglich waren für die gesamte Bevölkerung Betonbauten geplant, was insgesamt über 750.000 Stück gewesen wären! Das Projekt wurde jedoch nie vollendet, einige der bereits errichteten Bunker hat man außerdem bis heute nicht wiedergefunden, da so viele über das Land verstreut sind. Die meisten davon wirst du also noch in der Landschaft erblicken können, einige davon sind sogar für Besichtigungen geöffnet.

Was aus den paranoiden Vorstellungen eines Diktators entstanden ist, stellt für die Bevölkerung heute noch eine große Belastung dar. Denn die Betonbauten stehen teilweise mitten in den Feldern der Bauern, welche diese als Hühnerstall oder Müllablage umfunktionieren. Privatbesitzer haben außerdem das Recht, die Bunker auf ihrem Grund entfernen zu lassen. Da diese allerdings aufgrund ihrer dicken Betonschicht fast unantastbar sind, können die Betonhügel nur vom Militär, mithilfe von schweren Panzergeschützen, zerstört werden.

Bunker in Albanien

Fazit

Dark Tourism Schauplätze auf dem Balkan gibt es reichlich. Diese sind jedoch nicht einfach nur irgendwelche Touristenorte, sondern besitzen zum Teil eine recht tragische Vergangenheit, ebenso wie einige Orte in Osteuropa.

Einen Großteil der Orte stellen Monumente oder Mahnmale von Kriegsschauplätzen dar, während andere die exzentrische Landschaftsarchitektur der Staatsregierung widerspiegeln. Einige dieser Dark Tourism Stätten sind außerdem mit großen Verlusten seitens der lokalen Bevölkerung verbunden. Diese Verluste kannst du an den entsprechenden Orten regelrecht spüren.

Wichtig für einen Dark Tourism Trip auf dem Balkan ist deshalb, dass du die Geschichte hinter den Schauplätzen kennst.

Melanie Nickl

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