Harar, das Juwel von Äthiopien

Die antike Stadt Harar gehört mit ihren 75.000 Einwohner*innen zu den wichtigsten Städten in Äthiopien. Da sie schon seit vielen Jahrhunderten ein bedeutendes Handelszentrum des Landes ist, wird es dich wohl nicht wundern, dass sie auch kulturell viel zu bieten hat. Und in der Tat muss sich Harar auf keinen Fall vor anderen beliebten Reisezielen in Afrika verstecken. Vor allem der Handel mit dem Rest des Landes, aber auch die Handelsbeziehung zu Arabien und dem gesamten Horn von Afrika haben die Stadt stark beeinflusst.

Allerdings ist Harar auch eine der Städte, in der Korruption und Armut eng miteinander verwoben sind. Wenn du allein durch die Straßen läufst und die Leute erkennen, dass du kein*e Einheimische*r bist, dann wirst du auch schnell von jeder Menge Leute belagert, die nach einer kleinen Spende bitten. Vor allem Kinder neigen dazu, ziemlich penetrant zu werden, nur um ein bisschen Geld zu bekommen.

Versteh uns nicht falsch, Armut ist selbstverständlich ein Problem, das wir gerne bekämpfen. Aber diesen Leuten dein Geld zu geben, wird kaum jemandem helfen. Hier kannst du sicher davon ausgehen, dass jeder Euro, den du einem Straßenkind in die Hand drückst, nicht bei ihm landet, sondern bei einer Bande, welche sie auf die Straße schickt.

Aus diesem Grund empfehlen wir dir, für die Erkundung von Harar lieber einen lokalen Tourguide anzuheuern. Ziemlich selten, denn eigentlich erkunden wir Städte lieber auf eigene Faust. Ausnahmen bestätigen jedoch bekanntermaßen die Regel. Die Guides wissen, wie sie am besten mit der Situation vor Ort umgehen, aber meist werdet ihr auch in Ruhe gelassen, sobald erkennbar ist, dass du mit ortskundiger Begleitung unterwegs bist. Natürlich richtet sich dein Begleiter voll und ganz nach dir. Du kannst also bestimmen, welche Ecken du erkunden willst.

In diesem Artikel verraten wir dir, welche Ecken von Harar du unbedingt auf deine Bucket List setzen solltest. Dann kannst du diese auch gemeinsam mit einer Begleitung erkunden oder, wenn du es dir doch zutraust, auf eigene Faust erkunden.


Jegol

Jegol ist die Altstadt Harars. Sie ist von meterhohen dicken Mauern umgeben, welche über eine Strecke von dreieinhalb Kilometer rund um das Viertel verlaufen. Erbaut wurden diese Mauern im 16. Jahrhundert, damals dienten sie zum Schutz der Stadt. Über insgesamt sechs Tore kannst du das historische Zentrum betreten, fünf davon kannst du jedoch nur zu Fuß begehen.

Das einzige Tor, welches du auch mit dem Auto durchqueren kannst, ist das Harar-Tor, welches im späten 19. Jahrhundert vom äthiopischen Herzog Ras Makonnen nachträglich eingebaut wurde. Nahe dem Harar-Tor findest du auch die beiden schönsten Tore, das Buda-Tor und das Shoa-Tor. Im Osten befinden sich das Erer-Tor und das Sanga-Tor. In Richtung Norden befindet sich das Fallana-Tor.

Allein schon durch die von bunten Häusern gesäumten Gassen zu spazieren ist ein Erlebnis für sich. Es besteht sogar die Möglichkeit, einige dieser wunderschönen Häuser von innen zu erkunden. Wie bei vielen Attraktionen in Harar ist auch hier die Zusammenarbeit mit einem ortskundigen Guide äußerst hilfreich, um diese überhaupt zu finden. Dies auf eigene Faust zu versuchen macht die Sache erheblich schwieriger.

Außerdem findest du in diesem labyrinthartigen Gewirr aus engen Gassen auch einige Marktstände, an denen du zahlreiche Produkte aus der Region bekommst. Des Weiteren befinden sich in Jegol zahlreiche Moscheen, zwei von ihnen stammen sogar noch aus dem 10. Jahrhundert. Da sind die über hundert Schreine und Tauschende traditionellen Harari-Häuser nur noch das i-Tüpfelchen.

Die wohl beeindruckendste Moschee Harars ist die Große Moschee, welche sich ebenfalls in Jegol befindet. Sie ist sogar die einzige größere Moschee innerhalb der Stadtmauern und stammt aus dem 16. Jahrhundert. Sie mag zwar keinen besonders interessanten Architekturstil aufweisen, aber die weißen Minarette kannst du von überall in der Stadt aus bewundern. Wenn du allerdings kein*e gläubige*r Moslem / Muslima bist, kannst du die Moschee nur von außen betrachten.

Auch, wenn die Gassen von Jegol erst einmal wie ein riesiger Irrgarten wirken, wirst du dich dort kaum verlaufen. Egal wie tief du in dieses Labyrinth eintauchst, nach einiger Zeit gelangst du immer auf eine der Hauptstraßen, welche dich zum Feres Magala bringt, dem geschäftigsten Platz im Zentrum von Harar.

Sicherlich wird es dich nicht wundern, dass es auf diesem belebten Platz ebenfalls einige interessante Sehenswürdigkeiten gibt, die du entdecken kannst. Unter anderem befindet sich dort ein riesiges Denkmal, welches den Opfern während der Menelik-Eroberung gewidmet ist, sowie die Medhan Alem Kathedrale. Letztere wurde von Herzog Ras Makonnen an der Stelle errichtet, an der vorher eine Moschee stand.


Die Fütterungsstellen für Hyänen

Eine der wohl interessantesten Attraktionen ist die Hyänenfütterung. Harar ist sogar einer der wenigen Orte, an denen Hyänen so zutraulich sind, dass sie sich auch ohne aggressive Grundhaltung den Menschen nähern. Das ist eher selten, da sie sonst auch dafür bekannt sind, selbst uns Zweibeiner anzugreifen, wenn wir ihnen zu nah kommen.

Du hast selbstverständlich auch die Möglichkeit, eigenständig die Hyänen zu füttern. Da dies jedoch trotzdem ein unberechenbares Sicherheitsrisiko birgt, ist es besser, wenn du lieber zusammen mit einem sogenannten Hyänenmann dieses Erlebnis teilst. Diese sind nämlich erfahren im Umgang mit Hyänen und wissen zudem, an welchen Orten sie sich am liebsten aufhalten.

Einen solchen Hyänenmann zu finden ist in Harar gar nicht mal so schwer. Viel schwieriger ist es, auch jemanden zu finden, der nicht das schnelle Geld sieht und dich ausnimmt wie eine Weihnachtsgans. Wenn von dir mehr als 100 äthiopische Birr verlangt werden, was in etwa zwei Euro sind, dann solltest du lieber weitersuchen.

Äthiopien Harar - Hyäne

Es gibt zwei Hotspots, an den sich besonders oft Hyänen tummeln. Einer befindet sich im Norden von Harar, der andere in Richtung Osten. Die nördliche Fütterungsstelle erreichst du über das Fallana-Tor. Dort streifen normalerweise zwischen zwei und vier Hyänen herum. In der Nähe befindet sich auch eine Hyänenhöhle, in die du zusammen mit deiner Begleitung gehst, falls ihr überhaupt keines dieser Tiere antrefft.

Die östliche Hyänenfütterungsstelle findest du etwa eineinhalb Kilometer entfernt vom Erer-Tor. Da sie in der Nähe der Mullhalde liegt, triffst du dort auch viel eher auf Hyänen als an der nördlichen Fütterungsstelle. Aber auch wegen des geringeren Straßenverkehrs eignet sich der östliche Hotspot besser.

Natürlich dauert es einige Zeit, bis sich die Hyänen dir und dem Hyänenmann nähern. Wenn sie aber genug Vertrauen gesammelt haben, kommen sie mit ihrer typischen Gangart auf euch zu und schnappen sich das Fleisch, dass deine Begleitung in der Hand hält. Nach einiger Zeit kannst du dies auch selbst probieren.

Einige Hyänenmänner stecken sich sogar das Fleisch selbst in den Mund, um es von einer Hyäne aus diesem herausziehen zu lassen. Wir raten dir in jedem Fall davon ab, dies selbst zu machen. Hyänen sind leider auch sehr bekannt dafür, zahlreiche Krankheiten wie Milzbrand zu übertragen. Auch, wenn die Hyänen selbst ein ziemlich gutes Immunsystem haben, bedeutet dies nicht, dass sie keine Überträger von Viren, Bakterien und anderen Krankheitserregern sind.


Interessante Marktplätze in Harar


Der Schmugglermarkt

Der Name ist hier Programm, denn in der Tat handelt es sich hier oft um geschmuggelte Ware. Viele der Produkte stammen aus Somalia und wurden illegal über die Grenze gebracht, teilweise mit ziemlich kreativer Vorgehensweise. Aber auch Waren aus China und anderen Ländern kannst du hier bekommen.

Das Problem ist, dass du hier nie weißt, was du bekommst. Viele der Produkte sind Fälschungen, aber es befinden sich auch einige echte Sachen darunter. Das heißt, du bekommst entweder überteuerten Plastikmüll oder ein hochwertiges Produkt zum Schnäppchenpreis. Das Angebot reicht von Textilien bis hin zu modernen elektronischen Geräten.


Der Shoa Gate Markt

Dieser Markt eignet sich hervorragend, wenn du auf der Suche nach Gewürzen bist. Aber auch Gemüse und allerlei andere Lebensmittel kannst du dort bekommen. Das Highlight ist jedoch der Weihrauch, der die Straßen mit seinem unverkennbaren Geruch durchzieht. Vor allem für die traditionellen Kaffeezeremonien, bei denen der Weihrauch zum Einsatz kommt, lohnt sich ein Besuch.


Besuchenswerte Museen


Arthur Rimbaud Zentrum

Bei diesem Museum handelt es sich um das Herrenhaus, in welchem früher der französische Dichter Arthur Rimbaud lebte. Im Inneren erfährst du viel über sein Leben, aber das eigentliche Highlight des Museums ist die Fotoausstellung. Diese zeigt Harar anhand von Fotos, die Rimbaud selbst geschossen hat. Erstaunlich ist, dass du sehen kannst, wie wenig sich im Laufe der Zeit verändert hat. Es wirkt fast so, als hätte die Zeit in Harar seitdem stillgestanden. Nur wenige Veränderungen hat es am Stadtbild gegeben, seit Rimbaud diese Bilder gemacht hat.


Ras Tafari's Haus

Dieses auffällige Haus wurde von einem Händler aus Indien erbaut und liegt nicht weit weg vom Rimbaud Zentrum. Heute ist in diesem Gebäude das Stadtmuseum untergebracht. Zu den Exponaten zählen unter anderem alte Münzen, antike Waffen und Schmuck. Aber auch alte Manuskripte sowie kulturelle Kleidung gehören zu den Ausstellungsstücken des Museums.


Fazit

Harar, eine der wichtigsten Städte Äthiopiens, ist ein äußerst interessantes Reiseziel und definitiv einen Besuch wert. Es macht riesigen Spaß, durch die Altstadt Jegol zu spazieren und die engen Gassen, welche sich durch die bunten Häuser winden, zu erkunden.

Aber nicht nur in der Stadt selbst kannst du viele tolle Sachen erleben. Eines der Highlights etwas außerhalb von Harar ist die Hyänenfütterung. Da sich die Hyänen hier daran gewöhnt haben, regelmäßig von Menschen gefüttert zu werden, sind sie auch äußert zutraulich geworden. Am besten genießt du dieses Spektakel gemeinsam mit einem erfahrenen Hyänenmann. Dieser weiß, worauf du bei der Fütterung der Hyänen achten musst.

Zudem gibt es in Harar noch einige interessante Märkte und Museen zu erkunden. Die Zeit in dieser atemberaubenden Stadt wirst du somit sicherlich in vollen Zügen genießen. Langeweile wird bei dir wohl kaum aufkommen angesichts der vielen Möglichkeiten, die dir Harar bietet.

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